AGIT-Drucker

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Die AGIT-Drucker waren ein selbstverwalteter Betrieb in den 1970er Jahren, die sich als Teil der Gegenbewegung zu den dogmatischen K-Gruppen verstanden.

Sie druckten in West-Berlin neben vielen anderen Publikationen das Info Berliner Undogmatischer Gruppen (Info BUG) und unterstützten verschiedene Projekte und Gruppen durch Materialpreise. Allgemein war die Absicht, links-politische Drucksachen zu ermöglichen. Traditionelle Druckereien lehnten es oft ab diese Publikationen zu drucken.

Das Info BUG war eine wöchentliche linksradikale Zeitschrift, die sich mit Ideen der undogmatischen oppositionellen Linken auseinandersetzte und Berichte, Termine, Aktionen und Ähnliches veröffentlichte. Auch mit dem Thema RAF setzte man sich kritisch auseinander. Die Publikation hatte eine überregionale Verbreitung und wurde von wechselnden Redaktionsgruppen erstellt. Das Blatt wurde dann vom „agit druck kollektiv“ im Offsetdruckverfahren gedruckt.

BUG stand am Anfang für Berliner Undogmatische Gruppen, später wurde der Titel variiert in „Berliner Unfassbare Gruppen“, „Berliner Unzählige Gruppen“ und einige andere nicht ganz ernst gemeinte Bezeichnungen. Die Zeitschrift erschien erstmals 1974. Nach dem Verbot 1977 spaltete sich eine Gruppe ab und gab die Zeitschrift BUG Info heraus. Auch diese Zeitschrift wurde daraufhin strafrechtlich verfolgt. Noch bis Oktober 1978 wurde das Info BUG teils als Info Blues klandestin hergestellt und vertrieben. Die Auflage betrug bis zu 3000 Stück, der Preis 0,50 DM. Insgesamt gab es 197 Nummern.[1]

Die Zeitschrift und ihre Mitarbeiter gerieten bald ins Visier der Strafverfolgung.[2] Im April 1975 wurde die Zeitschrift zum ersten Mal an einigen Vertriebsstellen beschlagnahmt. Im Februar 1977 folgten Strafen wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, am 17. Oktober 1977 die ersten Verhaftungen von vier Druckern durch den Staatsschutz unter dem Vorwurf der "Unterstützung einer terroristischen Vereinigung". Die Untersuchungshaft dauerte bis zu neun Monaten.[3]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Piper: Die Anklage der Agit-Drucker in Berlin. In: Jury, Deutscher Beirat und Sekretariat des 3. Internationalen Russell-Tribunals (Hrsg.): 3. Internationales Russell-Tribunal. Zur Situation der Menschenrechte in der Bundesrepublik Deutschland. Band 3. Gutachten, Dokumente, Verhandlungen der 2. Sitzungsperiode / Teil 1: Zensur. Rotbuch Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-88022-205-3, S. 120–128.
  • Johannes Riemann: Der Prozeß gegen die Agit-Drucker und der § 88a StGB. In: Jury, Deutscher Beirat und Sekretariat des 3. Internationalen Russell-Tribunals (Hrsg.): 3. Internationales Russell-Tribunal. Zur Situation der Menschenrechte in der Bundesrepublik Deutschland. Band 3. Gutachten, Dokumente, Verhandlungen der 2. Sitzungsperiode / Teil 1: Zensur. Rotbuch Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-88022-205-3, S. 129–136.
  • Der Prozeß gegen die agit-Drucker. In: Ästhetik & Kommunikation, Berlin, Nr. 33, 1978.
  • Komitee zur Befreiung der Agit-Drucker (Hrsg.): Prozeß gegen 4 Drucker. Eigenverlag (Druck: Agit-Druck), Berlin 1978.
  • Agit-Druck GmbH (Hrsg.): Das Urteil vom Agit-Prozeß. Mit Kommentaren von Walter Jens, Ernst Piper, Wilm Schmidt-Pabst. Eigenverlag, Berlin o. J. [1979]
  • Solidarität kann zur Waffe werden. ... – Infos zum Prozess gegen Fantasia-Druck und ivk; Stuttgart 1979, bestellbar bei Archiv sozialer Bewegungen (Memento vom 23. August 2006 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Holger Jenrich: Anarchistische Presse in Deutschland 1945–1985. Trotzdem Verlag, Grafenau-Döffingen 1988, ISBN 3-922209-75-0, S. 89 f., S. 149–1575.
  2. Vgl. hierzu: Der Prozeß gegen die agit-Drucker. In: Ästhetik und Kommunikation. 1978
  3. Der Spiegel 1978, Ausgabe 45, S. 92f.