Ablach (Krauchenwies)

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Ablach
Gemeinde Krauchenwies
Ehemaliges Gemeindewappen von Ablach
Koordinaten: 48° 1′ 15″ N, 9° 13′ 30″ O
Höhe: 614 m
Fläche: 6,14 km²
Einwohner: 682 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 111 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 72505
Vorwahl: 07576
Ablach (2007)
Ablach (2007)

Das Dorf Ablach ist ein Teilort der Gemeinde Krauchenwies mit 682 Einwohnern (Stand: 31. Dez. 2010)[1] und liegt etwa zwei Kilometer westlich des Hauptorts Krauchenwies im Landkreis Sigmaringen (Baden-Württemberg).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ablach liegt ungefähr zehn Kilometer südlich von Sigmaringen und rund 25 Kilometer nördlich des Bodensees. Das Dorf liegt am gleichnamigen Fluss Ablach im Ablachtal, das durch eiszeitliche Gletscher geformt worden ist. Ablach liegt am südlichen Rand des Naturparks Obere Donau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh siedelten Kelten im Ablachtal, davon zeugt schon der Name Ablach selbst. „Abela“ enthält vielleicht den indogermanischen Bestandteil *ab- „Wasser, Wassergeist“ mit einem unidentifizierten Suffix -ela [?] oder eine Insel der Unsterblichen in der keltischen Anderswelt heißt im Irischen „Emain Ablach“ (Insel der Äpfel). Einzelfunde vom Ennetacher Berg bezeugen das Vordringen der Kulturgruppe „Magdalénien“.

Angeblich fanden sich westlich vom Ort Spuren einer römischen Niederlassung. Noch in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts erzählten Leute von einem Schloss auf dem gegen Ablach vortretenden Rücken. Über dem Steilabfall gegen Süden wurden 1929 vom deutschen Archäologen Oscar Paret römische Ziegel gefunden.[2] Allgemein wird hier von einer sogenannten Volksburg gesprochen.[3]

Ins Jahr 1202 datiert die erste urkundliche Erwähnung eines Heinricus de Abilach als Zeuge der Urkunde des Diethelm von Krenkingen, Bischof von Konstanz und Abt im Kloster Reichenau. Der Ort lag ursprünglich im Bereich der Goldineshuntare, dann im Gau Ratoldesbuch und später in der Grafschaft Sigmaringen. In späteren Urkunden sind mehrfach Herren von Ablach bezeugt. In einer Urkunde vom 27. Januar 1292 ist von einer Burg die Rede, nach welcher sich ein Johannis de Ablach nannte.[4] Besitz und Rechte im Ort hatte im 13. und 15. Jahrhundert auch das Kloster Wald. Die von Ablach waren zu dieser Zeit eine ministerial-niederadlige Familie. Ein Renz von Ablach, wohl der Vater der Nonne Anne von Ablach (28. Januar 1367), war Lehensmann der Truchsessen von Rohrdorf-Meßkirch.[5] Weiterhin wird ein Fridrich von Ablach (auch Friedrich genannt), der wohl ein Jurist und Fürsprecher beim bischöflichen Gericht in Konstanz war.[6]

Ablach kam bereits im 13. Jahrhundert an das Haus Habsburg. Österreich vergab Ablach als Pfandschaft, behielt aber die Oberherrschaft. Die Pfandherren waren die von Hornstein-Hertenstein. Im Jahre 1453 kaufte Werner von Zimmern das ganze Dorf Ablach samt allem Zubehör für 650 Gulden.[7] Ab circa 1595 kam Ablach zu den Schenken von Castell-Gutenstein.

1805 ordnete Napoleon die politischen Grenzen in Mitteleuropa neu, dabei wurde die Landeshoheit über Ablach von Österreich an Württemberg übergeben und ging 1810 durch Vertrag an Baden. Mit Vertrag vom 22. und 27. Juni 1812 wurde Ablach im Tausch gegen das Dorf Rast dem Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen zugesprochen.[8]

Im Zweiten Weltkrieg blieb Ablach lange Zeit verschont. Jedoch rückte seit Mitte April 1945 die französische 1. Panzerdivision vom Rhein her kommend über den Schwarzwald in Richtung Donau weiter nach Ulm vor. Um die im Rückzug befindlichen Militärkolonnen auf der Reichsstraße, der heutigen Bundesstraße 311, zu schützen, wurden im Dorf vier Wehrmachtsgeschütze in Stellung gebracht und ein Flugabwehrgeschütz am „Emig“. Gegen 9 Uhr am Morgen des 22. April 1945 gerieten die französischen Truppen beim Verlassen von Göggingen unter heftiges Artilleriefeuer aus Ablach. Es kam zu einem intensiven Feuergefecht, wobei mehrere deutsche Soldaten fielen. Bei dem Gefecht gerieten mehrere Ablacher Höfe in Brand. Französische Kriegsgefangene halfen beim Löschen.[9]

Am 1. Januar 1975 wurde Ablach schließlich zusammen mit Hausen am Andelsbach zwangsweise nach Krauchenwies eingemeindet.[10]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrgemeinde St. Anna gehört über die Seelsorgeeinheit Krauchenwies-Rulfingen zum Dekanat Sigmaringen-Meßkirch im Erzbistum Freiburg.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeitiger Ortsvorsteher (2014) ist Bernhard Fuchs (FWV).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im oberen Teil des geteilten Schildes findet man auf rotem Grund einen hervorbrechenden silbernen Schwanenhals mit goldenem Schnabel und drei goldenen Kugeln auf der Halskrümmung. Er ist Siegeln der Herren von Ablach entnommen, die schon im 13. Jahrhundert bezeugt sind. Das rote Hirschgeweih auf silbernem Grund im unteren Teil des Wappens kommt aus dem Wappen der Schenken von Castel, die bis 1805 die Herrschaft Gutenstein und damit auch den Ort Ablach als österreichisches Lehen besaßen. Die obere Schildhälfte bringt die Farben des Wappens der Schenken von Castel in Umkehrung.

Das Wappen war der Vorschlag des Staatsarchivs Sigmaringen vom Jahre 1947. Die Verleihung erfolgte am 28. Januar 1949 durch das Innenministerium Württemberg-Hohenzollern (Nr. IV 3012 B/13).[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater & Kleinkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theatergruppe „Ablacher Bühne“ spielt seit mehr als 40 Jahren jährlich um die Weihnachtszeit Laientheater mit verschiedenen Stücken.[12]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Pfarrkirche St. Anna: Der Chor und der Turm stammen aus dem 17. Jahrhundert. Das Schiff wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut und im 19. Jahrhundert erweitert. Ihren Innenraum zieren zwei Holzbildwerke der Spätgotik, die Heilige Katharina und die Heilige Dorothea.[13] Die Altäre stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 1763 wurde das Langhaus der Kirche geweiht.[14] Die 1759 gegründete Annabruderschaft erhielt noch im gleichen Jahr von der Fürstin Maria Theresia von Hohenzollern-Sigmaringen 60 Gulden zur Errichtung eines privilegierten Anna-Altars, in dem die Reliquien des heiligen Joachim und der heiligen Anna eingeschlossen wurden. Die Renovierungsarbeiten wurden im September 2010 mit der Weihe des Kirchplatzkreuzes abgeschlossen.[15]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ehemaligen Kiesgrube entstand nach der Stilllegung ein Buschbiotop, ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.[16]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorffasnet (Ledigengesellschaft Ablach)
  • Gartenfest auf der Halde im Juli (Musikkapelle Ablach)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tox-Dübel-Werk R.W. Heckhausen GmbH & Co. KG - Geschäftsführer der GmbH: Isabelle Diepenbrock - Ehefrau von Leonard Diepenbrock (RTL Moderator)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Burth: Ablacher Star-Operation und St. Anna. In: Hohenzollerischer Geschichtsverein (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat 15 (1965), S. 44.
  • Josef Deschler: Vom Schulwesen der Gemeinde Ablach. In: Hohenzollerischer Geschichtsverein (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat 26 (1976), S. 60–63.
  • Erwin Zillenbiller, Bernhard Fuchs: 800 Jahre Ablach: 1202-2002. Dokumentation der Ablacher Festtage vom 19.- 21. Juli 2002. Gemeinde Krauchenwies-Ablach (Hrsg.). Krauchenwies-Ablach 2002
  • Herbert Fießinger: Der Fluß- und Ortsname Ablach. Krauchenwies-Göggingen, September 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben der Gemeinde Krauchenwies, vom 11. Januar 2011.
  2. Oscar Paret: Die Siedlungen des Römischen Württembergs. (Friedrich Hertlein, Oscar Paret, Peter Goessler: Die Römer in Württemberg. Teil 3). Kohlhammer, Stuttgart 1932
  3. Vgl. Fundberichte aus Schwaben. Band 2. hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte im Württemberg und Hohenzollern. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, 1930. S. 17
  4. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Landesarchiv zu Karlsruhe, Grossherzogliches General-Landesarchiv zu Karlsruhe, Badische Historische Kommission, Badisches General-Landesarchiv, Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. G. Braun, 1862. S. 202f.
  5. Vgl. Maren Kuhn-Rehfus: Das Zisterzienserinnenkloster Wald (= Germania Sacra, Neue Folge 30, Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Konstanz, Band 3). Walter de Gruyter, Berlin & New York 1992. ISBN 3-11-013449-7. S. 514.
  6. Vgl. Maren Kuhn-Rehfus: Das Zisterzienserinnenkloster Wald (= Germania Sacra, Neue Folge 30, Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Konstanz, Band 3). Walter de Gruyter, Berlin & New York 1992. ISBN 3-11-013449-7. S. 397.
  7. Wilhelm Abel: Geschichte der Deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. E. Ulmer. 1962. S. 129
  8. Der Kreis Sigmaringen. Aalen/Stuttgart, 1963
  9. Arno Möhl: Bürger erinnern sich an den „Umsturz“. In: Schwäbische Zeitung vom 21. April 2015
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 549.
  11. Eberhard Gönner: Ablach In: Landkreis Sigmaringen (Hrsg.): Wappenbuch des Landkreises Sigmaringen. Schwäbische Druckerei, Thumm & Hofstetter. Stuttgart 1958
  12. ablacher-buehne.de
  13. Eugen Gradmann: Kunsthistorischer Wanderführer. Württemberg und Hohenzollern. Chr. Belser AG. Stuttgart-Zürich 1970. S. 488 ISBN 3-88199-137-9
  14. Pfarrchronik im Pfarrarchiv in Hausen am Andelsbach
  15. Arno Möhl (mö): Renovierungsabschluss. Kirchplatzkreuz ist wieder in Ablach. In: Schwäbische Zeitung vom 27. September 2010
  16. Pflegemaßnahme im Buschbiotop. In: Blättle. Mitteilungsblatt der Gemeinde Krauchenwies mit den Ortsteilen Ablach, Bittelschieß, Ettisweiler, Göggingen und Hausen. 51. Jg./ Nr. 43 vom 29. Oktober 2010