Abnicken

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Abnicken ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für die formlose Zustimmung zu Entscheidungen per Kopfnicken. In der Jägersprache wird es abweichend für eine Form des Tötens verwendet.

Umgangssprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besteht in Sitzungen oder Kommissionen ein Konsens über eine Entscheidung, so kann das allgemeine Einverständnis mit einem Vorschlag durch Kopfnicken kundgetan werden, und der Vorsitzende kann bei weniger wichtigen Punkten der Tagesordnung auf eine Abstimmung verzichten. Andererseits wird das Wort häufig eher abfällig genutzt, wenn Entscheidungen bereits anderswo getroffen wurden (oft in "kleinem Kreis", im "Hinterzimmer), formal aber ein anderes, größeres Gremium der Entscheidung danach nur noch "ihren Segen gibt".[1]

Ähnliche nonverbale Verhaltensweisen kommen in den Bezeichnungen „Durchklopfen“ (für lange Sitzungen z. B. von Hochschulgremien) oder beim „Durchwinken“ an Staatsgrenzen zum Ausdruck.

Jägersprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tötung eines Rehbocks mittels Abnicken durch einen dänischen Schweißhundeführer
"Nicker" mit Darstellung der korrekten jagdlichen Handhabung

In der Jägersprache ist „Abnicken“ eine Form des Abfangens. Es bedeutet das Töten eines schwer verletzten Tieres durch einen Stich mit einem Nicker zwischen die obersten Halswirbel und die Schädelbasis.[2] Das Rückenmark ist dort, oberhalb des Atlas oder Axis, relativ leicht zu durchtrennen.

Der Begriff rührt daher, dass der Kopf des Tieres nach vorne gebeugt werden muss, um an die sensible Stelle zwischen Halswirbel und Hinterhauptloch zu kommen.[3][4] Die Methode ist wegen des unvermeidlichen, intensiven Kontakts mit dem Menschen mit unnötigem Stress für das Wild verbunden, insbesondere beim Herunterdrücken des Kopfes. Das Abnicken ist daher nach heutigen jagdlichen Standards als Technik für das Abfangen nicht mehr akzeptabel.[5]

Für die rasche und endgültige Tötung (vgl. § 22a des Bundesjagdgesetzes) nutzt der Jäger heutzutage möglichst eine geeignete Feuerwaffe. Ist der Einsatz einer solchen nicht möglich (z. B. wegen hartem Untergrund, wie etwa einer Straße) wird nicht mehr das Abnicken, sondern der Blattfang angewendet. Dabei sticht man dem Wild mit einem geeigneten Messer durch die Rippen in die Lunge und/oder das Herz. Ziel ist die Durchtrennung von Hauptblutgefäßen und die Zerstörung des Herzmuskels. Dabei wird die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen, was einen schnellen Tod zur Folge hat.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/2023108-Sozialdemokratischer-Schleudersitz.html Verwendung mit Bezug auf bisherige Verhaltensweisen in der SPD in der Wiener Zeitung
  2. Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon. 2000, ISBN 3-8289-1579-5, S. 15.
  3. Rehbock abnicken - Wild durch einen Stich in das Genick töten, Hegering.at
  4. Jagdlexikon. BLV Verlagsgesellschaft, München 1985, ISBN 3-405-13166-9.
  5. Jagdkunde. Abgerufen am 15. Juli 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: abnicken – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen