Abol-Ghasem Kashani

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Abol-Ghasem Kashani, auch Abol Ghassem Kashani, (persisch ابوالقاسم کاشانی, DMG Abū l-Qāsim Kāšānī; * 1882 in Teheran, Iran; † 14. März 1962) war ein iranischer Geistlicher mit dem religiösen Titel Ajatollah und iranischer Parlamentspräsident.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1898 reiste Kashani in Begleitung seines Vaters, eines Mullahs, nach Mekka, um dort eine theologische Ausbildung zu erhalten. Im Ersten Weltkrieg starb sein Vater bei Kämpfen gegen die britische Besatzung, dessen Tod ihn zeit seines Lebens zum erbitterten Feind Großbritanniens werden ließ. 1921 schlug sich Kashani auf die Seite Reza Khans, wurde danach Abgeordneter des iranischen Parlaments und beteiligte sich 1925 an der Wahl Reza Khans zum Schah.[1]

Während der Anglo-sowjetischen Invasion des Irans wurde Kashani aufgrund seiner profaschistische[n] Einstellung verhaftet.[2] Kashani kam erst 1945 nach dem Ende der alliierten Besatzung wieder frei. Bereits 1946 wurde er erneut verhaftet und später von Premierminister Ahmad Qavam wegen der Organisation eines religiös motivierten Aufruhrs des Landes verwiesen.[3] Kashani war der geistige Führer einer Gruppe junger Geistlicher, die die säkulare Rechtsprechung Irans durch die Sharia ersetzen wollten. Zu seinen Anhängern zählte auch Ruholla Chomeini. Kashani hatte enge Verbindungen zu den Fedāʾiyān-e Eslām.[4]

Nach dem Attentat auf Mohammad Reza Schah, im Februar 1949 durch die Fedāʾiyān-e_Eslām, wurde der inzwischen wieder in den Iran zurückgekehrte Kashani erneut verhaftet und nach Intervention von Großajatollah Husain Borudscherdi in den Libanon verbannt.

Die Wahlen zum iranischen Parlament, Anfang 1950, bescherten dem abwesenden Kashani einen Abgeordnetensitz und danach seine triumphale Rückkehr in den Iran. Großajatollah Husain Borudscherdi hatte sich beim Schah für seine Rückkehr eingesetzt, und der hatte dem Wunsch Borudscherdis entsprochen und die Aufhebung der Ausweisung Kashanis angeordnet.[5]

Die buchstäbliche Umarmung Kashanis durch Mohammad Mossadegh bei dessen Rückkehr bescherte dem Iran eine ungewöhnliche Koalition der islamistischen Geistlichkeit mit der linken Nationalen Front. Der Schah nannte dies die Koalition „der Roten und der Schwarzen“ und warnte in vielen seiner späteren Reden vor der Gefahr einer Machtübernahme dieser unheiligen Allianz der Linken mit den Islamisten.[6]

Nach der Ermordung des Premierministers Razmara am 7. März 1951 durch die Fedāʾiyān-e Eslām unterstützte Kashani die Wahl Mossadeghs zum Premierminister. Dessen Rücktritt und Wiederernennung im Juli 1952 nahm Kashani zum Anlass, politische Gegenleistungen zu fordern. Am 2. August 1952 wurde Kashani zum Parlamentspräsidenten gewählt.

Kashani kündigte das Bündnis mit Mossadegh im Januar 1953 auf Grund der von Mossadegh im Rahmen eines Ermächtigungsgesetzes geforderten Vollmachten, da er in diesem Gesetz einen Bruch der iranischen Verfassung sah. Unter Kashanis Führung sammelte sich die parlamentarische Opposition. Um eine Mehrheit gegen Mossadegh zu verhindern, verließen die Abgeordneten der Nationalen Front das Parlament, um seine Beschlussfähigkeit zu verhindern. Nach einer verfassungswidrigen Volksabstimmung erklärte Mossadegh in einer Radioansprache das Parlament für aufgelöst, um Kashani endgültig zu entmachten. Es verwundert daher nicht, dass Kashani in den Plan, Mossadegh im Rahmen der Operation Ajax als Premierminister abzusetzen, eingeweiht war und ihn auch befürwortete.[7]

Nach dem Sturz Mossadeghs wandte sich Kashani weiter gegen die ausländische Einflussnahme, insbesondere den neu ausgehandelten Konsortialvertrag mit der AIOC und den US-amerikanischen und niederländischen Ölkonzernen. 1955, mit dem Attentat der Fedajin-e Islam auf den damaligen Hofminister Hossein Ala, wurde Kashani wieder verhaftet und auf die erneute Intervention des ranghöchsten Geistlichen, Großajatollah und Mardschaʿ-e Taghlid Husain Borudscherdi, freigelassen. Nach seiner Freilassung zog sich Kashani aus der Politik zurück. An seine Stelle trat nun Chomeini.

Navvab Safavi, der Anführer der Fedajin-e Islam, der ebenfalls nach dem Attentat auf Ala verhaftet worden war, wurde zum Tode verurteilt und im Januar 1956 hingerichtet.[8] Die verbliebenen Mitglieder der islamistischen Gruppe wandten sich nach dem Tod Navvab Safavis an Chomeini, der den Wiederaufbau der Fedajin-e Islam unterstützte.[9] Auch der spätere Richter der Islamischen Republik Iran Sadegh Chalchali wird mit dem Neuaufbau der Fedajin-e Islam in Verbindung gebracht. Die Fedajin-e Islam wurden im Rahmen der Islamischen Revolution Teil der Revolutionären Islamischen Vereinigungen (Dschamiyathaye Mu'talefeh-ye Eslami).

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948, schon vor seiner Verbannung in den Libanon war Kashani an der Gründung der Fedajin-e Islam (Die Todgeweihten des Islam), einer Kampf- und Attentatsgemeinschaft gegen Säkularisation, beteiligt. Das Attentat im November 1949 auf Premierminister Abdolhossein Hazhir und im März 1951 auf Premierminister Hadsch Ali Razmara, ausgeführt durch Mitglieder der Fedajin-e Islam, belegt den wachsenden Einfluss Kashanis auf die iranische Politik, der auch vor Mord nicht zurückschreckte, um seine politischen Positionen durchzusetzen. Allerdings soll Kashani den Wunsch des Fedajin-e-Islam-Gründers Navab Safavi abgelehnt haben, Religionsminister im Kabinett von Mossadegh zu werden, wonach es einen Bruch zwischen beiden gegeben habe. Kashani war – wie später Chomeini – kein Anhänger jener quietistischen Haltung, für die der letzte Mardschaʿ-e Taghlid, der 1962 verstorbene Husain Borudscherdi, stand. Kashani war damit ein Wegbereiter der islamischen Revolution. Die Annäherung des Schahs an Israel und die Möglichkeit, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, beantwortete Kashani mit: „Solange ich lebe, wird dies nicht passieren“.[10]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Sind Sie sich bewusst, welche Gefahr für unsere Religion entsteht, wenn Jungen und Mädchen in ein- und demselben Klassenzimmer sitzen. Ist es Gottes Wunsch, dass Bars eröffnet werden. Sollen Frauen als Beamte eingestellt werden, die ein Make-up tragen?“

Abol-Ghasem Kashani, (1945)[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bahman Nirumand, Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht (= Rororo : rororo aktuell 12718). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-12718-0.
  • Darioush Bayandor: Iran and the CIA. The Fall of Mosaddeq revisited. Palgrave Macmillan, Basingstoke u. a. 2010, ISBN 978-0-230-57927-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nirumand, Daddjou: Mit Gott für die Macht. 1989, S. 79.
  2. Hans-Georg Ebert, Henner Fürtig, Hans-Georg Müller: Die islamische Republik Iran. Historische Herkunft – ökonomische Grundlagen – staatsrechtlich Struktur. Akademie-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-05-000079-1, S. 42.
  3. Bayandor: Iran and the CIA. 2010, S. 20.
  4. Andrew S. Cooper: The Fall of Heaven. New York 2016, S. 69.
  5. Bayandor: Iran and the CIA. 2010, S. 79 f.
  6. Andrew S. Cooper: The Fall of Heaven. New York 2016, S. 70.
  7. Nirumand, Daddjou: Mit Gott für die Macht. 1989, S. 82.
  8. Vgl. Kazemi 1984, 166.
  9. Baqer Moin: Khomeini, 2000, S. 224.
  10. Heinz Nußbaumer: Khomeini, Anarchie in Allahs Namen. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Herbig, München u. a. 1980, ISBN 3-7766-0961-3, S. 37.
  11. Abbas Milani: Eminent Persians. The Men and Women who made modern Iran, 1941–1979. Band 1. Syracuse University Press u. a., Syracuse NY u. a. 2008, ISBN 978-0-8156-0907-0, S. 344.