Achsschenkel

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lenkbarer linker Achsschenkel: gabelförmiges Anschlussstück des von der Radnabe umgebenen Achsschenkels drehbar mittels senkrechtem „Achsschenkelbolzen“ an die Starrachse („Faustachse“) angeschlossen,
Austin 7 im Classic Car Museum Malta

Achsschenkel sind die bei der Achsschenkellenkung verwendeten, um eine vertikale oder nahezu vertikale Achse schwenkbaren Radträger.[1][2] Eine weitere gebräuchliche Bezeichnung ist Schwenklager.

Bauarten und ihre Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfindung der Achsschenkellenkung führte zum Abtrennen der äußeren, radtragenden Teile von der vorderen Starrachse und zu ihrer jeweiligen gelenkigen Verbindung mit deren Rest. Die Achsschenkellenkung ist die Weiterentwicklung der Drehschemellenkung und wird bei Automobilen fast ausschließlich verwendet.

Für nichtangetriebene Achsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Achsschenkelanschlusstück (Achsstummel nicht sichtbar, Formel V-Wagen)
mit zwei Kugelgelenken übereinander als:
a) Schwenkgelenk zum Lenken,
b) zwei der vier Gelenke der Radaufhängung
helle Scheibe: Bremsankerplatte

Der jeweilige Achsstummel erhielt ein Anschlussteil, in das ein die Verbindung mit der Starrachse herstellender Gelenkbolzen (Achsschenkelbolzen) gesteckt wurde (siehe oben stehendes Bild). Das Anschlussteil der Starrachse wurde vorwiegend faustförmig (einteilig, Faustachse[3]), das des Achsschenkels gabelförmig (zweiteilig) ausgeführt.[4] Seltener war die Gelenkelement-Umkehr:[5] Faustform am Achsschenkel[6] ↔ Gabelform an der Gabelachse.

Bei der Einzelradaufhängung mittels Lenkern (z.B. Kurbellenkerachse, siehe nebenstehendes Bild) sind die Lagerstellen für Achsbolzen durch Anschlussstellen für Kugelgelenke zur Verbindung mit dem Fahrzeugaufbau ersetzt.

Für angetriebene Achsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Antrieb musste mitten durch das Schwenk-Gelenk die Antriebsachse zur Radnabe geführt werden. Als Starrachse wurde die Gabelachse verwendet.[3] Aus dem Achsschenkelbolzen wurden zwei Bolzen (je einer für den oberen und den unteren Lagerteil). Das Anschlussstück am Achsschenkel wurde ebenfalls gabelförmig.

Bei der Lagerung der Radnabe fand eine Gelenkelement-Umkehr[5] statt: Die Radnabe ist mit Wälzlagern nicht mehr auf einem Achsstummel, sondern in einem hülsenartigen Teil des Anschlussstücks gelagert. Der zur Lagerung gebrauchte Zapfen der Nabe ist für die Verbindung mit der Antriebswelle hohl (Drehmomentübertragung mittels Passverzahnung).[7]

Weitere Anschlussstellen am Achsschenkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Anschlussstück des Achsschenkels enthält außer Lagerstellen für die schwenkbare Radaufhängung auch Befestigungsstellen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Heißing, Metin Ersoy, Stefan Gies: Fahrwerkhandbuch. 4. Auflage. Springer Vieweg Verlag, 2013, ISBN 978-3-658-01991-4.
  • Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge: Kinematik, Elasto-Kinematik und Konstruktion. 3. Auflage. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-71196-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Heißing u. a.: Fahrwerkhandbuch. 2013, S. 366.
  2. kfz-tech.de - Lexikon: „Achsschenkel: Die Teile der Radaufhängung, die beim Lenken eine Schwenkbewegung ausführen.“ kfz-tech.de
  3. a b kfz-tech.de - Lexikon: „der zur Faust geballt auslaufende Achskörper“ kfz-tech.de
  4. Achschenkel mit zwei Lenklagerbuchsen in „Achsschenkelgabel“ (2), mittels Achsschenkelbolzen mit der „Achsfaust“ (5) verbunden. citwiki.de
  5. a b Johannes Volmer: Getriebetechnik. Vieweg, 1978, S. 58.
  6. Achsschenkel mit „Achsschenkelfaust“ atm-classicparts.de.
  7. Achsschenkel eines angetriebenene Rades (oben: Anschlussstück mit Hülse für Lagerung der Radnabe; rechts: Radnabe; Wälzlager nicht gezeigt). data.motor-talk.de