Acoustic Vehicle Alerting System

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Ein Acoustic Vehicle Alert System (kurz AVAS, „Fahrzeug-Warngeräusch-Generator“) ist ein akustisches Warnsystem für geräuscharme Fahrzeuge insbesondere Elektroautos. Hierbei handelt es sich um ein künstlich erzeugtes Geräusch, das einem Verbrennungsmotor ähnelt. Es wird bei geringen Geschwindigkeiten abgestrahlt, um Verkehrsteilnehmer über das Fahrzeug zu informieren. Ab einer Geschwindigkeit zwischen 20 km/h und 30 km/h sind die Roll- und Windgeräusche des Fahrzeuges laut genug, um diese Rolle zu übernehmen.

Gesetzlicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2014 hat die Europäische Union die EU-Verordnung 540/2014 über den Geräuschpegel von Kraftfahrzeugen verabschiedet. Diese gilt unmittelbar für alle Fahrzeuge in Europa. Sie sieht vor, dass alle Elektro- und Hybridfahrzeuge mit einem AVAS ausgestattet werden müssen. Im Oktober 2016 hat die Arbeitsgruppe für Lärm der Vereinten Nationen in Genf den Standard R138 für AVAS veröffentlicht (siehe Gesetzestexte) und diesen im November 2017 als R138.01 aktualisiert. Im Juni 2017 hat die Europäische Kommission ihre Regeln über die Rechtsverordnung 2017/1576 ein erstes Mal gemäß den UN-Vorgaben angepasst. Eine zweite Anpassung ist für Ende 2018 geplant, um einen Pausenschalter für AVAS auch in Europa explizit zu verbieten.

Das AVAS muss laut EU und UN bei Geschwindigkeiten bis zu 20 km/h eingeschaltet sein, auch wenn das Auto rückwärts fährt. Das AVAS darf nicht abgeschaltet werden, da es ein Sicherheitsmerkmal ist. Die Untergrenze für das AVAS-Geräusch liegt bei 56 dB(A), das entspricht in etwa dem Geräuschpegel eines Kühlschranks. Das AVAS darf nicht lauter sein als 75 dB(A). Diese Werte werden im Labor bei ungestörten Bedingungen und auf niedriger Höhe gemessen.[1]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Pedestrian Safety Enhancement Act von 2010, der am 4. Januar 2011 in Kraft trat, wurde das Verkehrsministerium der Vereinigten Staaten beauftragt, eine Regelung für Alarmgeräusche bei Motorfahrzeugen zum Schutz von blinden und anderen Fußgängern zu finden. Die Regelung sollte innerhalb von 18 Monaten vorliegen. Der im Januar 2013 von der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) vorgelegte Entwurf legte die Schwelle auf eine Geschwindigkeit von 18,6 mph (= 30 km/h) fest. Die NHTSA schätzte, dass durch diese Maßnahme pro Modelljahr 2800 Verletzungen verhindert werden können.[2]

Seitens der Automobilhersteller gab es Einwendungen wie jene, nach der das Geräusch nur bis zu einem Tempo von 20 km/h notwendig sei.[3] Nach mehreren Verzögerungen, auch verursacht durch den Wechsel zur Trump-Regierung, wurde die endgültige Regelung durch die NHTSA im Februar 2018 erlassen. Die Umsetzung durch die Fahrzeughersteller und -importeure muss bis spätestens September 2020 erfolgt sein, wobei sie bereits bis September 2019 bei 50 % der betroffenen Fahrzeuge umgesetzt sein soll.[3]

Technische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut EU-Verordnung soll die Akustik eines Elektrofahrzeugs dem Klang eines Verbrennungsmotors ähneln. Tonhöhe und -frequenz, Klangfarbe und Rauigkeit sollen anzeigen, wie schnell das Auto fährt, welcher Größenklasse es zuzuordnen ist, ob es aktuell beschleunigt oder verzögert.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. AVAS & Geräuscharme Fahrzeuge. Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V., Februar 2019, abgerufen am 27. Januar 2020.
  2. Proposal for Noisier Electric Cars at Low Speed. In: The New York Times, 7. Januar 2013. Abgerufen am 10. Februar 2020. 
  3. a b David Shepardson: U.S. finalizes long-delayed 'quiet cars' rule, extending deadline. In: Reuters, 26. Februar 2018. Abgerufen am 10. Februar 2020. 
  4. Elektroautos: Das Geräusch der Zukunft. In: Smarter Fahren. 21. Juni 2018, abgerufen am 27. Januar 2020.