Alan J. P. Taylor

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Alan John Percivale Taylor, FBA (* 25. März 1906 in Birkdale, Großbritannien; † 7. September 1990 in London) war ein britischer Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taylor studierte in den 1920er Jahren Geschichte am Oriel College in Oxford und arbeitete in Manchester, Oxford und London als Dozent. Seine Themenschwerpunkte waren die britische und internationale Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Bücher wurden große Erfolge bei einem breiten Publikum und sind vielfach immer noch im Druck. Taylor bezog oftmals kontroverse Positionen und generierte zudem ungewöhnlich hohe Einkünfte durch Veröffentlichungen in landesweiten Tageszeitungen und Fernsehauftritte, womit er zugleich einen außerordentlich hohen Bekanntheitsgrad in der britischen Öffentlichkeit erreichte. Legendär wurde er auch durch seine durchweg ohne Manuskript gehaltenen Vorträge. 1956 wurde er in die British Academy und 1985 in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.

Taylor war dreimal verheiratet, hatte sechs Kinder und ein unbürgerliches Beziehungsleben. In dritter Ehe heiratete er 1978 die ungarische Historikerin Eva Haraszti (1923–2005), die zur britisch-ungarischen Geschichte forschte. Als Taylor an der Parkinson-Krankheit erkrankte, pflegte sie ihn. Haraszti schrieb biografische Essays über Taylor und veröffentlichte ihre Tagebücher.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein akademischer Lehrer Alfred Francis Přibram führte ihn an die Geschichte Österreichs und Südosteuropas heran, was sich in mehreren Publikationen niederschlug. Sein 1945 erstmals erschienenes Buch „The Course of German History“ stellte den Versuch dar, das Aufkommen des Nationalsozialismus' durch gesellschaftliche und geistige Fehlleistungen innerhalb der deutschen Geschichte zu erklären. Taylor sah das Dritte Reich als genuin deutsche Erscheinung an und positionierte sich damit als einer der ersten Vertreter der These des deutschen Sonderwegs in der europäischen Geschichte. Die deutsche Geschichte sei im Vergleich extrem, radikal und unnormal verlaufen. Den Pangermanismus der Wilhelminer deutete er dabei als aggressiven Beginn, der quasi direkt den Nationalsozialismus nach sich zog. Da das Buch in Großbritannien und den USA ein Verkaufserfolg wurde, konnte es aufgrund der damaligen Brisanz seiner Thesen auch in der internationalen und innerdeutschen Diskussion nicht ignoriert werden und erlangte dadurch internationale Bekanntheit.

Kontrovers diskutiert wurde seine These aus „Origins of the Second World War“, dass keineswegs eine kleine Clique um Hitler den Zweiten Weltkrieg ausgelöst habe. Diese Behauptung („Nuremberg thesis“) sei in die Welt gesetzt worden, um das deutsche Volk zu entschuldigen und die junge Bundesrepublik im Kalten Krieg einsetzen zu können. Tatsächlich sei Hitlers Außenpolitik in der Linie der Weimarer Republik und des Kaiserreiches zu sehen, also „normale deutsche“ Außenpolitik. Stärker noch: Hitler sei auch ein normaler westlicher Politiker wie Chamberlain oder Daladier gewesen, der sein Land stark habe machen wollen.[1]

Aus Taylors Feder stammen auch das vielfach als Nachschlagewerk genutzte The Struggle for Mastery in Europe 1848–1918 (1954) sowie der Band XV der Oxford History of England (1965), der die Zeit von 1914 bis 1945 behandelt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Italian Problem in European Diplomacy, 1847–1849 (= Publications of the University of Manchester. Historical Series. 67, ZDB-ID 434536-8 = Publications of the University of Manchester. 232). Manchester University Press, Manchester 1934.
  • Germany's First Bid for Colonies 1884–1885 A Move in Bismarck's European Policy. Macmillan, London 1938.
  • The Habsburg Monarchy 1809–1918. A History of the Austrian Empire and Austria-Hungary. Macmillan, London 1941.
  • The Course of German history. A Survey of the Development of Germany since 1815. Hamilton, London 1945.
  • The Struggle for Mastery in Europe. 1848–1918. Clarendon Press, Oxford 1954.
  • Bismarck. The Man and the Statesman. Hamilton, London 1955, (In deutscher Sprache: Bismarck. Mensch und Staatsmann. Aus dem Englischen von Hans Jürgen Wille und Barbara Klau. Piper, München 1962).
  • The Trouble Makers. Dissent over Foreign Policy, 1792–1939 (= The Ford Lectures delivered in the University of Oxford. 1956, ISSN 420177-2). Hamilton, London 1957.
  • The Origins of the Second World War. Hamilton, London 1961 (In deutscher Sprache: Die Ursprünge des Zweiten Weltkriegs. (Deutsch von Dieter Werner). Mohn, Gütersloh 1962).
  • English History. 1914–1945 (= The Oxford History of England. Bd. 15). Clarendon Press u. a., Oxford u. a. 1965.
  • Beaverbrook. Hamilton, London 1972, ISBN 0-241-02170-7.
  • A Personal History. Hamilton, London 1983, ISBN 0-241-10972-8 (Autobiographie).
  • Struggles for Supremacy. Diplomatic Essays. Edited and introduced by Chris Wrigley. Ashgate, Aldershot u. a. 2000, ISBN 1-8401-4661-3 (Enthält 67 Aufsätze und Rezensionen sowie eine Kurzbiographie über Taylors Schaffen).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kathleen Burk: Troublemaker. The Life and History of A. J. P. Taylor. Yale University Press, New Haven CT u. a. 2000, ISBN 0-300-08761-6.
  • Robert Cole: A. J. P. Taylor. The Traitor Within The Gates. Macmillan, Houndmills u. a. 1993, ISBN 0-333-59273-5.
  • Alan Sked, Chris Cook (Hrsg.): Crisis and Controversy. Essays in Honour of A. J. P. Taylor. Macmillan, London u. a. 1976, ISBN 0-333-18635-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ADOLF HITLER - WEDER HELD NOCH SCHURKE?, Artikel vom 22. November 1961 auf Spiegel Online