Alberoda

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Koordinaten: 50° 36′ 55″ N, 12° 42′ 29″ O

Alberoda
Höhe: 370 m
Einwohner: 981 (2013)
Eingemeindung: 1929
Postleitzahl: 08280
Vorwahl: 03771
Alberoda (Sachsen)
Alberoda

Lage von Alberoda in Sachsen

ehemalige Schule mit Feuerwehrgarage; Jahr 2010

ehemalige Schule mit Feuerwehrgarage;
Jahr 2010

Alberoda ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Aue im sächsischen Erzgebirgskreis, der seinen ländlichen Charakter weitgehend erhalten konnte. Das ehemals selbstständige Dorf und Rittergut wurde 1929 nach Aue eingemeindet. Alberoda liegt im Nordwesten von Aue und südwestlich der Stadt Lößnitz am rechten Ufer der Zwickauer Mulde und erstreckt einen Hang hinauf. Hier fließt der Alberodaer Bach und leitet das Wasser vom ehemaligen Mühlenteich zur Zwickauer Mulde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die älteste Geschichte von Alberoda gibt es keine schriftlichen Nachrichten. In der Heimatliteratur wird behauptet, dass Alberoda ursprünglich aus zwei getrennten Orten, einem Rittergut und einem Waldhufendorf entlang der Reichsstraße bestand. Dieser von Händlern viel genutzte Fernhandelsweg berührte an der alten Wasserburg Edelhof Auer Gebiet. Die Endsilbe „roda“ im Ortsnamen deutet auf thüringische Siedler, die sich wohl hier niedergelassen hatten. Erste Dokumente verweisen auf einen Siedlungsbeginn im 12. Jahrhundert. Nieder- und Oberalberoda wuchsen anfangs des 15. Jahrhunderts zusammen.

Erst ab 1403 zeugen schriftliche Nachrichten vom Dorf, das in dieser Urkunde Albirnrodde genannt wurde. Im Jahr 1546, man schrieb schon Alberoda, gab es 23 besessene Mann, gemeint sind Bauernfamilien, die damals im einreihigen Waldhufendorf lebten.

Im Jahr 1497 war es Amtsdorf im Amt Hartenstein.[1]
Der Ortsname wird auf den Personennamen Albero oder Albert zurückgeführt. Alberoda war also die Rodungssiedlung eines Albert.[2]

Das Bauerndorf lag in der Schönburgischen Herrschaft, und seine Bewohner betrieben überwiegend Landwirtschaft.

Oberhalb von Alberoda gab es ein Walgut, eine von einem Wassergraben und mit einem Wall umgebene Wehranlage, die als Edelhof bekannt wurde. Die Schutz- und Wehrfunktion bezog sich auf die Lage des Ortes am Handelsweg zwischen Zwickau und Böhmen. Dieses Gut wurde 1424 in einer Lehnsakte genannt. Es lag in einem Quellgebiet, mit dessen Wasser die „Edelmann-Mühle“ angetrieben wurde.[3] Die Besitzer der Bauernhöfe hatten den Herren des Edelhofs Hand- und Spanndienste zu leisten oder sie waren zins- und fronpflichtig. Im Jahr 1806 gab es 15 Pferdefron- und 7 Handfrongüter. Die Alberodaer unterstanden in dieser Zeit der Gerichtsbarkeit der Grafschaft Hartenstein und nicht dem Rittergut Edelhof.[4]

Wie in zahlreichen deutschen Ortschaften gab es auch in Alberoda die Hexenverfolgung. Catharina Häußler geriet 1568 in einen Hexenprozess und wurde mit Landesverweis bestraft.[5]

Entwicklung ab dem 17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alberoda: Rittergut Mitte des 19. Jahrhunderts

Nach Bränden in den Jahren 1617 und 1859 auf dem Gelände des Rittergutes und den folgenden Wiederaufbauarbeiten des Herrenhauses, der Wohnnutzung durch eine Strumpfwirkerfamilie, dem Umbau zu einer TBC-Heilstätte in den 1940er-Jahren und der Nutzung durch eine LPG zwischen 1952 und 1987[6] wurde das historische Gebäude der Mühle unter Denkmalschutz gestellt. Ein neuer Besitzer ließ die Mühle „Edelhof“ ab 1988 schrittweise restaurieren und zu einer Gaststätte mit Wohnräumen ausbauen. Im wehrhaft wirkenden Bruchsteinerdgeschoss befindet sich ein Raum mit Kreuzgratgewölbe. Das Sitznischenportal im südlich vorgezogenen Mittelbau hat einen profilierten Rundbogen und ein nach dem Wiederaufbau 1617 eingesetztes Wappen im Scheitel. Das Obergeschoss besteht teilweise aus 1943 -1945 verbretterem Fachwerk. Es ist mit einem Walmdach abgeschlossen. Die Befestigungsanlage mit Wall und Wassergraben ist noch erkennbar und war bis 1881 mit einer Zugbrücke versehen.[7]

Aufschwung ab dem Ende des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts führte die schnelle Industrialisierung in Aue auch zum Zuzug von Familien nach Alberoda. So war der Bau einer Schule, einer Feuerwehr und eines Amtshauses erforderlich. Die Schule konnte 1898 eröffnet werden. Feuerwehr und Amtshaus folgten bald. Im Jahr 1927 erhielt der Ort eine erste Omnibusverbindung nach Aue.[6] Am 1. August 1929 feierten die Einwohner die Eingemeindung nach Aue. Damit endete die rund 750 Jahre dauernde Eigenständigkeit der bäuerlichen Ansiedlung.

Kapelle in Alberoda

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine verstärkte Nutzung des Gebietes durch die Wismut ein. Es entstanden zahlreiche Anlagen und Gebäude, unter anderem der Schacht 276. Am 15. November 1950 legten Einwohner den Grundstein für die erste eigene Kirche. Am 28. Oktober 1951 konnte die Einweihung gefeiert werden.[4]

Die noch immer vorhanden gewesenen Bauernhöfe schlossen sich in den 1960er Jahren in der LPG Alberoda zusammen. Die Bauern nahmen 1967 eine Schweinemastanlage mit 1300 Mastplätzen in Betrieb und erzeugten damit rund 350 Tonnen Fleischprodukte im Jahr.[4]

Nach der Wende wurden die Bauerngehöfte reprivatisiert. Einige Bauern bewirtschaften ihre alten Felder wieder, eine Straußenfarm siedelte sich an und einige Gewerbetriebe und Beherbergungseinrichtungen fassten Fuß. Das neu geschaffene Gewerbegebiet spielt bei der wirtschaftlichen Weiterentwicklung Alberodas und damit Aues eine große Rolle.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alberoda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke (Hrsg): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, Neuausgabe, Leipzig 2006, S. 60, ISBN 3-937209-15-8.
  2. Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band I, S. 10, ISBN 3-05-003728-8.
  3. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Hrsg. Stadtverwaltung Aue, Druckerei und Verlag Mike Rockstroh, Aue 1997; Seite 14: Adel - Klerus - Rodebauern.
  4. a b c Geschichtliche Ergänzungen zum Ortsteil Alberoda sind einer Zuarbeit der Presseabteilung des Oberbürgermeisters Ortsteile und Verwaltung von Aue aus dem Jahr 2011 entnommen.
  5. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 655.
  6. a b Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Hrsg. Stadtverwaltung Aue, Druckerei und Verlag Mike Rockstroh, Aue 1997; Seiten 227 ff: Stadtgeschichte in Zahlen.
  7. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, Seite 31, München 1998, ISBN 3-422-03048-4