Albert Dieckmann

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Albert Dieckmann (* 13. Januar 1854 in Bechtheim, Herzogtum Nassau; † 24. Januar 1914 in Straßburg im Elsass)[1] war ein deutscher Verwaltungsbeamter.

Albert Dieckmann um 1889 in Forbach/Saar

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Dieckmann wuchs auf dem Pfarrhof von Willmenrod im Westerwald (Nassau) auf. In seiner Schulausbildung erhielt er wesentliche Impulse durch das Institut Lucius, wo er sich auf das 1873 in Darmstadt abgelegte Abitur vorbereitet hatte. 1874 studierte er zunächst Philologie und ein Semester später Rechtswissenschaften an der Universität Gießen. 1874 wurde er Mitglied des Corps Hassia Gießen.[2] Nach Abschluss des Studiums trat er in den Verwaltungsdienst des Reichslands Elsaß-Lothringen ein. Dieckmann heiratete 1881 die Forstbeamtentochter Anna Kissel aus Westerburg. Sie hatten zwei Töchter: Irmgard (* 1883) und Luitgard (* 1897).

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Posten im Verwaltungsdienst in Mülhausen (1881) und Colmar (1882) war Dieckmann von 1882 bis 1889 Regierungsassessor in Metz (seit 1888 Regierungsrat). Von 1889 bis 1896 war er Kreisdirektor des Kreises Forbach. Dort gelang es Dieckmann, die Arbeiteraufstände gütlich beizulegen, die vom Ruhrgebiet auf das – auch Forbach umfassende – Saarländische Kohlerevier übergesprungen waren.[3] Dies brachte ihm seine erste Auszeichnung ein, „wozu der Kaiser selbst mir dazu am 23. August 1889 in Metz gratuliert hat“.[4]

Von 1897 bis 1908 war Dieckmann Kreisdirektor des Kreises Schlettstadt. Hier entwickelte er die Idee, die im Besitz der Stadt Schlettstadt befindliche Ruine der Hohkönigsburg dem Kaiser seitens des Gemeinderats der Stadt Schlettstadt zu schenken. Über erhebliche Widerstände bei seinen Vorgesetzten, dem Bezirkspräsidenten Friedrich von Zeppelin-Aschhausen und dem Statthalter Hermann zu Hohenlohe-Langenburg, hinweg wurde die Schenkung am 5. Mai 1889 auf der Burg vollzogen. Dass die Ruine anschließend zur heute sichtbaren Gestalt aufgebaut wurde (Architekt war Bodo Erhardt), geht auf diese Initiative zurück.

Von 1908 bis 1909 war Dieckmann als Oberregierungsrat beim Bezirkspräsidium in Metz und Vertreter des Bezirkspräsidenten Friedrich von Zeppelin-Aschhausen bestallt.

Vom 1. März 1909 bis 1912 war er Kreisdirektor des Kreises Mülhausen. In Mühlhausen hatte er zudem den Charakter eines Polizeipräsidenten. Im Konflikt zwischen Militär und Zivilgesellschaft anlässlich des Flugtages auf dem Habsheimer Flugfeld bei Mülhausen stellte sich Dieckmann nach vergeblichen Vermittlungsversuchen auf die Seite des zivilen Bürgermeisters, was ihn schließlich das Amt kostete.[5] Dieckmann konnte dabei auf die Unterstützung des Statthalters Karl von Wedel zählen; dieser hatte wegen des Vorgehens gegen Dieckmann gegenüber dem Kaiser sogar mit seinem Rücktritt gedroht.[6] Dennoch wurde Dieckmann „kaltgestellt“[7] und nach Straßburg auf einen „Ehrenposten“ versetzt. Dort versah er ab 1912 bis zu seinem Tode das Amt des Leiters der Landesversicherungsanstalt.[8][9]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 21. August 1889 Roter Adlerorden IV. Klasse[10]
  • 23. September 1895 Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen (Baden)
  • 13. Mai 1899 Königlicher Kronenorden III. Klasse
  • 25. Januar 1902 Rote Kreuz Medaille III. Klasse
  • 15. Dezember 1903 Ernennung zum Geheimen Rat
  • 12. August 1905 Ritterkreuz des Albrechtsordens (Sachsen)
  • 25. Januar 1906 Roter Adler Orden III. Klasse mit Schleife
  • 3. Februar 1908 Denkmünze aus Stahl anlässlich des Aufstandes in Südwestafrika
  • 12. Oktober 1908 Medaille zur Erinnerung an die Einweihung der Hohkönigsburg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Ulrich Werner: Albert Dieckmann – Kaiserlicher Beamter im Reichsland Elsass-Lothringen, 692 S., perkunas verlag, Kassel 2016, ISBN 978-3-9808444-6-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Riederer: Feiern im Reichsland: Politische Symbolik, öffentliche Festkultur und die Erfindung kollektiver Zugehörigkeiten in Elsaß-Lothringen (1871–1918) (=Trierer historische Forschungen, Nr. 57). Kilomedia Verlag, Trier 2004, ISBN 978-3-89890-049-2, S. 321.
  2. Kösener Korpslisten 1910, 51, 586
  3. Klaus Michael Mallmann: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848–1904), Saarbrücken 1981.
  4. Dieckmanns Silvesterniederschriften, online auf http://www.albert-dieckmann.de/
  5. Hans-Ulrich Werner: Albert Dieckmann, S. 540.
  6. Handschriftlicher Brief von Wedels an Dieckmann vom 13. Juli 1911. In: Hans-Ulrich Werner: Albert Dieckmann, S. 551.
  7. Nachruf auf Dieckmann. In: Wormser Zeitung vom 28. Januar 1914.
  8. Landkreis Schlettstadt Verwaltungsgeschichte und Kreisdirektorenliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke)
  9. Landkreis Mülhausen Verwaltungsgeschichte und Kreisdirektorenliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke)
  10. Urkunden zu den Auszeichnungen