Albrecht Wilhelm Roth

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Albrecht Roth

Albrecht Wilhelm Roth (* 6. Januar 1757 in Dötlingen; † 16. Oktober 1834 in Vegesack) war ein deutscher Arzt und Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Roth“.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Linnaeus-Obelisk im Park Höpkensruh in Bremen-Oberneuland. Um 1800 zum Gedenken an Roth, Carl von Linné, Albrecht von Haller und Nikolaus Joseph von Jacquin errichtet.

Roth war der älteste Sohn von elf Kindern des Pastors Gottfried Roth (1720–1784). Nach seiner Schulzeit am Alten Gymnasium in Oldenburg besuchte er ab 1772 die Schule des Waisenhauses in Halle. Ab 1778 studierte er Medizin an der Universität Halle, wechselte im 4. Semenster nach Erlangen und wurde dort 1788 zum Doktor der Medizin promoviert. Schon während des Studiums galt sein Hauptinteresse der Botanik und bereits 1778 veröffentlichte er eine Einführung in die systematische Pflanzensammlung und setzte sich in einer kurzen Abhandlung für die Aufnahme des Faches Naturgeschichte in den Schulunterricht ein. 1788 ließ Roth sich mit 21 Jahren als Arzt in seinem Heimatort Dötlingen nieder, siedelte aber bereits 1779 nach Vegesack über, wo er in dem damals etwa 1000 Einwohner zählenden Flecken und dessen Umgebung als einziger Arzt ein sehr weites Betätigungsfeld fand. 1781 wurde er zum Landphysikus ernannt und veröffentlichte einige medizinische Mitteilungen.

Kaum ließ er sich in Vegesack nieder, begann er auch mit einer regen wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationstätigkeit und veröffentlichte ab 1781 eine Reihe grundlegender Abhandlungen, in denen er u. a. seine Entdeckung des Reizmechanismus des Sonnentaus beschrieb. Auf Anregung durch Georg Christian von Oeders, mit dem er 1779 in Dötlingen zusammengetroffen war, veröffentlichte er dann ab 1788 Tentamen florae germanicae, eine Systematik aller deutschen Gewächse, was Roths Bekanntheit als Forscher enorm steigerte. Mit Recht konnte der Bremer Arzt und Naturforscher Wilhelm Olbers Focke in einem Artikel über Roth schreiben: „Während des ersten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts gehörte Roth zu den angesehensten deutschen Pflanzenkennern […]“.

Die Stadt Bremen schenkte Roth 1787 am Steilufer an der Weser in Vegesack, Weserstraße 74, 75, 75c, ein Grundstück, auf dem er sein Haus baute und einen großen Garten anlegte, der heute als öffentlicher Stadtgarten Vegesack dient.

Besondere Verdienste erwarb er sich ebenfalls durch die Erforschung der Algenflora, bei der er durch Johann Friedrich Trentepohl unterstützt wurde. 1802 fand seine Forschungsreise an die Nord- und die Ostsee zur Erkundung von Meeresalgen statt. Seine zahlreichen Studien und Abhandlungen brachten ihm die Ernennung zum Mitglied von insgesamt achtzehn wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland, Österreich, der Schweiz und England ein. Das hohe Ansehen Roths sowie die eigene Kenntnis von dessen Schriften veranlasste Goethe, Roth 1803 für den Botanischen Lehrstuhl an der Universität Jena und 1810 an der Universität Erlangen vorzuschlagen. Allerdings schlug er beide Angebote aus, da er Eingriffe Goethes in seine Arbeit und in seine wissenschaftliche Selbständigkeit befürchtete. Im Jahr 1789 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.[1] 1808 wurde er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.[2] Mit zunehmendem Alter ließ ihm die Berufsarbeit immer weniger Kraft für seine Forschungen. Nach 1810 veröffentlichte er nur noch ein größeres Werk über die indische Pflanzenwelt auf Basis einer umfangreichen Pflanzensammlung der Britischen Ostindien-Kompanie, die ihm zur Verfügung stand, sowie zwei überarbeitete Neufassungen seines „Tentamen“.

Roths Arbeiten bildeten trotz seiner unzulänglichen Hilfsmittel den Grundstein und den Ausgangspunkt für die weitere Forschung und trugen wesentlich dazu bei, dass sich die Botanik schon zu seinen Lebzeiten von einer Hilfswissenschaft der Medizin zu einer eigenständigen Wissenschaftsdisziplin entwickeln konnte.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roth war dreimal verheiratet. Am 19. Juni 1783 heiratete er die Bremer Maklerstochter Philippine Margaretha Brockmann (1765–1802). Nach ihrem Tod ehelichte er sich am 30. August 1804 mit der Bremer Kaufmannstochter Margarethe König (1778–1813). Am 11. 3. 1814 heiratete er schließlich Clara Dorothea Henriette Augusta Steinberg (1789–1872), die Tochter des hannoversehen Advokaten Johann Steinberg Aus diesen Ehen stammten insgesamt drei Söhne und drei Töchter.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier eine Auswahl seiner zahlreichen Schriften:

  • Anweisung für Anfänger, Pflanzen zum Nutzen und Vergnügen zu sammeln und nach dem Linneschen System zu bestimmen. Gotha. 1778, 1783, 1803.
  • Über die Art und Notwendigkeit, Naturgeschichte auf Schulen zu behandeln. Nürnberg. 1779.
  • Verzeichnis derjenigen Pflanzen, welche nach Anzahl und Beschaffenheit ihrer Geschlechtsteile nicht in den gehörigen Klassen und Ordnungen des Linneschen Systems stehen. Altenburg. 1781.
  • Beyträge zur Botanik. 2 Bde. Bremen. 1782–1783.
  • Herbarium plantarum officinalium. Hannover. 1785.
  • Botanische Abhandlungen und Beobachtungen. Nürnberg. 1787.
  • Tentamen florae germanicae. 3 Bde. Leipzig. 1788–1800.
  • Bemerkungen über das Studium der cryptogamischen Wassergewächse. Hannover. 1797.
  • Catalecta botanica quibus plantae novae et minus cognitae describuntur atque illustrantur. 3 Bde. Leipzig. 1797-1806.
  • Neue Beiträge zur Botanik. Frankfurt. 1802.
  • Botanische Bemerkungen und Berichtigungen. Leipzig. 1807.
  • Was sind Varietäten im Pflanzenreich und wie sind sie bestimmt zu erkennen?. Regensburg. 1811.
  • Novae plantarum species praesertim Indiae orientalis ex Collectione Benj. Heynii cum descriptionibus et observationibus. Halberstadt. 1821.
  • Enumeratio plantarum phaenogamarum in Germania sponte nascentium. Leipzig. 1827.
  • Manuale botanicum peregrina- tionibus botanicis accomodatum. 3 Bde. Leipzig. 1830.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Wilhelm Roth. In: Hans Friedl, Wolfgang Günther, Hilke Günther-Arndt und Heinrich Schmidt (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Isensee Verlag. Oldenburg. 1992. ISBN 3-89442-135-5. S. 608-610 (online).
  • Wilhelm Olbers Focke: Roth, Albrecht Wilhelm. In: Brem. Biographie des 19. Jahrhunderts. 1912.
  • Wilhelm Olbers Focke: Roth, Albrecht Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 305.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliedseintrag von Albrecht Wilhelm Roth bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 23. Juni 2016.
  2. Prof. Dr. Albrecht Wilhelm Roth, Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften