Alexander Merensky

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Alexander Merensky, ca. 1905

Alexander Merensky (* 8. Juni 1837 in Panten (heute Pątnów Legnicki) bei Liegnitz; † 22. Mai 1918 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Missionar, der seit 1859 im Auftrag der Berliner Missionsgesellschaft in Südafrika (Transvaal) tätig war.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früh verwaist, wuchs Alexander bei Verwandten auf. 1855 trat er in das Missionshaus in Berlin ein, um sich zum Missionar ausbilden zu lassen. Die Aussendung erfolgte am 23. November 1858. Zusammen mit Karl-Heinrich Theodor Grützner reiste er von Amsterdam per Segelschiff nach Kapstadt und weiter nach Natal.

Am 14. August 1860 gründete er mit Missionar Grützner in der Nähe von Lydenburg die Missionsstation Gerlachshoop. Dort wurde Merensky am 11. Januar 1861 ordiniert. Eine weitere Missionsstation, Kchalathlolu, wurde im August 1861 eingeweiht. Am 15. Oktober 1863 heiratete Merensky Marie Liers aus Breslau. Sie wohnten zusammen sieben Monate (bis Mai 1864) in Kchalatlolu. Mit Erlaubnis der Bapedi gründeten sie etwa 15 km von der Hauptstadt die Missionsstation Ga-Ratau. Im Mai 1864 wurde diese Station eingeweiht.

Aus der Ehe mit Marie Liers gingen sieben Kinder hervor, als viertes Kind Hans Merensky.

Der Bapedi-Herrscher Sekhukhune vertrieb Merensky aus der Mission, weil er in ihm eine Bedrohung seiner Herrschaft sah und ihn der Zusammenarbeit mit den Buren bezichtigte.[1] Merensky erwarb aus eigenen Mitteln im Januar 1865 eine Farm im Distrikt Middelburg in der Transvaal-Republik. Zusammen mit Missionar Grützner gründete er hier am 8. Januar 1865 die Missionsstation Botshabelo – ein Nord-Sotho-Wort für „Zuflucht“. 1869 wurden in Botshabelo eine Schmiede, eine Wagenbau-Werkstatt und eine Mühle errichtet. Viele der Dorfbewohner lernten hier ihr Handwerk. Im Petermanns Mitteilungen in Berlin erschien 1870 eine erste Publikation von Merensky über die Simbabwe-Ruinen. Darin hatte er Forscherberichte zusammengefasst. Im Selbstverlag brachte er die Original Map of Transvaal heraus.

Die Transvaal-Republik wurde 1877 von den Briten annektiert und Sir Wolseley machte Botshabelo zu seinem Hauptquartier in Transvaal. Im Ersten Burenkrieg 1881 war Merensky Stabsarzt der Burentruppen. Er war bei den Kämpfen um Laingsnek, Skuinshoogte und in der Schlacht am Majuba Hill dabei und beschrieb von seinem Posten im Veldhospital das Geschehen, das er aus der Ferne mit einem Fernrohr beobachtete. Nach Kriegsende misstrauten ihm sowohl Briten als auch Buren, und Merensky entschied sich, sein Amt in Südafrika niederzulegen und mit seiner Familie nach Deutschland zurückzukehren. 1883 wurde er zum Inspektor der Berliner Mission ernannt. In Deutschland zeigte er großes Interesse für die deutsche Kolonialisation und wurde Mitglied der Gesellschaft für Deutsche Kolonialisten. Er schrieb auch Beiträge für die Deutsche Kolonialzeitung. Im Jahr 1880 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

1890 unternahm er eine Reise zum Nordende des Njassa-Sees (heute Malawisee in Malawi) in das Kondeland. Dort gründete er zwei weitere Missionsstationen, Wangemannshöhe und Manow. Später veröffentlichte er eine Landkarte von diesem Gebiet. Auf seiner Rückreise nach Deutschland besuchte er nochmal Botshabelo.

In Deutschland verliehen ihm die Universitäten Berlin und Heidelberg für seine wissenschaftliche Publikationen Ehrendoktortitel. Merensky starb in Berlin und wurde auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof begraben.

In der Nähe von Middelburg wird heute im Museumsdorf Botshabelo die Kultur der Ndebele gepflegt und der Öffentlichkeit nahegebracht.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wie erzieht man am besten den Neger zur Plantagen-Arbeit? Berlin, Verlag Walther & Apolant, 1886 Digitalisat (zweite Auflage: Berlin : Süsserott, 1912; Koloniale Abhandlungen ; 64/65)
  • Die Arbeit der deutschen Missionen. / A. Merensky. - Berlin, Buchh. der Berliner Evang. Missionsges., 1905
  • Statistische Angaben über den Stand des gesamten evangelischen Missionswerkes an der Jahrhundert-Wende. / A. Merensky. - Berlin, Buchh. der Berliner Evangelischen Missionsgesellschaft, 1902
  • Die Stellung der Mission zum Volkstum der Heidenvölker. / A. Merensky. - Berlin, [1900]
  • Deutsche Arbeit am Njaßa, Deutsch-Ostafrika. / Alexander Merensky. - Berlin: Berliner evang. Missionsgesellschaft, 1894
  • Was lehren uns die Erfahrungen, welche andere Völker bei Kolonisationsversuchen in Afrika gemacht haben? / Alexander Merensky. - Berlin, Matthies, 1890
  • Erinnerungen aus dem Missionsleben in Südost-Afrika (Transvaal) 1859-1882. / A. Merensky. - Bielefeld und Leipzig, Velhagen & Klasing, 1. Auflage 1888 (Digitalisat); 2. durchges. und verm. Aufl.: Erinnerungen aus dem Missionsleben in Transvaal 1859 - 1882. Berlin: Buchh. der Evangel. Missionsgesellschaft, 1899, "Erinnerungen aus dem Missionsleben in Transvaal (Südafrika) 1859-1882, Berlin 1899", neu hrsg. und eingeleitet von Ulrich van der Heyden, Berlin: Edition Ost, 1996, Der Textauszug Eine Untersuchungsreise in Transvaal aus der 1. Auflage ist mit einer Kurzbiografie erschienen in: Von Grönland bis Lambarene. Reisebeschreibungen christlicher Missionare aus drei Jahrhunderten. Herausgegeben von Johannes Paul. Evangelische Verlagsanstalt Berlin 1952 (Seite 114–128) = Kreuz-Verlag Stuttgart 1958 (Seite 111–126).
  • Beiträge zur Kenntnis Süd-Afrikas, geographischen, ethnographischen und historischen Inhalts. / Alexander Merensky. - Berlin, Verl. d. Missionhauses, 1875
  • Petrich, Hermann; Merensky, Alexander: Alexander Merander Dr. theol. - Ein Lebensbild aus der deutschen evangelischen Mission des letzten Jahrhunderts. Berlin, Verlag der Buchhandlung der Berliner evangelischen Missionsgesellschaft, 1919
  • Merensky, Alexander: Denkschrift über den wirtschaftlichen Wert des Südens.
  • Merensky, Alexander: Missionsatlas der evangelischen Missionsgesellschaft. Berlin, Buchhandlung der Evangelischen Missionsgesellschaft

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich van der Heyden, Winfried Brose (Hrsg.): Mit Kreuz und deutscher Flagge, 100 Jahre Evangelium im Süden Tanzanias - Zum Wirken der Berliner Mission in Ostafrika, 1993, ISBN 3-89473-520-1
  • Ulrich van der Heyden: Der Missionar Alexander Merensky als Wissenschaftler, in: Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne, herausgegeben von Rebekka Habermas und Alexandra Przyrembel, Göttingen 2013, S. 49–60. ISBN 978-3-525-30019-0
  • Michael Schubert: Der schwarze Fremde: Das Bild des Schwarzafrikaners in der parlamentarischen und publizistischen Kolonialdiskussion in Deutschland von den 1870er bis in die 1930er Jahre, 2003, Franz Steiner Verlag, ISBN 3-515-08267-0
  • Andrea Schulze: ‚in Gottes Namen Hütten bauen‘, Kirchlicher Landbesitz in Südafrika, die Berliner Mission und die evangelisch-lutherische Kirche zwischen 1834 und 2005, 2005, Franz Steiner Verlag, ISBN 3-515-08276-X
  • Tina Kühr: On a Civilizing Mission: Die imperiale Zivilisierungspropaganda in den USA und im Deutschen Kaiserreich, 1889-1914, Bonn 2006, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, online Hochschulschrift in der Deutschen Nationalbibliothek
  • Hermann Theodor Wangemann: Maleo und Sekukuni. Ein Lebensbild aus Südafrika. Der Ertrag war für Zwecke der Berliner Mission, insonderheit für die Station Botshabelo bestimmt. Mit 10 Holzstichtaf. von G. Richter. Berlin, Selbstverlag d. Missionshauses [1868]
  • Ernst DammannMerensky, Alexander. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 5, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3, Sp. 1294–1295.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Porträt Sekhukhunes bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 9. Juli 2014