Alexander Uriah Boskovitch

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Alexander Uriah Boskovitch (* 16. August 1907 in Cluj; † 13. November 1964 in Tel Aviv) war ein israelischer Komponist und Musikpädagoge.

Ab 1924 studierte er in Budapest, Wien und Paris (u. a. bei Paul Dukas und Alfred Cortot) Musik. Die Pariser Zeit begründete seine Vorliebe für französische Musik und Kultur. Ab 1930 leitete er als Dirigent das Opernhaus seiner Heimatstadt und gründete mit dem Goldmark Orchester ein jüdisches Ensemble. [1]

In seinem Frühwerk verbindet er in Kompositionen wie Cantique d`ete (1936) oder Chansons populaires juifs (1937) starke französische Einflüsse mit seiner Vorliebe für jüdische Volksmusik. Die Cantique d`ete erinnern an Musik Claude Debussys, [2] und die Chansons populaires juifs basieren auf jüdischen Volksmelodien, die er dem von Fritz Mordechai Kaufmann publizierten Buch Die schönsten Lieder der Ostjuden entnahm. [3]

1938 emigrierte er nach Palästina. Hier wirkte er als Lehrer am Konservatorium von Tel Aviv.

Neben Musikern wie Paul Ben-Haim, Marc Lavry und Ödön Pártos gilt er als Vertreter eines (ost)mediterranen Musikstils, dessen Konzept Max Brod in seiner 1951 erschienenen Schrift Die Musik Israels darstellte. Dieser Stil ist gekennzeichnet durch unregelmäßige Metrik, Wiederholungen und Variationen, vereinfachte oder fehlende Mehrstimmigkeit, eine jüdisch-jemenitisch geprägte Melodik und den bevorzugten Gebrauch von Instrumenten wie Klarinette und Oboe.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jüdische Volkslieder, 1938
  • Adonai Ro'i für Alt und Orchester, 1946
  • Cantico di ma'alot für Orchester, 1960
  • Bal Ysrael, 1960–61

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amaury Du Closel: Erstickte Stimmen: "Entartete Musik" im Dritten Reich, Böhlau Verlag Wien, 2010, ISBN 9783205782926, S. 258–59
  • Jehoash Hirshberg: Alexander U. Boscovitch and the Quest for an Israeli National Musical Style; in Ezra Mendelsohn (Hrsg.): Studies in Contemporary Jewry, Band IX - Modern Jews and Their Musical Agendas, Oxford University Press, 1993, Seite 107 ff.
  • Boris Fernbacher: Vom Jerusalemer Tempel nach New York - 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte, 2018, ISBN 978-3-7460-2430-1, Seite 384 bis 389

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Personenartikel zu Boskovich in Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Online auf www.mgg-online.com
  2. Boris Fernbacher: Vom Jerusalemer Tempel nach New York - 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte, 2018, ISBN 978-3-7460-2430-1, S. 384
  3. Tal Soker: The Mediterranean Style - From Pan-Semitism to Israeli Nationalism; in Magdalena Waligórska (Hrsg.): Music, Longing and Belonging - Articulations of the Self and the Other in the Musical Realm, Cambridge Scholars Publishing, 2013, S. 85