Alfredo de Lacerda Maia

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Kapitänleutnant (Capitão-tenente)[1] Alfredo de Lacerda Maia († 3. März 1887 bei Dili, Portugiesisch-Timor) war ein portugiesischer Militär und Kolonialverwalter.

Von 1885 bis 1887 war er Gouverneur von Portugiesisch-Timor[2]. Er wird als jung, enthusiastisch, fleißig und anscheinend ehrlich beschrieben; ein Gouverneur, der die brachliegende Kolonie vorwärts bringen möchte. In Zusammenarbeit mit einigen Liurais (traditionellen Herrscher) versuchte er den Kaffeeanbau wiederzubeleben. Mehrfach reiste er in das Inselinnere, zu den verstreuten portugiesischen Posten an der Nordküste und an die Südküste der Insel, die in den Jahren zuvor von den Portugiesen nahezu aufgegeben worden war.[3]

Zwischen Mai und Juni 1886 musste er sich mit einer Revolte des Reichs von Maubara, im Nordwesten der Kolonie, herumschlagen. Zu Beginn seiner Amtszeit verfügte Maia nur über 50 europäische Soldaten, 150 Mosambikaner und acht Kanonen. Bei der Expedition gegen Maubara wurden erstmals Hinterladerkanonen verwendet, die ein schnelleres Feuern ermöglichte. Eine wirkliche Befriedung gelang nicht, aber es war auch keine Niederlage der Portugiesen zu verzeichnen, wie es sie in der Vergangenheit öfter gegen Maubara gab.[3]

Am 3. März 1887 wurde Maia von Moradores, einheimischen Soldaten in portugiesischem Dienst, auf der Straße von Dili nach Lahane erschlagen.[4] Es war der Beginn der sogenannten Revolte der Moradores.[5][6] Der Mord erschütterte die portugiesischen Beamten so sehr, dass sie den Belagerungszustand für Dili ausriefen und Kanonen und Maschinengewehre auf den Straßen postierten, während die Mörder in die Berge flohen.[3]

Einige Artikel behaupten, Maia habe zuvor die Ehefrau von Dom Boaventura, dem Liurai von Manufahi bei einem Besuch in Dili vergewaltigt.[1] Hier werden aber verschiedene historische Ereignisse vermischt. Boaventura begann erst 1895 mit seinem Aufstand gegen die Portugiesen, noch unter seinem Vater, dem damaligen Liurai von Manufahi Dom Duarte. Portugiesische Ermittlungen brachten als Grund für den Aufstand der Moradores den Amtsmissbrauch von Maias Sekretär Unterleutnant (alferes) Francisco Ferreira ans Licht. Dieser hatte im Namen des Gouverneurs den Bogen überspannt.[6] Da der Gouverneur sich weigerte, die mehrfachen Beschwerden der Moradores anzuhören, entschlossen sich hundert von ihnen Ferreira aufzulauern.[3]

Zum Unglück von Maia stießen die Moradores nicht auf den Sekretär, sondern auf Maia. Als dieser schwer verletzt zu fliehen versuchte, entschieden sie sich, ihm den Gnadenstoß zu geben. Allein die Enthauptung, einem Ritual der timoresischen Kopfjäger, blieb ihm erspart. Zwei Offiziere der Moradores verhinderten dies, weil sie befürchteten, man würde sonst die mystische Verbindung zur portugiesischen Krone abtrennen, was die Insel erschüttern würde.[3]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfredos Bruder Eduardo war Anarchist und Mitglied der Ersten Internationale.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Os efeitos do 5 de Outubro de 1910 em Timor (portugiesisch)
  2. Daten auf rulers.org
  3. a b c d e René Pélissier: Portugais et Espagnols en "Océanie". Deux Empires: confins et contrastes (Memento des Originals vom 22. April 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.colonialvoyage.com, Éditions Pélissier, Orgeval 2010.
  4. Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Osttimor 1850 bis 1912. Aberag, Hamburg 1996. ISBN 3-934376-08-8
  5. Revista da Armada: A história da presença da Marinha em Timor (Memento vom 1. Januar 2009 im Internet Archive) (portugiesisch)
  6. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  7. Chronologie de l’histoire du Timor (1512-1945) suivie des événements récents (1975-1999) (französisch; PDF; 887 kB)
VorgängerAmtNachfolger
Cipriano ForjazGouverneur von Portugiesisch-Timor
1885–3. März 1887
António Joaquim Garcia