Altarabische Religion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Altarabische Religion ist ein Sammelbegriff für die Glaubensvorstellungen der Menschen auf der arabischen Halbinsel vor dem Aufstieg des Islam im 7. Jahrhundert.

Quellenlage[Bearbeiten]

Es gibt nur wenige schriftliche Zeugnisse, die Auskunft über die Welt vor dem Islam geben, denn auf der arabischen Halbinsel war noch bis in die Anfangszeit des Islam vornehmlich eine mündliche Tradition vorherrschend. Die Schriftlichkeit dieser Kultur war wenig bis gar nicht ausgeprägt. Die wichtigste heute noch erhaltene originäre schriftliche Quelle für das Leben und den Glauben der Menschen ist die altarabische Dichtung. Des Weiteren geben Inschriften oder Münzen Hinweise. Die meisten Informationen, die heute über diese Zeit vorliegen, stammen jedoch aus dem islamischen Schrifttum: So geben unter anderem bereits der Koran, die Sunna und die Biografie des Religionsstifters Muhammad mehr oder wenig ausführlich Auskunft über den Glauben der Menschen in der unter dem Islam so genannten Zeit der Dschāhiliyya. Alle Textgattungen müssen jedoch unter dem Vorbehalt einer quellenkritischen Analyse betrachtet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die altarabische Religion beruht auf den polytheistischen sumerischen und babylonischen Religionen. Zunächst wich sie insbesondere im Süden der arabischen Halbinsel dem Monotheismus der jüdischen und christlichen Religion (siehe das altsüdarabische Reich von Saba). Mit dem Aufstieg des Islam verlor die Vorstellungswelt dann auf breiter Ebene zunehmend an Bedeutung und geriet im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Zunächst versuchten sich die Menschen den neuen Glaubensvorstellungen, die Muhammad, ein Mann aus ihrer Mitte, verbreitete, entgegenzustemmen. Der Koran berichtet von mehreren Gefechten zwischen den Anhänger der Altarabischen Religion, die im islamischen Sprachgebrauch muschrikun genannt werden, was so viel heißt wie Götzenanbeter, und den Muslimen. Durch letztlich vernichtende Niederlage gegen die Anhänger des Islam blieben Ihnen am Ende kaum eine andere Wahl als selbst den Islam als neuen Glauben anzunehmen oder zu fliehen.

Glaubenswelt[Bearbeiten]

Auf Grund der mangelnden und kritischen Quellenlage ist der Ritus der altarabischen Religion nur in groben Zügen bekannt. Die Anhänger der altarabischen Religion verehrten einen Hochgott Allah aber auch mehrere altarabische Gottheiten. Außerdem wurden Bäume und Steine verehrt. Die bekanntesten Gottheiten waren die Göttinnen Al-Lat, Manat und Uzza. Deren Kultstätten befanden sich alle in der direkten Umgebung von Mekka. Im Zentrum des Ritus stand der Kult um den schwarzen Stein in Mekka selbst und eine Wallfahrt dorthin; beides wurde später von den Muslimen aus der altarabischen Religion als Ka'ba und Haddsch in den Islam überführt. Die Wallfahrt der alten Araber gilt als wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt Mekka. Die Gebote des Islam zur rituellen Reinheit (tahara) gehen zumindest teilweise auf entsprechende Gebote der altarabischen Religion zurück.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidentums, Walter de Gruyter, Berlin 1887
  • Maria Höfner: Die vorislamischen Religionen Arabiens. In: H. Gese, M. Höfner, K. Rudolph: Die Religionen Altsyriens, Altarabiens und der Mandäer. Stuttgart u.a. 1970, S. 233–402