Altartuch

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Hochaltar der Oratorianerkirche in Oxford, bedeckt mit Altardecke und Altartuch, vor der Front ein Antependium
Altartuch mit Spitzenbesatz. In die Spitze eingearbeitet sind Kreuze, Weintrauben, Weizenähren und das Nomen sacrum IHS

Ein Altartuch dient im Christentum dazu, in der Liturgie den Altar zu bedecken. Das Altartuch ist dabei sowohl ein Zeichen der Ehrfurcht als auch Schmuck und Schutz des Altars und der liturgischen Gefäße. In den orthodoxen Kirchen liegt auf dem Altar das Antimension, in dem auch die Reliquien von Heiligen enthalten sind.

Liturgischer Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch sieht für die Feier der heiligen Messe vor:

„Zum Zeichen der Ehrfurcht vor der Feier des Herrengedächtnisses und des Mahles, bei dem Leib und Blut Christi gereicht werden, ist der Altar, auf dem zelebriert wird, mit wenigstens einem weißen Tuch zu bedecken, das in Form, Größe und Schmuck zur Gestalt des Altars passt.[1]

Unter dem eigentlichen Altartuch liegen zum Schutz des Altars, der meist aus Stein oder aus Holz ist, zuweilen noch eine Decke aus Wachstuch und zwei leinerne Tuchstreifen; bis zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil waren zur Feier der heilige Messe drei Altartücher vorgeschrieben. Das oberste hatte eine Breite von 70 bis 90 cm und sollte an den beiden Schmalseiten des Altars bis nahe an den Boden reichen. Auf das Altartuch wird ab der Gabenbereitung in der heiligen Messe wiederum das Korporale gelegt.

Das Altartuch selbst ist meist aus weißem Leinen und war in der Vergangenheit am vorderen Rand, der einige Zentimeter überhing, aufwändig mit Stickereien oder Spitze versehen. In früheren Zeiten wurden auch Seide und Stickereien mit Gold- und Silberfäden für Altarwäsche verarbeitet. Traditionell war ein Altartuch mit fünf Kreuzen bestickt, welche die fünf Wundmale Christi symbolisierten.

Nach der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag wird der Altar zeremoniell entblößt, das heißt, es werden Altarwäsche, Leuchter und Kreuz entfernt. Bei der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag wird lediglich bei der Kommunionfeier ein Korporale für die präsanktifizierte Kommunion gebracht, ansonsten bleibt der Altar bis zur Feier der Osternacht unbedeckt.

Geschichte und Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 4. Jahrhundert ist belegt, dass „das Holz des Altares mit einem Linnentuch bekleidet werde“[2], die Praxis ist aber wahrscheinlich deutlich älter. Die Bezeichnungen für das Parament waren im Mittelalter unterschiedlich: linteamen altaris, velum, pannus altaris, pallium oder palla, mantile, substratorium, mappa, mensale (Tischtuch), tunica altaris („Altarkleid“), tobalea oder toalea. Einige dieser Begriffe kamen jedoch auch als Bezeichnung für andere liturgische Textilien vor. Lange Zeit wird es sich um ein einziges Tuch gehandelt haben, im Mittelalter waren es mindestens zwei und regional bis zu fünf Tücher, die gefordert waren; das oberste von ihnen war womöglich mit dem Korporale identisch. Es sollte verhindert werden, dass eventuell verschütteter Messwein auf die Altarplatte gelangte. Im späten Mittelalter kam als unterstes Tuch das gewachste Leinentuch (tela cerata) auf. Man sah seit dem 2. Jahrhundert das Altartuch als Sinnbild für die Grabtücher, in die Jesus nach seinem Kreuzestod gewickelt wurde; daher sollte es aus weißem Leinen bestehen. Eine weitere Deutung sah in den zwei Tüchern den Leib und die Seele Jesu Christi.[3]

Altardecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb der heiligen Messe wird zum Schutz der Altartücher vor Staub der Altar mit einer Altardecke bedeckt, die an der Front und seitlich etwas herabhängt. Die Entstehungszeit der ersten Altardecken ist unklar. Vorgeschrieben wurden sie im 16. Jahrhundert durch den Mailänder Bischof Karl Borromäus und nachfolgenden auch in anderen Diözesen, doch wurden sie auch schon vorher benutzt. Über das Material und die Farbe bestehen keine Vorschriften. In der frühen Neuzeit bestanden sie häufig aus Leder, später aus Wachstuch. Altardecken konnten an den Rändern mit Fransen oder einer schmalen Borte geschmückt sein.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Braun: Die Liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit. Ein Handbuch der Paramentik. 2., verbesserte Auflage. Herder, Freiburg (Breisgau) 1924 (Reprographischer Nachdruck. Verlag Nova und Vetera, Bonn 2005, ISBN 3-936741-07-7), S. 184–190 (Altartuch), S. 190f. (Altardecke).
  • Altartuch, in: Adolf Adam, Rupert Berger: Pastoralliturgisches Handlexikon. 5. Aufl. Herder, Freiburg im Breisgau 1990, ISBN 3-451-18972-0, S. 20

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einführung ins Römische Meßbuch, 12. Juni 2007, Nr. 304.
  2. Bischof Optatus von Mileve um 370; vgl. Joseph Braun: Die Liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit. 2., verbesserte Auflage. Freiburg (Breisgau) 1924, S. 184f.
  3. Bischof Optatus von Mileve um 370; vgl. Joseph Braun: Die Liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit. 2., verbesserte Auflage. Freiburg (Breisgau) 1924, S. 184–190.
  4. Joseph Braun: Die Liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit. 2., verbesserte Auflage. Freiburg (Breisgau) 1924, S. 190f.