Alter Friedhof (Offenbach am Main)

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Friedhofstraße 21
Kuppelmosaik im Krumm-Mausoleum
Grab Friedrich Metzler

Der Alte Friedhof ist ein Friedhof von Offenbach am Main. Er steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurden die Toten in Offenbach auf dem Kirchhof der Schlosskirche zu Grabe getragen. Von diesen Beerdigungen sind nur noch Bodenfunde nachweisbar. Um 1700 wurde statt dessen ein Friedhof außerhalb der Stadt vor dem Hanauer Tor angelegt. Nach dem Befreiungskriegen hatten die Stadtmauern ihre militärische Bedeutung verloren und das Hanauer Tor wurde abgerissen. Die Stadt dehnte sich nun über die alten Stadtmauern hinaus aus. Die Stadt entschied daher 1828 einen neuen, größeren Friedhof auf freiem Gelände östlich der Stadt, dem heutigen Alten Friedhof, einzurichten. Der Friedhof wurde 1832 eingerichtet. 1843 erfolgte der Bau der ersten Aufbahrungshalle. 1860 wurde der Friedhof erweitert und so die Fläche verdoppelt.

Der heutige Eingang mit zwei Kopfbauten beidseits des Haupttores wurde 1882/83 durch Stadtbaumeister Raupp geschaffen. Die Seitengebäude sind spätklassizistische Verwaltungs- und Wohngebäude. 1888 wurde eine halboffene Leichenhalle erbaut. 1891/92 eines der ersten Krematorien Deutschlands errichtet. Es ist nicht mehr erhalten. Ab 1906 wurde die westliche Erweiterungsfläche nach Plänen des Gartenbaudirektors Ferdinand Tutenberg parkartig umgestaltet. 1911 wurde die Versammlungs- und Leichenhalle mit Portalschmuck in den Formen des späten Jugendstils sowie des Neuklassizismus umgebaut.

1939 erfolgte die Eröffnung des neuen Friedhofs. Seit 1998 sind wieder Urnenbeisetzung auf dem Alten Friedhof möglich.

Das Krematorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus religiösen Gründen war die Feuerbestattung in Deutschland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unüblich. 1878 wurde das erste Krematorium, das Krematorium Gotha eingeweiht. 1899 wurde das fünfte Krematorium Deutschlands in Offenbach in Betrieb genommen. Das Gebäude besteht nicht mehr. In die Friedhofsmauer sind Türen des damaligen Krematoriums eingelassen.

Jüdischer Teil des Friedhofs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jüdischer Teil des Friedhofs

Bei der Vergrößerung des Friedhofs 1860 wurden die beiden östlichsten Felder als künftigen jüdischen Friedhof eingeplant. Der seit 1708 bestehende jüdische Friedhof an der Bismarckstraße lag nun innerhalb der Bebauungsgrenze.

Im Gegensatz zum christlichen Teil des Friedhofs wurde hier aus religiösen Gründen auf bildliche Darstellungen verzichtet. Einzige Ausnahme ist das Ehrengrab von Ludo Mayer (J. Mayer & Sohn). Dieses repräsentative Denkmal befindet sich an der Mauer am Kopfende der Hauptachse des Friedhofs.

Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräberfeld der in Offenbacher Lazaretten verstorbenen Soldaten des Ersten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zentrum des Ehrenfriedhofs bildet das Gräberfeld der in Offenbacher Lazaretten verstorbenen Soldaten des Ersten Weltkriegs. In der Mitte befindet sich ein großes Holzkreuz. Die einheitlich gestalteten Grabsteine der Toten sind in parallelen Reihen an beiden Seiten des Kreuzes angeordnet.

Denkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs

Das Denkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs wurde 1877/78 vom Offenbacher Bildhauer Josef Keller geschaffen und auf dem Aliceplatz aufgestellt. 1957 wurde es auf den Friedhof versetzt und markiert nun die Stelle, wo sich Gräber von im Krieg 1870/71 gestorbenen Soldaten befanden. Ursprünglich war das Denkmal mit der Skulptur einer Viktoria gekrönt. Diese ist beschädigt und ihre Reste verwahrt das Haus der Stadtgeschichte.

Elektron-Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Ehrenfriedhofs erinnert ein Denkmal an ein Explosionsunglück 1916 bei der damaligen Firma Griesheim-Elektron in Heusenstamm, bei der zehn Personen einschließlich des Werksleiters ums Leben kamen. Das Denkmal wurde von dem Architekten Hugo Eberhardt entworfen.

Denkmal für die Toten des Eisenbahnunglücks von 1900[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1900 kam es in der Nähe des Friedhofs zu einem Eisenbahnunglück. Zwei Züge stießen in dichtem Nebel zusammen und es kam zu einer Gasexplosion. Von den zwölf Todesopfern sind elf auf dem Friedhof bestattet. Die königliche Staatseisenbahnverwaltung beauftragte den Frankfurter Bildhauer Franz Krüger mit dem Entwurf eines Denkmals. Es besteht aus einem zentralen Obelisken, der auf beiden Seiten von Flammenkelchen flankiert ist. Am 6. Oktober 1902 wurde das Denkmal, welches 28.000 Mark gekostet hatte, feierlich eröffnet.[1]

Beigesetzte Persönlichkeiten auf dem Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bild Name(n) Jahr Beschreibung
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Wilhelm Heraeus.jpg Julie Heraeus und Wilhelm Heraeus 0 0
0 Arturo Gazzera 0 0
Max Willner Grabstein.jpg Max Willner 0 0
0 Karl Ferdinand Becker 0 0
OF Friedhof KrummMausoleum.JPG Heinrich Krumm (1854–1912) 0 0
0 Philipp Casimir Krafft 0 0
0 D’Orville 0 0
0 Joseph Jean-Baptiste Albert 0 0
0 Karl Gottlieb Reinhard Oehler 0 0
0 Gilles André 0 0
Friedrich Metzler Grabmal.jpg Friedrich Metzler 0 0
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Carl Ulrich.jpg Carl Ulrich 0 0
0 Georg Kaul 0 0
0 Johann Daniel Manchot 0 0
0 Streichholzkarlchen 0 Offenbacher Original, eigentlich: Karl Winterkorn
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Wilhelm Knothe.jpg Wilhelm Knothe 0 0
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Otto Engelhard.jpg Alfred Engelhard 0 0
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Otto Engelhard.jpg Otto Engelhard 0 0
Offenbach, Alter Friedhof, Grab August Huck.jpg August Huck 0 0
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Karl Klingspor.jpg Karl Klingspor 0 0
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Ernst und Georg Heyne.jpg Georg Heyne und Ernst Heyne 0 Inhaber der Firma Gebrüder Heyne.
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Johannes Lippmann.jpg Johannes Lippmann 1935 Johannes Christoph Daniel Lippmann (* 14. Januar 1858 in Offenbach am Main; † 8. Februar 1935 in Darmstadt) war ein deutscher Maler und Lithograf.
Offenbach, Alter Friedhof, Grab, Wilhelm Schramm.jpg Wilhelm Schramm 1909 Wilhelm Schramm (* 20. Juni 1846 in Offenbach am Main; † 5. Mai 1909 ebenda) kam als Miteigentümer der Schramm’schen Lack- und Farbenfabrik AG zu Vermögen und war Stifter der Wilhelm-Schramm-Stiftung
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Jean-Baptiste André.jpg Jean-Baptiste André 1882 Jean-Baptiste André war Komponist.
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Johann André.jpg Johann André 1799 Johann André (* 28. März 1741 in Offenbach am Main; † 18. Juni 1799 ebenda) war ein deutscher Musiker, Komponist und Musikverleger.
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Joseph Jean-Baptiste Albert.jpg Joseph Jean-Baptiste Albert 1822 Joseph Jean-Baptiste Albert (* 28. August 1771 in Guillestre; † 7. September 1822 in Offenbach am Main) französischer Général de division der Infanterie.

Ehrengräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schild Legatgrab

Gemäß § 15 der Friedhofsordnung der Stadt Offenbach[2] kann der Magistrat in Einzelfällen Legat- oder Ehrengräber bestimmen, deren Pflege von der Stadt übernommen wird.

Die folgende unvollständige Liste nennt solche Legat- oder Ehrengräber:

Bild Name(n) Jahr Beschreibung
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Carl Ulrich.jpg Carl Ulrich 1933 Carl Ulrich war der erste Staatspräsident des Volksstaates Hessen
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Maabär.jpg Franz Georg Weber 1935 Franz Georg Weber (* 21. Mai 1867 in Gießen; † 13. Oktober 1935 in Offenbach am Main) war ein Offenbacher Original bekannt unter dem Namen Maabär.
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Ferdinand Pfaltz.jpg Ferdinand Pfaltz 1919 Fabrikant
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Marie Poppert (1).jpg Marie Poppert 1928
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Ludwig Riesbeck.jpg Ludwig Riesbeck 1850 Christian Ludwig Riesbeck (1812–1850) war Maler
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Franz Rech.jpg Franz Rech 1928 Franz Rech (* 30. April 1870; † 26. Mai 1946) war Bürgermeister von Offenbach
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Karl Ferdinand Becker.jpg Karl Ferdinand Becker 1949 Karl Ferdinand Becker (* 14. April 1775 in Lieser; † 4. September 1849 in Offenbach am Main) war ein deutscher Arzt, Naturwissenschaftler, Pädagoge und Sprachforscher.
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Schwesternschaft Stadtkrankenhaus.jpg Schwesternschaft des Stadtkrankenhauses 0
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Josef Tintner.jpg Josef Tintner
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Georg Neef.jpg Georg Neef 1966
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Ludo Mayer.jpg Ludo Mayer 1917 Ludo Mayer (* 28. April 1845; † 14. November 1917 in Bad Nauheim) war Inhaber der Firma J. Mayer & Sohn.
Offenbach, Alter Friedhof, Grab Leopold Bode.jpg Leopold Bode 1906 Christian Leopold Bode (* 11. März 1831 in Offenbach am Main; † 26. Juli 1906 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Historienmaler und Grafiker.
Siegfried Guggenheim 01.jpg Siegfried Guggenheim 1961 Siegfried Guggenheim, Ehrenbürger der Stadt Offenbach, Rechtsanwalt und Notar, Kunstmäzen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alter Friedhof (Offenbach am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Jöst: Offenbach am Main in Wort und Bild, 1905, S. 82 f.
  2. Friedhofsordnung der Stadt Offenbach

Koordinaten: 50° 6′ 15″ N, 8° 46′ 51″ O