Karl Ferdinand Becker (Sprachforscher)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karl Ferdinand Becker

Karl Ferdinand Becker (* 14. April 1775 in Lieser; † 4. September 1849 in Offenbach am Main) war ein deutscher Arzt, Naturwissenschaftler, Pädagoge und Sprachforscher.

Leben[Bearbeiten]

Seine Eltern waren Franz Anton Becker, Leiter eines kurfürstlichen Eisenhammers bei Lieser/Mosel und Anna Maria, geborene Sartorius. [1] Um 1780 kehrte die Familie in die westfälische Heimat zurück, und der Vater kaufte ein Gut in Schloß Neuhaus.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Paderborn trat Karl Ferdinand Becker in das Priesterseminar in Hildesheim ein und wurde kurz darauf Lehrer am Gymnasium Josephinum. Er verzichtete jedoch auf eine kirchliche Laufbahn und studierte seit 1799 an der Georg-August-Universität Göttingen Medizin. Im Jahre 1802 gewann er durch seine Abhandlung von dem Einfluß der äußern Wärme und Kälte auf den menschlichen Körper einen Preis der medizinischen Fakultät.

Im Jahre 1803 heiratete er Amalie Schmincke aus Karlshafen und ließ sich als praktischer Arzt in Höxter nieder. Im Jahre 1810 wurde er Unterdirektor der Pulver- und Salpeterfabriken im Département der Leine und des Harzes und kehrte nach Göttingen zurück,[2], wo er seit 1812 an der Universität auch naturwissenschaftliche Vorlesungen hielt. Als um 1814 nach dem Sieg der alliierten Truppen über Napoleon die Seuche des „Nervenfiebers“ ausbrach, publizierte er eine Abhandlung Über die Erkenntnis und Heilung des Petechialfiebers. Daraufhin wurde er nach Frankfurt am Main berufen, wo er kurzfristig im Lazarett „Im deutschen Hause“ als Arzt tätig war, bevor er leitender Arzt am Kriegshospital in Heusenstamm und dann in einem Hospital in Aschaffenburg wurde.

Nach der Auflösung der „Centralhospitalverwaltung“ ließ er sich im Januar 1815 als praktischer Arzt in Offenbach nieder. Da die Arztpraxis kein finanzieller Erfolg war, widmete er sich nicht nur der Erziehung seiner acht Kinder, sondern auch der Erziehung der Kinder von Freunden. Im Jahre 1823 errichtete er in seinem Haus ein Internat, um sich ganz den pädagogischen Aufgaben widmen zu können. Beim Unterricht in der deutschen Sprache stellte er fest, dass eine grundlegende Grammatik fehlte. Seitdem widmete er sich Sprachforschungen und korrespondierte mit Jakob und Wilhelm Grimm, sowie mit Wilhelm von Humboldt.

Durch den finanziellen Erfolg infolge der hohen Auflage seiner „Schulgrammatik“ konnte sich Becker ganz der Sprachforschung widmen, sodass er vor allem als Sprachforscher bekannt wurde. Seine Lehre, die vorhandene Sprache als einen streng logischen Organismus aufzufassen, wurde allerdings von Jakob Grimm widerlegt, der die historische Betrachtungsweise bei Sprachproblemen in den Vordergrund stellte.

Publikationen[Bearbeiten]

Naturwissenschaftliche und medizinische Schriften[Bearbeiten]

  • Anleitung zur künstlichen Erzeugung des Salpeters (1814)
  • Über die Erkenntnis und Heilung des Petechialfiebers (1814)

Grammatikalische Schriften[Bearbeiten]

  • Die deutsche Wortbildung (Frankfurt 1824)
  • Deutsche Sprachlehre (Frankfurt 1827)
  • Der Organismus der Sprache (1827)
  • Ausführliche deutsche Grammatik (2. Aufl., Prag 1870, 3 Bde.), der zur Seite die
  • Schulgrammatik der deutschen Sprache (Prag 1831, 11. Aufl. neu bearbeitet von Th. Becker
  • Handbuch der deutschen Sprache, neu herausgegeben Prag 1876)
  • Organismen der Sprache (2. Aufl., Prag 1841)
  • Der deutsche Stil (Prag 1848; 3. Aufl. von Lyon, 1883);
  • Lehrbuch des deutschen Stils (hrsg. von Th. Becker, 1850; 2. Aufl. 1870)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kirchenbuch 2, Lieser, aufbewahrt im Bistumsarchiv Trier
  2. Franz Schmitt, Chronik Weindorf Lieser, Paulinusdruckerei Trier 1988, S. 595

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]