Ammonios Sakkas

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Ammonios Sakkas († 241 oder 242 in Alexandria in Ägypten) war ein Philosoph in der platonischen Tradition und Begründer einer Schule, die heute mit dem modernen Begriff Neuplatonismus bezeichnet wird. Sein griechischer Beiname Sakkas (σακκᾶς) geht nach einer (gegnerischen) christlichen Überlieferung darauf zurück, dass er in seiner Jugend Getreidesäcke schleppte; wahrscheinlicher ist aber Bezugnahme auf ein grobes, sackartiges Philosophengewand (σάκκος, vgl. lateinisch saccus cilicinus).[1]

Ammonios hat keine Schriften hinterlassen, aber durch seine Schüler die Entwicklung des Platonismus nachhaltig beeinflusst.[2] Er scheint nur in Alexandria gelehrt zu haben. Sein berühmtester Schüler war Plotin, der 231/232–241/242 bei Ammonios studierte, bevor er nach Rom übersiedelte und dort seine eigene Schule gründete. Ein anderer Ammonios-Schüler namens Origenes wurde lange mit dem berühmten Kirchenlehrer Origenes identifiziert, der tatsächlich platonisch beeinflusst war. Die moderne Forschung hat aber gezeigt, dass der Ammonios-Schüler Origenes ein gleichnamiger nichtchristlicher Platoniker war. Allerdings ist es möglich, dass der Christ Origenes Vorlesungen des Ammonios hörte.[3] Ein weiterer Schüler des Ammonios war der berühmte Philosoph und Grammatiker Longinos, der später seinerseits in Athen eine Schule gründete.

Unsere Quelle für Ammonios ist Plotins Schüler Porphyrios, von dem die spätere Überlieferung abhängt. Aus seinen wenigen Angaben geht hervor, dass Plotin der Lehre des Ammonios treu geblieben ist. Daher ist davon auszugehen, dass die Lehre des Ammonios in den Grundzügen derjenigen Plotins entsprach. Einzelheiten sind aber nicht zuverlässig rekonstruierbar. Aus den Angaben des Porphyrios[4] geht hervor, dass nach dem Tod des Ammonios drei seiner Schüler, Plotin, Herennios (Erennios) und Origenes, vereinbarten, nichts von seiner wissenschaftlichen Hinterlassenschaft (Nachschriften seiner Vorlesungen) zu veröffentlichen, sondern seine Lehren nur mündlich weiterzugeben. Diese Abmachung wurde aber später erst von Herennios, dann auch von Origenes gebrochen; daher betrachtete schließlich auch Plotin die Vereinbarung als hinfällig.[5]

Nach einem von Eusebius von Caesarea überlieferten Zitat aus der verlorenen Streitschrift des Porphyrios gegen die Christen stammte Ammonios aus christlichem Elternhaus, wandte sich aber schon in seiner Jugend vom Christentum ab, als er die (platonische) Philosophie kennenlernte. Sicher unzutreffend ist die Behauptung des Eusebius, Ammonios sei bis zu seinem Tode Christ geblieben; sie beruht auf einer Verwechslung mit einem gleichnamigen christlichen Schriftsteller.[6]

Literatur

Anmerkungen

  1. Schwyzer S. 81-84, Schroeder S. 520f.
  2. Dörrie S. 469-471.
  3. Zur Unterscheidung zwischen dem Platoniker Origenes und dem gleichnamigen Christen siehe Schwyzer S. 22-39; Dörrie S. 465-467; Schroeder S. 494-509.
  4. Vita Plotini 3,24-35.
  5. Schwyzer S. 15-17; Dörrie S. 463f.
  6. Schwyzer S. 19-21.