Amrumer Windmühle

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Die Nebeler Windmühle
Königswelle und Klüwer der Amrumer Windmühle
Grabstein von Erk Knudten und Inge Erken
Heimatmuseum

Die Amrumer Windmühle ist eine Windmühle in Nebel auf der Nordseeinsel Amrum. Sie steht auf der höchsten natürlichen Erhebung im Ort und gilt als Wahrzeichen der Insel. Die Amrumer Windmühle ist seit 1967 denkmalgeschützt und noch komplett mit den Mahlgängen ausgestattet. Die älteste Mühle Schleswig-Holsteins[1] beherbergt ein Heimatmuseum und wechselnde Ausstellungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Seefahrer Erk Knudten kaufte 1770 in Holland, vermutlich Amsterdam, einen achteckigen Erdholländer, den er per Schiff nach Amrum schaffte. Es wurde in Holland alles abgebaut, beschriftet und seefest verpackt auf die Reise gebracht. Die Mahlsteine sind vermutlich über Kontakte mit Föhrer Müllern nach Amrum gelangt. Die Verkleidung der Mühle wurde auf Amrum in Reet neu gefertigt. Die Nebeler Windmühle wurde 1770–1771 auf der höchsten Erhebung des Ortes gebaut. Da der Waldbestand zu jener Zeit wesentlich kleiner war als heutzutage, konnte man die Mühle aus allen Himmelsrichtungen sehen. Daraus ergab sich auch ihre anfängliche Bedeutung als „Seezeichen“ und Orientierungshilfe für vorbeifahrende Schiffe an der Westseite der Insel.

Die Inschrift des Grabsteines von Erk Knudten auf dem Friedhof an der Nebeler St.-Clemens-Kirche gibt folgende Auskunft: „An diesem Monument ruhen die Gebein von das selige Ehepaar und Eltern Erk Knudten und Inge Erken aus Nebel. Der Vater, gewesener Müller, war in seinen jüngeren Jahren ein Seemann und hat die 3 letzten derselben als Schiffer gefahren. Ao 1771 ließ er eine Graupen Mühle bauen, welche er 21 Jahre als Müller vorgestanden. Er und seine getreue Gattin lebten miteinander verehelicht 46 Jahre und zeugten 11 Kinder. Ao 1801 ist der Vater im 67. und die Mutter 1824 im 92. Jahre ihres Alters selig entschlafen“.

Als der erste Müller 1792 die Mühle an seinen Sohn übergab, war es noch nicht möglich, vom Mahlen von Graupen, Grütze und Korn allein zu leben, folglich betrieben die Müller nebenher auch Landwirtschaft auf den angrenzenden Flächen. Nachdem Erk Knudten verstorben war, wurde der älteste Sohn, der die Mühle bereits betrieb, zum Erben ernannt und die Geschwister sollten ausbezahlt werden. Dies war Martin Erken nach jahrelanger Müllertätigkeit jedoch nicht möglich und so übernahm eine seiner Schwestern, die einen reichen Landbesitzer geheiratet hatte, die Mühle. Als ihr Mann verstarb, überließ sie die Müllertätigkeiten ihrem Schwiegersohn Hans Tychsen und dem Müllergesellen.

Die Besitzer der Amrumer Windmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erk Knudten, Seemann, erbaute die Mühle zwischen 1770 und 1771.
  • Martin Erken, Müller und Zimmermann, Sohn von Erk Knudten, übernahm 1787 die Mühle.
  • Hans Tychsen, Müllergeselle aus Tondern, übernahm 1825 die Mühle durch Heirat mit der Nichte Martin Erkens.
  • Thomas Jensen Christensen, Müllergeselle aus Abild bei Tondern, übernahm die Mühle 1846 durch Heirat der Witwe von Hans Tychsen.
  • Peter Klemensen Kristensen, Müllergeselle, Neffe von Thomas Christensen, übernahm nach dem Tod seines Onkels die Müllertätigkeiten.
  • Hans Ernst Kristensen, genannt „Hans Maller“, Sohn von Peter K. Kristensen, Müller, war Amrums letzter Müller und führte die Mühle von 1922 bis 1964.
  • Ab 1964 übernahm der Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle e.V. die Windmühle und baute die ehemaligen Lagerräume zum Museum um und betreibt bis heute Ausstellungsräume für Künstler.

Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es zeichnete sich schon länger ab, dass der Betrieb einer Windmühle zum Kornmahlen nicht mehr rentabel war. Zusätzlich machten die Gesellschaften, die vom Festland her mit niedrigeren Preisen in den heimischen Markt eindrangen, dem Müller zu schaffen. Die immer wieder anfallenden Reparaturkosten waren nicht mehr zu decken. So entschloss sich „Hans Maller“ 1963, den Betrieb in der Mühle einzustellen. Es ist sehr dem Bestreben von Hans Kristensens Frau Maria zu verdanken, dass die Mühle einem Verein übergeben wurde, der sich um den Fortbestand der Mühle kümmern wollte. Maria Kristensen bat den damaligen Inselpastor Erich Pörksen um Rat. Dieser zögerte nicht lange und berief eine Versammlung ein, um einen Verein zur Erhaltung der Mühle zu gründen.

Am 16. Januar 1964 wurde durch einen Sachverständigen der Wert der Mühle ermittelt und am 20. Januar 1964 fand die erste Versammlung zur Gründung des Vereins im Amrumer Bahnhofshotel in Nebel statt, zu der Pastor Erich Pörksen eingeladen hatte. Es fanden sich gut 70 Insulaner ein, um den Fortbestand der Mühle zu sichern. Noch an diesem Abend wurde der Verein gegründet und ihm eine Satzung gegeben. Es wurden Umbau- und Reparaturarbeiten gestartet, um die Mühle zu halten und zu erweitern. Aus den Lagerhallen wurde ein Museum, um eine Einnahmequelle zur Erhaltung der Mühle zu sichern. Das Reetkleid der Mühle wurde rundum erneuert. Sanitäre Anlagen für die Besucher wurden installiert. Holzteile wurden für eine längere Lebensdauer neu imprägniert oder ausgetauscht. Das Museum wurde am 28. Juni 1964 eröffnet. Bis heute kümmern sich ehrenamtliche Arbeitskräfte und Spender um den Erhalt der Amrumer Mühle.

Im September 2012 wurde die Mühle das erste Mal seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1771 demontiert. Mit Hilfe eines vom Festland eingeschifften Fahrzeugkranes wurden die Mühlenflügel sowie die rund zwölf Tonnen schwere Dachhaube abgenommen, um diese zu reparieren. Die Reparaturen waren durch schwere Beschädigungen nach einem Sturm im August 2011 erforderlich geworden. Das Unternehmen wurde größtenteils durch Spenden finanziert.[2]

Heutige Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heimatmuseum ist von April bis Oktober geöffnet. In seiner Ausstellung wird die Amrumer Geschichte sowie die Amrumer Flora und Fauna dargestellt. So gibt es Exponate zur Amrumer Inselbahn, zur Seenotrettung und zur Amrumer Kultur, etwa Friesentrachten. Regelmäßig stellen Künstler ihre auf Amrum oder auswärts geschaffenen Werke aus. Die Mühle dient darüber hinaus als Standesamt. Die Mühle ist bis heute funktionsfähig und wird gelegentlich betrieben; allerdings wird kein Korn mehr gemahlen. Die zum Betreiben der Mühle nötigen Vorrichtungen sind Teil des Museums und können ebenfalls besichtigt werden. Gewöhnlich stehen die Windmühlenflügel in X-Form („Schere“). Findet in Nebel eine Beerdigung statt, so werden die Mühlenflügel ins „Kreuz“ gedreht, das heißt, sie stehen senkrecht bzw. waagerecht. Die Amrumer Windmühle besitzt eine Windrose, die die Kappe über einen Gleit- und Drehkranz in den Wind dreht, so dass sich die Stellung der Windmühlenflügel verändert.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Amrumer Windmühle, Bertha, findet sich im Nebeler Ortsteil Süddorf. Sie stand einst auf der benachbarten Insel Sylt und wird heute als Wohnung genutzt. An ihrer Stelle hatte zuvor eine Bockwindmühle gestanden. Eine weitere Bockwindmühle stand in Norddorf am südöstlichen Ortsausgang.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Pörksen: Die Wahrzeichen der Insel Amrum. Breklumer Verlag, Breklum 1987, ISBN 3-7793-1119-4
  • Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle e.V.: 200 Jahre Amrumer Windmühle 1771–1971 – Wahrzeichen der Insel Amrum. Sonderausgabe des Christian Wolff Verlages, Flensburg 1971
  • Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle e.V.: 25 Jahre Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle. Breklumer Druckerei, Breklum 1989

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Amrumer Windmühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website der Landesregierung (Memento vom 26. März 2013 im Internet Archive), abgerufen am 24. März 2013
  2. Kinka Tadsen: Die Flügel sind gestutzt – Artikel über die Demontage der Amrumer Windmühle im Jahr 2012 auf amrum-news.de (mit Fotos; abgerufen am 10. September 2012)
  3. Georg Quedens: Amrum – Aus alter Zeit. Hansen & Hansen, Itzehoe ohne Jahrgang, S. 35

Koordinaten: 54° 38′ 55,2″ N, 8° 21′ 16,1″ O