Andreas Heege

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Andreas Heege (* 1957 in Wattenscheid) ist ein deutsch-schweizerischer Doppelbürger und Mittelalter- und Neuzeitarchäologe, der heute in der Schweiz lebt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heege absolvierte eine Ausbildung zum Prähistoriker mit den Schwerpunkten Neolithikum, Metallzeiten, Früh- und Hochmittelalter an den Universitäten Köln und Bonn (Professoren: Gernot Jacob-Friesen, Jens Lüning, Gerhard Bosinski, Hermann Schwabedissen, Wolfgang Taute und Volker Bierbrauer). Der Titel seiner Magisterarbeit lautete Grabfunde der Merowingerzeit aus Heidenheim-Großkuchen[1], jener seiner Dissertation Hambach 500. Villa rustica und früh- bis hochmittelalterliche Siedlung Wüstweiler (Gemeinde Niederzier), Kreis Düren.[2]

Berufliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langnauer "Hochzeitsschüssel" oder Schauessen, um 1800

Nach dem Studium arbeitete er als Assistent am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen[3] und als Stadtarchäologe in Einbeck, Niedersachsen. Er ist außerdem selbständiger Archäologe und wissenschaftlicher Autor (Firma „Archäo-Service“, Zug CH), tätig u. a. für Archäologie Schweiz, die Kantonsarchäologie Schaffhausen[4], die Kantonsarchäologie Zug[5] oder die Gemeinde Bäriswil. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Redakteur arbeitet er im Archäologischen Dienst des Kantons Bern,[6] Von 2011 bis 2014 war Heege wissenschaftlicher Mitarbeiter der Landesarchäologie des Fürstentums Liechtenstein[7] und dort zuständig für die Auswertung der Funde der Ausgrabung „Kirchhügel Bendern“, die mittlerweile publiziert vorliegen. Zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 1. Juni 2017 betreute er im Auftrag der Gemeinde Langnau im Emmental zusammen mit Andreas Kistler aus Bäriswil das Dokumentations- und Auswertungsprojekt "Langnauer Keramik". Ab dem 1. Januar 2015 folgte eine Auswertung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik des Bäderquartiers von Baden im Aargau im Auftrag der Kantonsarchäologie Aargau.[8] 2015/2016 bearbeitete er den gesamten Bestand deutschschweizerischer Keramik des Musée Ariana in Genf als Grundlage für die Ausstellung "Schnaps et Rösti".[9] Ab dem 1.6.2017 folgt eine Auswertung der Keramik der Hafnerei Lötscher in St. Antönien im Prättigau, Kanton Graubünden.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Heeges Forschungsschwerpunkten gehört die materielle Kultur vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Besonderes Interesse besteht für die Erforschung des Töpferhandwerks, der Töpferöfen und der Keramik in Deutschland und der Schweiz[10]. Daneben interessiert ihn die Erforschung des Alltagslebens und der Sachkultur im Mittelalter und der Neuzeit. Ein besonderes Interesse hat er an der Verknüpfung von archivalischen und archäologischen Informationen. Zu seinen Hobbys gehört die Erforschung der Tabakpfeifen (Tonpfeifen) in Deutschland[11] und der Schweiz sowie der Keramik aus Bäriswil, Langnau und St. Antönien im Prättigau.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Heege/Andreas Kistler, Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles - Collections du Musée Ariana, Genève - Keramik der Deutschschweiz, 17.-19. Jahrhundert - Die Sammlung des Musée Ariana, Genf, Mailand 2017.
  • Die Ausgrabungen auf dem Kirchhügel von Bendern, Gemeinde Gamprin, Fürstentum Liechtenstein. Bd. 2+3: Die Geschirrkeramik vom 12. bis 20. Jahrhundert. Vaduz 2016.
  • Von Meisterstücken, Ofenkacheln und Leitungsröhren – Die Hafner Aeschlimann in Burgdorf. Burgdorfer Jahrbuch 84, 2016, 19-48.
  • Keramik aus Langnau – Ein Zwischenbericht. Keramikfreunde der Schweiz, Bulletin Nr. 86, 2015, 6-12.
  • Springfederdekor. Zur Entstehung einer speziellen Dekortechnik im deutschen Sprachraum. Informationsblatt des Heimatvereins Preetz und Umgebung e.V. 23, 2016, 65-81.
  • Die Hafnereien Vögeli in der Burgdorfer Unterstadt, Burgdorfer Jahrbuch 83, 2015, 41-68.
  • Die Hafnerei Staub in Langenthal, Kanton Bern, 1730 bis 1870. In: Silvia Glaser (Hrsg.), Keramik im Spannungsfeld zwischen Handwerk und Kunst. Beiträge des 44. Internationalen Symposiums Keamikforschung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, 19.-23. September 2011. Nürnberg 2015, 125-145.
  • Keramische Fundmassen und Massenfunde. Bearbeitungsbeispiele aus Liechtenstein, Niedersachsen und dem Rheinland. Nikolaus Hofer (Hrsg.), Fachgespräch «Massenfunde-Fundmassen. Strategien und Perspektiven im Umgang mit Massenfundkomplexen». Fundberichte aus Österreich, Tagungsbände 2, Wien 2015, 43–51.
  • Die Tabakpfeifen. In: Christophe Gerber, Lara Tremblay, Suzanne Frey-Kupper u.a., Court, Pâturage de l’Envers, Volume 4: Le mobilier en verre, métal, pierre et autres matériaux. Bern 2015, 231-244, 369-371, 450-455.
  • Überlieferungs- und Fundumstände – Les hasards de la découverte. In: Erwin Baumgartner: Reflets de Venise, Gläser des 16. und 17. Jahrhunderts in Schweizer Sammlungen. Bern 2015, 278-279, 287-288.
  • Andreas Heege, Fours de potier du haut Moyen Âge en Allemagne, Suisse, Belgique, aux Pays-Bas et en Autriche. In: F. Thuillier, E. Louis (eds.) Tourner autour du pot… Les ateliers de potiers médiévaux du Ve au XIIe siècle dans l’espace européen. Publications du Centre de Recherches Archéologiques et Historiques Médiévales (CRAHAM). Turnhout 2015, 583-593.
  • Andreas Heege, Andreas Kistler und Leta Büchi, Langnau, Sonnweg 1 / Hinterdorfstr. 25. 164 Jahre Keramikproduktion. Archäologie Bern 2015, 161–176.
  • Marino Maggetti/Andreas Heege/Vincent Serneels, Technological Aspects of early 19th c. English and French white earthenware assemblage from Bern (Switzerland). Periodico di Mineralogia, Bd. 84, Heft 1, Rom 2015, 139-168.
  • Ein Kachelofen von Johann Jakob Grütter, Hafner aus Seeberg, und Johann Heinrich Egli, Ofenmaler aus Aarau, Burgdorfer Jahrbuch 81, 2014, 21–40.
  • Ein unbekanntes Musterbuch der ersten königlich württembergischen Steingutmanufaktur Schramberg (Uechtritz&Faist) aus der Zeit nach 1855. In: Harald Siebenmorgen, Blick nach Westen. Keramik in Baden und im Elsass. 45. Internationales Symposium Keramikforschung, Badisches Landesmuseum Karlsruhe 24.-28.9.2012, Karlsruhe 2013, 107–115.
  • Essigsäuli-Essigfässchen-baril à vinaigre-vinaigrier. Eine elsässische Keramik-Sonderform aus Steinzeug "Westerwälder Art". In: Harald Siebenmorgen, Blick nach Westen. Keramik in Baden und im Elsass. 45. Internationales Symposium Keramikforschung, Badisches Landesmuseum Karlsruhe 24.-28.9.2012, Karlsruhe 2013, 99–105.
  • Keramik im Elsass: Frühes Steinzeug, Steinzeug „Westerwälder Art“ und Irdenwaren mit Malhorndekor. In: Harald Siebenmorgen, Blick nach Westen. Keramik in Baden und im Elsass. 45. Internationales Symposium Keramikforschung, Badisches Landesmuseum Karlsruhe 24.-28.9.2012, Karlsruhe 2013, 73–97.
  • Craftmen’s Pottery kilns in Belgium, The Netherlands, Germany, Austria and Switzerland. In: Natascha Mehler, Historical Archaeology in Central Europe. Society for Historical Archaeology, Special Publication, Number 10, Rockville 2013, 279–294.
  • Ein Kachelofen von Johann Jakob Grütter, Hafner aus Seeberg, und Johann Heinrich Egli, Ofenmaler aus Aarau, Burgdorfer Jahrbuch 2013, 21–40.
  • Das Geheimnis der «Maske» vom Gutenberg. Denkmalpflege und Archäologie im Fürstentum Liechtenstein, Fund und Forschungsberichte 2011 (2012), 166–171.
  • Rauchzeichen über Helvetien. Zum Stand der Tonpfeifenforschung in der Schweiz unter besonderer Berücksichtigung des Kantons Bern. Journal of the Academie internationale de la pipe 4, 2011, 15–38.
  • Dekortechniken auf Ofenkeramik. In: Eva Roth Heege, Ofenkeramik und Kachelofen. Typologie, Terminologie und Rekonstruktion im deutschsprachigen Raum (CH, D, A, FL) mit einem Glossar in siebzehn Sprachen (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 39), Basel 2012, 68–99.
  • Drei neuzeitliche Grubeninventare von Jegenstorf, in: Archäologie Bern/Archéologie bernoise. Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern 2012, 159–196.
  • Kräuchis Chacheli und Öfen. Töpfe, Teller, Kachelöfen: Keramik aus Bäriswil (1758–1821). Alpenhorn-Kalender, Brattig für das Berner Mittel- und Oberland 2012, 136–142.
  • Keramik aus Bäriswil, Kanton Bern, Schweiz. Keramik und Technik. Internationale Fachtagung der ÖGM, 43. Internationales Symposium Keramikforschung. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 27, 2011, 65–72.
  • Materielle Kultur im Kanton Bern 1150-1350. Die wichtigsten Fundstellen und das Fundspektrum aus der Gerechtigkeitsgasse in Bern (nach 1191 und bis 1300). In: Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit SAM Archäologie Schweiz AS, Schweizerischer Burgenverein SBV, Siedlungsbefunde und Fundkomplexe der Zeit zwischen 800 und 1350. Akten des Kolloquiums zur Mittelalterarchäologie in der Schweiz, Frauenfeld 28.-29.10.2010, Basel 2011, 417–426.
  • Langenthal, St. Urbanstrasse 40–44. Die Hafner Staub und ihre Werkstatt. In: Archäologie Bern/Archéologie bernoise 2011. S. 209–288.
  • mit Andreas Kistler, Walter Thut: Keramik aus Bäriswil. Zur Geschichte einer bedeutenden Landhafnerei im Kanton Bern. (Schriften des Bernischen Historischen Museums 10), Bern 2011.
  • National Clay Pipe Summaries: Switzerland. In: Journal of the Académie internationale de La Pipe 2, 2010, S. 131–136.
  • Hohenklingen ob Stein am Rhein. Bd. 2 Burg, Hochwacht, Kuranstalt. Forschungen zur materiellen Kultur vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. (Schaffhauser Archäologie 9), Schaffhausen 2010.
  • Keramik um 1800. Das historisch datierte Küchen- und Tischgeschirr von Bern, Brunngasshalde. Bern 2010.
  • Steinzeug in der Schweiz (14.–20. Jh.). Ein Überblick über die Funde im Kanton Bern und den Stand der Forschung zu deutschem, französischem und englischem Steinzeug in der Schweiz. Bern 2009.
  • Töpferöfen im 15./16. Jahrhundert. Innovation oder Stagnation? In: Barbara Scholkmann, Sören Frommer, Christina Vossler u. a.: Zwischen Tradition und Wandel. Archäologie des 15. und 16. Jahrhunderts. Bd. 3 (Tübinger Forschungen zur historischen Archäologie), Büchenbach 2009, S. 181–190.
  • „Pipe de fer et de letton“ – Tabakpfeifen aus Eisen und Buntmetall. Zum Stand der Forschung in der Schweiz. In: Knasterkopf, 20, 2009, S. 19–55.
  • mit Armand Baeriswyl: Herzogenbuchsee, Finstergasse 8. Grabung 1994/95 und Bauuntersuchung der Kirchhofmauer 1999. In: Archäologie Bern 2008. Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, 2008, S. 149–180.
  • Töpferöfen – Pottery kilns – Four de potiers. Die Erforschung frühmittelalterlicher bis neuzeitlicher Töpferöfen (6.–20. Jh.) in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Basler Hefte zur Archäologie 4), Basel 2007 (2008).
  • Der letzte Töpferofen im Heimberg. In: Jahresbericht Schlossmuseum Thun, 2007, S. 27–37.
  • Die Keramik des frühen und hohen Mittelalters aus dem Rheinland. Stand der Forschung – Typologie, Chronologie, Warenarten. Archäologische Berichte Bd. 5, 1995. HOLOS. ISBN 3-86097-138-7. Online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grabfunde der Merowingerzeit aus Heidenheim-Großkuchen. (Materialhefte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 9), Stuttgart 1987.
  2. Hambach 500. Villa rustica und früh- bis hochmittelalterliche Siedlung Wüstweiler (Gemeinde Niederzier), Kreis Düren. (Rheinische Ausgrabungen 41), Köln/Bonn 1997.
  3. Seite des Seminars für Ur- und Frühgeschichte
  4. Kantonsarchäologie im Kanton Schaffhausen
  5. Kantonsarchäologie Zug
  6. archäologischer Dienst Kanton Bern
  7. http://www.llv.li/#/1809/archaologie Archäologie bei der Landesverwaltung Liechtenstein
  8. Kantonsarchäologie Aargau
  9. [1]
  10. Mittelalter und Neuzeit, eine Einführung in die Grundlagen. 2010. Link zum PDF
  11. www.knasterkopf.de