Andronikos II. (Byzanz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Andronikos II., Byzantinische Miniatur, Codex Graeca Monacensis 442, folio 6v., Bayerische Staatsbibliothek München

Andronikos II. Palaiologos (griechisch Ἀνδρόνικος Β’ Παλαιολόγος, * 1259/1260 in Nikaia; † 13. Februar 1332 in Konstantinopel) war byzantinischer Kaiser von 1282 bis 1328. Er war der älteste Sohn des Kaisers Michael VIII.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andronikos widerrief die von seinem Vater mit Rom geschlossene kirchliche Verbindung, leitete eine Steuerreform ein und reduzierte den Umfang des Heeres, um der Wirtschafts- und Finanzkrise des Reiches Herr zu werden. Der folgende Verfall der wiederaufgebauten Flotte führte dazu, dass sein Reich weniger als jemals zuvor in der Lage war, den Herausforderungen der Rivalen Venedig und Genua Paroli zu bieten. Andronikos versuchte die militärische Schwäche durch ein umfassendes Bündnissystem auszugleichen, in das er Serben, Bulgaren und Osmanen einbezog, geriet so aber in starke Abhängigkeit von Genua. Nach langen Vorbereitungen wurde die Verehelichung der fünfjährigen Tochter Andronikos II. Simonida Palaiologina mit dem Serbischen König Stefan Uroš II. Milutin am 19. April 1299 mit einer feierlichen Zeremonie in Thessaloniki begangen.[1] Milutin bestand auf einer wirklichen Hochzeits-Zeremonie, die eine Überschreitung kanonischer Gesetze erforderte, da das Alter an dem ein Mädchen frühestens heiraten durfte 12 Jahre betrug. Indes musste der serbische König einige wichtige Konzessionen machen, unter denen die totale und unmissverständliche Union mit dem Byzantinischen Imperium als bedeutsamste betrachtet wird.[2] Diese Konzession wurde unmittelbar nach der Zeremonie sowie in den Jahrzehnten danach, durch konstant und sorgsam wiederholte kaiserliche Edikte bestätigt: „Weil der höchste König (kralis) von Serbien und der geliebte Bruder und Schwiegersohn meines Imperiums, Herrscher Stephan Uroš zur Vereinigung mit meinem Kaiserreich gekommen ist…[3]“ so wurde diese Union ein Schlüsselereignis, das das Serbische Reich definitiv in die endgültige Sphäre Byzanz beförderte sowie am Beginn der Bildung des Großserbischen Reiches steht.[4][5]

Während seiner Regierungszeit eroberten die Osmanen unter ihrem namensgebenden Sultan Osman I. das byzantinische Kleinasien nahezu vollständig. Andronikos holte Roger de Flor zu Hilfe, dessen als Almogàvers bekannte Truppe aus Aragonesern und Katalanen die Türken schlagen konnte. Da Roger aber schon bald als mögliche Gefahr für die kaiserliche Macht betrachtet wurde, wurde er 1305 von Andronikos’ Sohn und Mitregenten Michael (der manchmal als Michael IX. bezeichnet wird, obwohl er nie eigenständig regierte) ermordet. Seine Männer, die Katalanische Kompanie, erklärten Andronikos den Krieg und verwüsteten bis 1311 weite Teile Thrakiens und Makedoniens. Sie eroberten Theben (das dabei völlig zerstört wurde) und das Herzogtum Athen.

Innenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andronikos gelang es 1310, den lange schwelenden Arsenitenstreit zu beenden. Die Blüte von Kunst und Wissenschaft in den Jahren seiner Herrschaft werden in der älteren Forschung als „Palaiologische Renaissance“ bezeichnet; tatsächlich handelt es sich mehr um eine intensive kulturelle Nachblüte der kulturellen Wiederbelebungen Michaels VIII. nach der Rückeroberung Konstantinopels (1261).

Seit 1321 führte Andronikos einen Bürgerkrieg gegen seinen Enkel Andronikos III. Er wurde 1328 zur Abdankung gezwungen und starb vier Jahre später.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Andronikos II. heiratete 1273 Anna von Ungarn, eine Tochter des Königs Stephan V. von Ungarn, die ihren Namen als Kaiserin beibehielt. Sie hatten zwei Söhne:

1284 heiratete er Yolande von Montferrat, eine Tochter des Markgrafen Wilhelm VII. von Monferrat, die den Namen „Irene“ annahm. Sie hatten folgende Kinder:

Das Paar lebte seit 1303 getrennt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angeliki E. Laiou: Constantinople and the Latins. The Foreign Policy of Andronicus II 1282–1328. Harvard University Press, Cambridge MA 1972, ISBN 0-674-16535-7.
  • Donald M. Nicol: The Despotate of Epiros 1267–1479. A contribution to the history of Greece in the middle ages. Cambridge University Press, Cambridge 1984, ISBN 0-521-26190-2.
  • Alexios G. Savvides, Benjamin Hendrickx (Hrsg.): Encyclopaedic Prosopographical Lexicon of Byzantine History and Civilization. Band 1: Aaron – Azarethes. Brepols Publishers, Turnhout 2007, ISBN 978-2-503-52303-3, S. 248–250.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vlada Stanković: Rethinking the Position of Serbia within Byzantine Oikoumene in the Thirteenth Century. In: Vlada Stanković (Hrsg.): The Balkans and the Byzantine World before and after the captures of Constantinople, 1204 and 1453. (Byzantium: a European empire and its legacy). Lexington Books, Lanham 2016, ISBN 978-1-4985-1325-8, S. 91–102.
  2. Vlada Stanković 2016, S. 97.
  3. Actes des Chilandar. I, no. 18, S. 174.
  4. Vlada Stanković 2016, S. 97.
  5. Leonidas Mavromatis: La fondation de la Empire Serbe. Le Kralj Milutin. Centre for Byzantine Studies, Thessaloniki 1979.
Vorgänger Amt Nachfolger
Michael VIII. Kaiser von Byzanz
1282–1328
Andronikos III.