Anlauttabelle

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Die Anlauttabelle ist eine Buchstaben-Tabelle mit Bildern zum Schreiben- und Lesen-Lernen (Schrift-Sprach-Erwerb). Der Erfolg der Methode ist umstritten.[1]

Anlaut-Tabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Anlaut-Tabelle werden möglichst alle typischen (bedeutungsunterscheidenden) Laute (Phoneme) einer Sprache schriftlich (also mit Hilfe der den Lauten zugeordneten Buchstaben/Graphemen) zusammen mit einem Anlaut-Bild aufgeführt. Neben jedem Laut ist mindestens ein Objekt abgebildet, dessen Name mit diesem Laut beginnt. Gibt es für einen Buchstaben mehrere Möglichkeiten der Aussprache, so werden in der Regel beide Möglichkeiten durch zwei unterschiedliche Bilder dargestellt, zum Beispiel ein „Ente-Bild“ neben dem Schriftzeichen „E“ für das kurz ausgesprochene ​[⁠ɛ⁠]​, ein „Esel-Bild“ für das lang ausgesprochene []. Der Schüler kann sich mit Hilfe einer Anlaut-Tabelle das Schriftbild eines Wortes Laut für Laut zusammensetzen. Im Umgang mit der Anlauttabelle erfahren die Kinder, wie Sprache verschriftet wird. Sie lernen die Laut-Buchstaben-Zuordnung, die Zerlegung eines Wortes in seine Lautbestandteile und die lauttreue Verschriftung. Beim Schreiben mit der Anlauttabelle verbinden die ABC-Schützen das Hören von Lauten mit der Veranschaulichung von Zeichen (Graphem|Grapheme). Die Kinder experimentieren mit Buchstaben und Lauten und erschließen sich so die Schrift und letztlich auch das Schreiben und Lesen. Das Wissen über die lautliche Struktur der Sprache, das heißt die Fähigkeit, Anlaute, Inlaute, Auslaute zu erkennen, aus Lauten ein Wort zu bilden (Wort-Synthese) oder ein Wort in seine Laute zu zerlegen (Wort-Analyse), fördert bei Kindern Sprach- und Phonologische Bewusstheit.

Als zentrales Arbeitsmittel findet die Anlauttabelle Verwendung in der Lernmethode „Lesen durch Schreiben“ (entwickelt vom Pädagogen Jürgen Reichen). Die Kinder schreiben dabei mit Hilfe der Anlauttabelle von Anfang an eigene Wörter und sollen so mit der Zeit auch das Lesen lernen.

Bereits im Jahr 1658 fügte Johann Amos Comenius seinem „Orbis sensualium pictus“ eine Anlauttabelle bei. Jedem Buchstaben ist darin das Bild eines Tieres zugeordnet, das den entsprechenden Laut von sich gibt. Dadurch machte er die Tabelle international einsetzbar.

Orbis pictus: Alphabet (A bis M) Orbis pictus: Alphabet (N bis Z)
Orbis pictus: Alphabet (A bis M) Orbis pictus: Alphabet (N bis Z)

Für den Schriftspracherwerb an Vor- und Grundschulen sind Anlauttabellen wie die folgenden im Gebrauch:

Anlauttabelle gross   Anlauttabelle klein

Anlaut-Tastatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlaut-Tastatur Gio-Key-Board

Mittlerweile gibt es für Kinder „sprechende“, multimediale Text-Verarbeitungs-Programme mit integrierter „Anlaut-Tabellen-Tastatur“ für die Texteingabe. Auch auf den Tastatur-Tasten von Lern-Computern für Kinder sind oftmals Anlaut-Bilder zu finden. Daneben gibt es bebilderte PC-Standard-Tastaturen bei denen auf jeder Buchstabentaste Piktogramme abgebildet sind, die den Anlaut repräsentieren. Mit Hilfe von Abziehbildern oder Aufklebern lässt sich aus jeder normalen Computer-Tastatur eine „Anlaut-Tastatur“ herstellen.

Anlaut-Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Anlaute  Häufig verwendete Anlaut-Wörter bzw. Anlaut-Bilder in Anlauttabellen
 A Affe, Ameise, Ampel, Apfel, Apfelsine, Arzt, Ast
 B Bagger, Bahnhof, Ball, Banane, Bank, Baum, Bär, Biene, Blume, Buch
 C Circus, Clown, Computer
 D Dach, Dackel, Delphin, Dino, Domino, Dose, Drachen
 E Elefant, Ente, Esel
 F Fahrrad, Fahne, Fass, Feder, Fenster, Ferkel, Fisch, Fuchs
 G Gabel, Geige, Giraffe, Gitarre, Glas, Gras
 H Hahn, Hand, Hase, Haus, Hemd, Hexe, Honig, Huhn, Hund, Hut
 I Igel, Indianer, Insel
 J Jacke, Jäger, Jaguar, Jo-Jo, Junge
 K Käfer, Kamel, Känguru, Katze, Kerze, Kirsche, Knopf, Koch, König, Kuchen, Kuh, Krankenhaus, Krokodil 
 L Lama, Lampe, Lehrer, Leiter, Libelle, Licht, Lineal, Löffel, Löwe, Lupe
 M Maus, Messer, Micky-Maus, Mond, Muschel, Mütze
 N Nadel, Nase, Nashorn, Nest, Netz, Nuss, Nutella
 O Obst, Ofen, Oma, Omnibus, Opa, Ordner, Osterhase
 P Paket, Palme, Papagei, Pilz, Pinguin, Pinsel, Post, Pulli
 Q Qualle, Quelle
 R Rad, Radio, Rakete, Regenschirm, Reh, Ritter, Roller, Rose
 S Säge, See, Sofa, Sonne
 T Tasse, Telefon, Tiger, Tisch, Topf, Traktor, Turm
 U Ufo, Uhr, Uhu, Unfall, Unterhemd, Unterhose
 V Vase, Verband, Vogel
 W Wal, Wald, Wasser, Wolke, Werkstatt, Würfel, Wurm
 X Xaver, Xylophon
 Y Yacht, Yak, Yeti, Yo-Yo, Ypsilon
 Z Zange, Zaun, Zebra, Zelt, Ziege, Zitrone, Zoo, Zug
 Ä Ähre, Äpfel, Ärmel
 Ö Öfen, Öl, Ölsardine
 Ü Überholverbot, Überraschungsei
 AU Auge, Auto
 CH Chinese, Chinesisch, Christbaum
 EI Ei, Eichhörnchen, Eidechse, Eis, Eisberg
 EU Eule, Euro
 PF Pfanne, Pfau, Pferd, Pfeil
 QU Qualle, Quelle, Qualm
 SCH Schaf, Schere, Schiff, Schuh
 SP Sparschwein, Speer, Spiegel, Spinne
 ST Star, Stein, Stern
Auslaute Häufig verwendete Auslaut-Wörter bzw. Auslaut-Bilder in Anlauttabellen
 ...ch Buch
 ...er Leiter
 ...ng Ring
 ...ß Fuß
 ...ie Knie
Inlaute Häufig verwendete Inlaut-Wörter bzw. Inlaut-Bilder in Anlauttabellen
 ...ie Biene

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F. Bross: Anlauttabellen – Segen oder Fluch im Schriftspracherwerb? In: Kritische Ausgabe. Zeitschrift für Germanistik & Literatur, 30, 2016, S. 108-117.
  • G. Thomé: Über die Konzeption von Anlauttabellen. Oder: Schreiben wir mit Buchstaben? In: H. Brüggelmann, H. Balhorn, I. Füssenich (Hrsg.): Am Rande der Schrift. Zwischen Sprachenvielfalt und Analphabetismus. Libelle, Lengwil am Bodensee 1995, S. 299–305.
  • G. Thomé: Möglichkeit und Grenzen der Arbeit mit Anlauttabellen. In: R. Valtin (Hrsg.): Rechtschreiben lernen in den Klassen 1–6. Grundlagen und didaktische Hilfen. Grundschulverband – Arbeitskreis Grundschule, Frankfurt a.M. 2000, S. 116–119.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Anlauttabelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rafaela Bredow, Veronika Hackenbroch: Die neue Schlechtschreibung. In: Der Spiegel. Nr. 25, 2013, S. 96–104 (online).