Annette Heinbokel

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Annette Heinbokel (* 6. Juli 1948 in Scharnhorst, Verden) ist eine deutsche promovierte Diplom-Pädagogin. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Hochbegabung von Schulkindern und Jugendlichen.[1] Für ihre stetige (Öffentlichkeits-)Arbeit und Forschung in diesem Bereich wurde ihr 1999 das Bundesverdienstkreuz verliehen.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annette Heinbokel wurde 1948 in Scharnhorst, einem Ortsteil der Stadt Verden in Niedersachsen, geboren. Nach dem Abitur nahm sie in Göttingen das Studium der Fächer Englisch und Geographie für das Lehramt an Realschulen auf. Ab 1972, nach einem Jahr als Assistant Teacher in Sheffield, war sie als Lehrerin im Schuldienst des Landes Niedersachsen tätig. Mitte der 1970er Jahre trat sie das Pädagogikstudium an der Universität Osnabrück an und schloss dieses 1984 mit dem Diplom ab. 1995 promovierte sie in derselben Fachrichtung. In beiden Abschlussarbeiten beschäftigte sie sich primär mit Hochbegabung bei Kindern. Bis zum Jahr 2004 hatte sie einen Lehrauftrag der Universität Osnabrück inne. 2002 bis 2004 war sie Beraterin für Hochbegabung bei der Bezirksregierung Weser-Ems.[1]

Nach dem Ruhestand gründete Annette Heinbokel das Institut für Enrichment und Akzeleration, das sich der Beratung und Fortbildung von Eltern und Lehrkräften im Umgang mit hochbegabten Kindern zur Aufgabe macht.[2] Seit den 1970er Jahren nimmt sie regelmäßig an internationalen Fachkongressen unterschiedlicher Organisationen u. a. als Delegierte für Deutschland teil.[3] Zudem ist sie seit 2004 Herausgeberin des englischsprachigen Newsletters des European Council for High Ability (ECHA).[1]

Annette Heinbokel beschäftigt sich darüber hinaus mit der Hochbegabung von Mädchen[4] und hält auch in diesem Zusammenhang Vorträge.[5]

Hochbegabung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Annette Heinbokel 1967 als Au-pair nach London ging, kam sie mit dem Thema Hochbegabung in Berührung. Zum einen durch den hochbegabten Sohn der Gastfamilie und zum anderen durch die Mitgliedschaft dessen Eltern in der damals neu gegründeten National Association for Gifted Children (NAGC, heute Potential Plus). Im Laufe der Jahre stieg ihr Interesse an der Thematik, sodass sie 1975 diesbezüglich Beratung und Fortbildungen für Lehrkräfte und Eltern anbietet.[1] Die zum damaligen Zeitraum kaum vorhandene Literatur im deutschsprachigen Raum, wenige Informationen zu hochbegabten Kindern generell und vor allem ihr Schüler Martin[1], der als sogenannter „hochbegabter Schulversager“ galt, ließen sie zudem treibende Kraft hinter der Gründung der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. (DGhK) werden.[6]

Bewährte Methoden in der Begabtenförderung sind die pädagogischen Modelle Enrichment und Akzeleration. Während Ersteres im Schulalltag eher zum Tragen kommt und eine Vertiefung des Lernstoffes beinhaltet, ist, nach Heinbokel, Zweiteres das effektivere Modell, welches ein schnelles Vorankommen durch das Schulsystem fördert.[2] Sie war eine der ersten Personen, die zum Überspringen von (Schul-)Klassen (Akzeleration) geforscht hat. So änderte Niedersachsen 1995 den Erlass zum Überspringen von Schulklassen (-stufen) und zitierte als Begründung ihre Dissertation.[7] Demzufolge übersprangen in den 1980er Jahren noch ca. 300 Schüler ihre Klasse, während es nach dem Erlass in den 1990er Jahren bereits 1.900 waren.[7]

Annette Heinbokel widmete sich in ihrer Forschung zudem gesondert hochbegabten Mädchen. Sie stellte fest, dass diese nicht nur unterrepräsentiert sind, sondern sich zum Teil stark im Verhalten zu hochbegabten Jungen unterscheiden.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1999 bekam Annette Heinbokel das Bundesverdienstkreuz (Verdienstkreuz am Bande) für ihre Arbeit und Forschung zu hochbegabten Kindern verliehen:

„Sie gilt als Wegbereiterin für die Belange hochbegabter Kinder und ist national und international als kompetente Beraterin gefragt. Seit mehr als 20 Jahren tritt die Mitbegründerin der Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. für die Interessen dieser Kinder ein.“[1]

Ehrungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Institut für Enrichment & Akzeleration - Biografie. Abgerufen am 13. August 2022.
  2. a b Institut für Enrichment & Akzeleration - Willkommen. Abgerufen am 13. August 2022.
  3. Biennial WCGTC World Conference. In: World Council for Gifted and Talented Children. Abgerufen am 13. August 2022 (englisch).
  4. a b Institut für Enrichment & Akzeleration - Hochbegabte Mädchen. Abgerufen am 12. August 2022.
  5. Vortrag: Hochbegabte Mädchen. In: belladonna Bremen. Abgerufen am 13. August 2022 (deutsch).
  6. ZEIT ONLINE | Schwer ist es begabt zu sein. Abgerufen am 12. August 2022.
  7. a b Überspringen einer Klasse in Niedersachsen. (PDF) Abgerufen am 13. August 2022.