Lehrbeauftragter

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Ein Lehrbeauftragter (LB) ist eine Person, die an einer Hochschule Lehrveranstaltungen hält und gelegentlich auch als Prüfungsvorsitzende tätig sind, ohne dafür in der Regel in einem Beschäftigungsverhältnis mit dieser Hochschule zu stehen.[1] Der Lehrbeauftragte wird deshalb in den meisten Fällen auf Honorarbasis vergütet oder verrichtet seine Tätigkeit unentgeltlich. Im amerikanischen Sprachgebrauch wird vom Adjunct Professor gesprochen.

Rechtsstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lehrbeauftragte hat im Unterschied zu Professoren oder akademischen Räten kein Beamtenverhältnis und im Unterschied zu wissenschaftlichen Angestellten bzw. künstlerischen Angestellten kein Angestelltenverhältnis mit der Hochschule. Er ist normalerweise selbständig und freier Mitarbeiter der Hochschule.[2] Die freie Mitarbeiterschaft kann als öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis zum Hochschulträger ausgestaltet sein (z.B. im Land Baden-Württemberg, vgl. § 56 Abs. 2 S. 2 LHG BaWü, und im Freistaat Bayern, vgl. Lehrauftrags- und Lehrvergütungsvorschriften für die staatlichen Hochschulen[3]).

Je nach Eignung und der Maßgabe regelungstechnischer Vorschriften (Landeshochschulgesetz) kann ein Lehrbeauftragter nach einer mehrjährigen Tätigkeit zum Honorarprofessor ernannt werden. In der Praxis dekorieren sich jedoch die Universitäten mit Personen aus der Politik und Wirtschaft, um den Ruf des Lehrkörpers aufzuwerten.

Die Anforderungen an Lehrbeauftragte können je nach Land variieren, ein abgeschlossenes Hochschulstudium ist aber regelmäßig Pflicht.[4]

Derzeitige Entwicklung und wirtschaftliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprüngliche Zweck von Lehrbeauftragten war es, Dozenten aus der beruflichen Praxis zu gewinnen, um das Lehrangebot der hauptberuflich Lehrenden der Hochschulen sinnvoll zu ergänzen. Lehrbeauftragte erhielten die Chance, sich zu profilieren.

Es ist seit langem üblich geworden, dass Hochschulinstitute einen Stamm an bewährten Lehrbeauftragten haben. Der Lehrbetrieb an Hochschulen könnte ohne die Lehrangebote ihrer Lehrbeauftragten oft nicht garantiert werden.

Im Jahr 2005 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts über 49.000 Lehrbeauftragte in Deutschland. Laut GEW übernimmt diese Gruppe an Universitäten bis zu neun, an Fachhochschulen sogar zwischen 25 und 50 Prozent der Lehrveranstaltungen. Besonders extrem ist dieses Verhältnis an Musikhochschulen.[5]

Unter anderem haben Etat-Kürzungen an den Hochschulen dazu geführt, dass Lehrbeauftragte auch eingesetzt werden, um Kosten zu sparen. Die Vergütung liegt meist erheblich unter der Bezahlung hauptamtlich Lehrender. Dies ist insbesondere bedenklich, da nach einer Studie über die Arbeits- und Lebenssituation von Lehrbeauftragten[6] 46 % der Lehrbeauftragten in Berlin angaben, dass Lehraufträge für sie die Haupteinnahmequelle darstellen.

Lehrbeauftragte sind normalerweise selbständig. Im Gegensatz zu Beamten oder Angestellten im Lehrbetrieb müssen sich Lehrbeauftragte daher selbst im vollen Umfang krankenversichern und sich eine Alterssicherung selbst aufbauen. Hierbei ist zu beachten, dass selbständige Lehrbeauftragte in der Regel in der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 2 SGB VI pflichtversichert sind, ihre Beiträge jedoch vollständig selbst entrichten müssen. Ebenso fehlen die Arbeitnehmern und Beamten zustehenden Rechte, wie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder Erholungsurlaub oder ein Kündigungsschutz.[7] Der Lehrauftrag kann jederzeit „gekündigt“[8] werden; auch bei langjähriger Tätigkeit gibt es keinen Kündigungsschutz. Der Lehrbeauftragte haftet für sich und seine Tätigkeit selbst mit ggf. eigener Haftpflicht- und Unfallversicherung.

2011 forderte der Kunsthochschulbeirat NRW bessere Bedingungen für Lehrbeauftragte. Die Vergütung sei seit 2002 nicht mehr angehoben worden; ihre Erhöhung vordringlich und unabdingbar.[9]

Derzeitige Entlohnung

An den wissenschaftlichen Hochschulen des Landes Schleswig-Holstein werden für Lehraufträge pro unterrichteter Stunde 16,46 € bis 29,05 € an alle diejenigen gezahlt, die ein abgeschlossenes Studium vorweisen können, aber noch nicht habilitiert sind. Für diejenigen, die habilitiert sind, werden 28,22 € bis 51,98 € gezahlt. Mit der Lehrtätigkeit ggf. zusammenhängende Tätigkeiten wie Vorbereitung des Unterrichts, individuelle Anleitungen, Korrekturen, Teilnahme an Prüfungen, Konferenzen und dergleichen sind mit der Vergütung abgegolten.[10] Das bedeutet, dass ein Lehrbeauftragter für die Übernahme einer zusätzlichen Lehrveranstaltung im Umfang von 2 Semesterwochenstunden für die komplette Lehrveranstaltung inklusive Vorbereitung etc. etwa 500 Euro im Semester erhält. Ein Professor erhält für die gleiche Tätigkeit bis zu 1500 Euro.[11]

Teilweise wird die Lehre nicht vergütet.[12]

Vertretung in Hochschulgremien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrbeauftragte sind in den Hochschulgremien nicht mit Sitz und Stimme vertreten, da sie keine wissenschaftlichen oder künstlerischen Beschäftigten (Angestellte oder Beamte) der Hochschule sind. Nicht maßgeblich ist, dass sie nach den jeweiligen Landeshochschulgesetzen Hochschulangehörige bzw. in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Hochschulträger (z.B. dem Land Baden-Württemberg, vgl. § 56 Abs. 2 S. 2 LHG BaWü) stehen, verantwortlich angehende Akademiker ausbilden und evaluiert werden. Damit sind sie von der Hochschulselbstverwaltung ausgeschlossen. Das wird teilweise als Demokratiedefizit kritisiert.

Interessenvertretungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schwierige Situation vieler Lehrbeauftragter führte in den letzten Jahren dazu, dass diese verstärkt ihre Interessen gegenüber der Politik, den Hochschulen und der Öffentlichkeit artikulieren. Die Bildungsgewerkschaft GEW setzt sich auch für die Interessen der Lehrbeauftragten ein. Mittlerweile gibt es Interessenvertretungen an einer Reihe von Hochschulen. Dies gilt speziell für die Lehrbeauftragten an Musikhochschulen und für die Sprachlehrbeauftragten, die inzwischen auch über bundesweite Vertretungen verfügen (Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (BKLM)[13] bzw. Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten (BKSL)[14]). In rechtlicher Hinsicht ist dieser Bereich besonders komplex und wirkst in den Ländern unterschiedlich gehandhabt. In NRW wird beispielsweise kein Honorar bezahlt, sondern ein sozialabgabenpflichtiges Entgelt, welches im Rahmen des Lehrauftrages konstant für 12 Monate festgelegt wird.

Lehrbeauftragte in anderen Bereichen der Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch an allgemeinbildenden Schulen wird Personal, das meistens eingestellt wird, um Lücken, die durch das Stammpersonal nicht gedeckt werden können, zu schließen, als Lehrbeauftragter bezeichnet. Lehrbeauftragte an allgemeinbildenden Schulen sind ähnlich wie in der Hochschule in der Regel nicht verbeamtet und arbeiten entweder als Angestellte der Schule oder auch freiberuflich.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine besondere Ausnahme bilden die Lehrbeauftragten an Musikhochschulen, die auch als Prüfungsvorsitzende eingesetzt werden und in diesem Zusammenhang als Weisungsnehmer in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers eingebunden sind (vgl.SGB IV, 7). In NRW wird dieses Beschäftigungsverhältnis als eine nichtselbständig Tätigkeit behandelt und es werden dafür Steuern und Sozialabgaben vom zuständigen Landesamt abgeführt.
  2. Im NRW-Erlass vom 5.5.1981 (S.5, Fußnote), der rechtlichen Grundlage von Lehraufträgen an NRW-Musikhochschulen, sind diese Lehraufträge als eine "abhängige Tätigkeit" definiert.
  3. Freistaat Bayern: Lehrauftrags- und Lehrvergütungsvorschriften für die staatlichen Hochschulen vom 3. November 2008
  4. vgl. bspw. für Bayern: Art. 31 I 4 BayHSchPG i.V.m. Art. 7 I 1 Nr. 1 BayHSchPG
  5. In einer Stellenausschreibung einer halben Mittelbaustelle (LfbA Musiktheorie zum WS 2017/18) der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf wird darauf hingewiesen, dass die dortigen 850 Studierenden von 45 haupt- und nebenberuflichen Professoren und mehr als 200 Lehrbeauftragten unterrichtet werden. Der Umfang dieser Lehraufträge liegt in sehr vielen Fällen bei 10 Semesterwochenstunden.
  6. Ergebnisse Umfrage Berliner Lehrbeauftragte - Studie des Institut für Soziologie der FU Berlin und der GEW BERLIN 2006 http://www.gew-berlin.de/6564.htm
  7. Die zuvor genannten Regelungen gelten nur bedingt für die Lehrbeauftragten an Musikhochschulen in NRW, zumal es hier auch eine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bis zu einem Umfang von 6 Wochen gibt. Die Steuern und Sozialabgaben werden hier vom Landesamt abgeführt.
  8. Die Hochschulen benutzen hier eine andere Ausdrucksweise und sprechen in diesem Zusammenhang davon, dass der Lehrauftrag ggf. nicht verlängert wird. Die Beendigung der Tätigkeit sei zwar im umgangssprachlichen Sinne aber nicht in rechtlicher Hinsicht eine Kündigung. In der deutschen Rechtsprechung wird momentan die Frage diskutiert, ob Lehrbeauftragte nicht genauso schutzbedürftig sind wie andere Mitarbeiter. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtes des Köln sei deshalb für Lehrbeauftragte die europäische Rechtsprechung anzuwenden
  9. RP vom 12. Mai 2011, Seite A7
  10. § 101 HSG i. d. F. vom 4. Mai 2000 – GVOBl. Schl.-H. S. 416
    Erlass des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur vom 16. April 2002 – III 241 – 3172.61
  11. Erlass des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur vom 26. Juni 1997 – III 2901 – 3172.33
  12. ARD-Kultur
  13. BKLM
  14. BKSL
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