Anny von Hamburg

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Anny von Hamburg p1
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
SchwedenSchweden Schweden
andere Schiffsnamen

Anny (1914–1925)
Hanna (1925–1936)
Kurt Both (1936–1957)
Ringö (1957–1980)

Schiffstyp Schoner
Bauwerft C. Lühring, Hammelwarden
Indienststellung 1914
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
38,0 m (Lüa)
28,0 m (Lpp)
Breite 6,95 m
Tiefgang max. 2,65 m
Maschinenanlage
Maschine Deutz-Hilfsmotor
Maschinen-
leistung
280 PS (206 kW)
Takelung und Rigg
Takelung Gaffeltakelung
Anzahl Masten 3
Segelfläche 520 m²

Anny von Hamburg ist ein Dreimastschoner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde 1914 als Anny auf der Werft C. Lühring in Hammelwarden an der Unterweser zusammen mit sieben Schwesterschiffen als Frachtsegler aus Eisen gebaut. Die 28 Meter langen und 6,95 Meter breiten Fahrzeuge waren als reine Gaffelschoner getakelt, also ohne Rahen. Am Vormast kann jedoch an einer losen Rah eine Breitfock gefahren werden. Die Besegelung besteht aus drei großen Gaffelsegeln, den dazugehörigen Gaffeltopsegeln, ferner aus vier Vorsegeln, nämlich Stagfock, Klüver, Außenklüver und Jager, sowie einem Flieger zwischen Vor- und Großmast, woraus sich eine Segelfläche von etwa 520 Quadratmetern ergibt. Die Masten sind aus gewachsenem Holz.

Seine erste Reise segelte das Schiff nach Sankt Petersburg. Dort wurde es aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs beschlagnahmt und lag für die nächsten Jahre als Wohnschiff für Kadetten im Hafen fest. Nach Kriegsende wurde der Frachtsegler nach Deutschland zurückgeführt.

Für den Eigner Walter Richter aus Hamburg wurde der Frachtsegler 1925 unter dem neuen Namen Hanna mit verkleinerter Takelage und einem Zweitaktmotor der Hanseatischen Werke in Bergedorf mit 120 PS umgebaut. 1936 erhielt der Schoner unter dem neuen Eigner Max Both den neuen Namen Kurt Both und der Heimathafen wurde Glückstadt.

Während des Zweiten Weltkriegs fuhr er zwischen Bremen und Helgoland, um Zement für die Befestigung der Insel zu transportieren; später ging er in die Trampfahrt nach Skandinavien. 1940 entstand aus dem Dreimaster ein Anderthalbmaster mit einem neuen, 150 PS starken Viertaktmotor der Deutschen Werke in Kiel. 1950 wurde die Kurt Both auf der Werft Fritz Frank in Hamburg-Wilhelmsburg um acht Meter verlängert. Nach Entfernung des Bugspriets 1952 bei Hugo Peters in Beidenfleth war aus dem Schoner endgültig ein Motorschiff geworden. Nach knapp 32 Jahren wurde das Schiff 1957 aus dem Hamburger Schiffsregister gelöscht. Es war zum Preis von 230.000 DM an Oscar Abrahamsson & Söhne in Edshullshall, Schweden, verkauft worden, für die es als Ringö fuhr. 1963 wurde es vom Finnen Paul Grönquist erworben, der es weitere 16 Jahre als Kümo auf der Ostsee betrieb.

1980 entdeckte Jörn Deistler, Geschäftsführer der Germania Schiffahrt GmbH, Hamburg, das Schiff als Ringö im Hafen von Karlskrona. Der ehemalige Gaffelschoner war teilausgebrannt und hatte sein Aussehen völlig verändert. Nur Dank alter Baupläne der Lühring-Werft machte es Sinn, über eine originalgetreue Restaurierung nachzudenken. Nach einer abenteuerlichen Überführungsreise auf eigenem Kiel wurde das Schiff wieder als Anny in das Schiffsregister seines alten Heimathafens Hamburg (Rufzeichen DANY) eingetragen.

Unter Aufsicht des Germanischen Lloyd wurde der Rumpf in Glückstadt bei der Brockmüller-Werft auf das alte Maß gekürzt und in ursprünglicher Form erneuert, das Rigg wurde von Michael Kiersgaard in Svendborg in Dänemark nach den alten Plänen gebaut und getakelt. Das Innenleben des Schiffes wurde gründlich überholt. Es wurde eine neue 280-PS-Deutz-Hauptmaschine als Flautenschieber eingebaut sowie zwei 50-PS-Perkins-Hilfsdiesel für die Stromversorgung. Für die sichere Navigation wurden Radar, Satellitennavigation, Echolot und andere moderne Navigationsgeräte installiert. Im früheren Laderaum wurden bei der Asmus-Werft, Glückstadt, im Stil der Zeit, jedoch mit modernem Komfort, ein repräsentativer Salon, fünf Doppelkabinen mit eigenem Bad und WC sowie geräumige Besatzungsunterkünfte eingebaut.

Der heutige Eigner ist ein Reeder aus Norddeutschland.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otmar Schäuffelen: Die letzten großen Segelschiffe. Verlag Delius Klasing, Bielefeld 1994, ISBN 3-7688-0860-2, S. 13.