Anschlag (Klavier)

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Der Anschlag beim Klavier bezeichnet die Art und Weise, mit der ein Pianist die Klaviertaste anschlägt oder anschlagen soll, um eine bestimmte klangliche Qualität zu erzielen.

Der Anschlag der Taste wird durch die Mechanik des Klavieres und mittels des Hammers auf die Saite übertragen. Er lässt sich in Stärke und Geschwindigkeit differenzieren. Dabei können unterschiedliche Klangparameter wie Lautstärke, Bildung und Klangverlauf von Obertönen sowie die Abklingdauer beeinflusst werden. Es gibt zahlreiche spieltechnische Möglichkeiten, durch geeignete Bewegungen der Finger, der Hand, des Armes oder sogar des ganzen Oberkörpers den gewünschten Einfluss auf den Anschlag und damit auf den Klang zu erzielen.

Man unterscheidet die Anschlagsarten auch nach den vier grundsätzlichen Artikulationstypen legato, non legato, portato und staccato. Für besondere Effekte, wie sie etwa die Jazzmusik erfordert, sind entsprechende Abweichungen von traditionellen Anschlagsweisen nötig. Für das Glissando z. B. streicht der Pianist mit der Rückseite eines oder mehrerer Finger einer Hand über eine Reihe von weißen oder schwarzen Tasten.

Die Vielfalt der Anschlagsmöglichkeiten ist auch ein wichtiger Unterschied zu anderen Tasteninstrumenten wie der Orgel oder dem Synthesizer. Gute Digitalpianos zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich bemühen, den Anschlag möglichst genau zu erfassen und klanglich umzusetzen. Das Verfahren ist nahezu bei jeder Marke in folgende zwei Unterstufen unterteilt: Erstens die Übersetzung der mechanischen Bewegung in das MIDI-Protokoll (dabei wird zwischen 128 verschiedenen Anschlagsstärken unterschieden) und zweitens die Umsetzung dieser Information in den entsprechenden Klang. Der erste Teil dieser Übersetzung ist mit heutiger Hard- und Software recht gut umsetzbar (doch auch hier gibt es Hersteller mit neuen Ideen und anderen Konzepten), beim zweiten jedoch haben die großen japanischen Hersteller von Digitalpianos wie Yamaha, Casio, Roland oder Kawai jeweils eigene Techniken entwickelt, bis hin zur Simulation des vollständigen Bewegungsablaufes vom Finger über den Hammer bis zur Saite (bei Yamahas Silent Piano). Aber auch Roland hat mit seinem 2009 erschienenen V-Piano diese Entwicklung in eine neue Dimension gerückt, indem hier der komplette Klang live durch Simulation der physikalischen Vorgänge beim echten Klavier berechnet wird und nicht mehr auf Samples, wie bis dahin üblich, basierte.

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