Anwärter auf den schottischen Thron

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Dieser Artikel listet die Anwärter auf den schottischen Thron auf, die im Jahr 1290 Anspruch auf den Thron des Königreichs Schottland erhoben. Der als Schiedsrichter auftretende englische König Edward I. setzte eine Kommission ein, die sich für John Balliol entschied.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach dem plötzlichen Tod von Alexander III. im Jahr 1286 gab es im Königreich Schottland keinen männlichen Thronfolger. Den Thron sollte deshalb Margarete, die dreijährige Enkelin des verstorbenen Königs, besteigen. Bis Margarete in Schottland gekrönt werden konnte, führten sechs Guardians die Regierungsgeschäfte und vereinbarten im Vertrag von Salisbury am 6. November 1289, dass Margarete bis zum 1. November 1290 in Schottland ankommen sollte.[1] Zusätzlich wurde mit dem englischen König Edward I. der Vertrag von Northampton geschlossen, der die Ehe von Margarete und seinem Sohn Edward vereinbarte.[2] Doch sie erreichte Schottland nie, da sie am 26. September 1290 während der Überfahrt auf Orkney starb.[3]

Die Konkurrenten[Bearbeiten]

Stammbaum

Bis Ende September 1290 gab es keinen unmittelbaren Thronanwärter. Allerdings gab es zahlreiche entfernte Verwandte, die theoretisch einen Anspruch geltend machen konnten. Insgesamt gab es 13 Anwärter auf den schottischen Thron:

  1. Florens V., Graf von Holland: Ur-ur-ur-ur-Enkel von König David I.
  2. Patrick de Dunbar, 7. Earl of Dunbar: Ur-ur-Enkel von König Wilhelm I.
  3. William de Vesci, Baron de Vesci: Urenkel von König Wilhelm I.
  4. William de Ros, 2. Baron de Ros: Ur-ur-Enkel von König Wilhelm I.
  5. Robert de Pinkeney: Angeblicher Ur-ur-ur-Enkel von König David I.
  6. Nicholas de Soules: Urenkel von König Alexander II.
  7. Patrick Galithly: Ur-ur-ur-Enkel von König Wilhelm I.
  8. Roger de Mandeville: Ur-ur-ur-Enkel von König Wilhelm I.
  9. John II. Comyn, Lord of Badenoch: Ur-ur-ur-ur-Enkel von König Donald III.
  10. John de Hastings, 2. Baron Hastings: Ur-ur-ur-Enkel von König David I.
  11. John Balliol: Ur-ur-ur-Enkel von König David I.; er beanspruchte die Primogenitur aufgrund der direkten Blutsverwandtschaft
  12. Robert Bruce, 5. Lord of Annandale: Ur-ur-Enkel von König David I.; er herrschte während der Minderjährigkeit von Alexander III. als Regent, berief sich auf das Tanistry-Recht und die Blutsverwandtschaft mit dem verstorbenen König
  13. Erik II., König von Norwegen, Vater der Königin Margarete von Schottland und Schwiegersohn von König Alexander III.

Lösung[Bearbeiten]

Da die Bewerber sich nicht einigen konnten, nach welchem Recht sie den Nachfolger auf den schottischen Thron bestimmen sollten, entschlossen sich die Guardians, den englischen König Edward I. zum Schiedsrichter zu berufen.[1] Schon bald wurden die unterschiedlichen Sichtweisen zur Rolle Edwards I. deutlich. Während die Schotten, allen voran die Guardians, ihn mehr als einen neutralen Schiedsrichter sahen, versuchte Edward durch diese Rolle seinen Einfluss in Schottland auszudehnen. Nach einer Prüfungsphase, in der schon mehrere Bewerber von ihrem Anspruch zurücktraten, blieben am Ende nur noch wenige übrig. Am 3. August 1291 nahm ein Gremium von 104 Personen in Berwick-upon-Tweed die Arbeit auf. 24 Personen wurden von Edward benannt, jeweils 40 von Robert Bruce und John Balliol.[4]

Am 17. November 1292 bestimmte das Gremium John Balliol zum neuen König von Schottland.[5] Dieser wurde jedoch bereits vier Jahre später abgesetzt. 1306 folgte Robert the Bruce auf den Thron, der Enkel von Robert Bruce, 5. Lord of Annandale.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets: Die englischen Könige im Europa des Mittelalters (1100–1500). Kohlhammer, 2003, ISBN 3-17-014488-X, S. 171–173.
  • Stewart Ross: Monarchs of Scotland. Lochar Publishing, 1990, ISBN 0-948403-38-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets: Die englischen Könige im Europa des Mittelalters (1100–1500). Kohlhammer, 2003, ISBN 3-17-014488-X, S. 171.
  2. A. A. M. Duncan: Margaret [ the Maid of Norway] (1282/3–1290). Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004 gesehen am 24. Februar 2012
  3. Powicke & Fryde: Handbook of British Chronology. Second Edition, London, 1961, S. 56.
  4. Dieter Berg: Die Anjou-Plantagenets: Die englischen Könige im Europa des Mittelalters (1100–1500). Kohlhammer, 2003, ISBN 3-17-014488-X, S. 172.
  5. G. W. S. Barrow: Competitors for the throne of Scotland (act. 1291–1292). Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press. gesehen am 24. Februar 2012