Margarete (Schottland)

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Margarete

Margarete (auch Jungfrau von Norwegen; englisch Margaret, Maid of Norway; * wohl 9. April 1283 in Tønsberg; † um den 26. September 1290 bei den Orkney-Inseln), von Geburt norwegische Prinzessin, wurde 1286 als dreijähriges Kind zur schottischen Königin proklamiert, starb aber bereits vier Jahre später auf der Reise von Norwegen nach Schottland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margarete war die einzige Tochter des norwegischen Königs Erik II. und dessen erster Ehefrau, Margrete, Prinzessin von Schottland.[1] Über ihre Mutter, die im April 1283 wahrscheinlich bei ihrer Geburt im Alter von nur 22 Jahren starb, war sie auch Enkelin König Alexanders III. von Schottland. In dem am 25. Juli 1281 geschlossenen Ehevertrag ihrer Eltern war u. a. festgelegt worden, dass für den Fall, dass ihr Großvater Alexander III. und dessen Söhne ohne legitime Erben stürben, ihre Mutter oder eines von deren eventuellen Kindern auf den schottischen Thron folgen würde.[2] Nachdem im Januar 1284 mit Alexander das letzte Kind Alexanders III. verschieden war, lud Letzterer seine hohen Adligen zu einem am 5. Februar 1284 in Scone abgehaltenen Treffen, auf dem Margarete als Thronerbin für den Fall anerkannt wurde, dass weder der schottische König Nachwuchs aus einer etwaigen zweiten Ehe noch sein jüngst verstorbener Sohn Alexander ein postumes Kind hinterlassen würden.[3]

Nach dem plötzlichen Tod Alexanders III. (19. März 1286) versammelten sich die schottischen Magnaten und Prälaten in Scone, um sechs Guardians of Scotland zu wählen, die dann die Regentschaft über das Königreich für den rechtmäßigen Erben ausüben sollten. Damals bestand die Annahme, dass die zweite Gattin und nunmehrige Witwe Alexanders III., Jolanda von Dreux, schwanger sei, sodass die Nachfolge der erst dreijährigen Margarete zunächst nicht sicher schien. Vielleicht hatte Jolanda eine Fehlgeburt, eine Scheinschwangerschaft oder sie täuschte – laut einer zweifelhaften englischen Behauptung – eine Schwangerschaft auch nur vor, jedenfalls bekam sie kein überlebendes Kind, sodass daraufhin Margarete schottische Thronerbin wurde. Daneben erhoben aber auch zwei mächtige Adlige, Robert Bruce, 5. Lord of Annandale (Großvater des späteren Robert I.) und John Balliol, Anspruch auf den Thron.

Im Mai 1289 sandte Margaretes Vater Erik II., der die Frage der Reise seiner Tochter nach Schottland vorantreiben wollte, Botschafter mit Briefen, in denen sie als Königin bezeichnet wurde, zum damals in der Gascogne befindlichen englischen König Eduard I. Dieser sah eine Chance, seinen eigenen Einfluss in Schottland auszudehnen und wollte seinen Sohn, den Prince of Wales und späteren König Eduard II., mit Margarete verheiraten, für welche Verbindung er auch bei Papst Nikolaus IV. um eine Dispens ersuchte. Ohne Einbeziehung der Schotten verhandelten Erik II. und Eduard I. weiter, bis sich der englische König im Oktober 1289 in Salisbury zu Gesprächen mit Robert Bruce und einigen schottischen Guardians traf. Die Schotten waren in einer schwachen Position, da Erik für die Verheiratung seiner Tochter nicht die Zustimmung der Guardians brauchte. Diese unterzeichneten daher am 6. November 1289 den Vertrag von Salisbury, durch den die Entsendung Margaretes nach Schottland vor dem 1. November 1290 und der Aufschub jeglicher Absprache ihrer Verheiratung bis nach ihrer Ankunft in Schottland vereinbart wurden. Zehn Tage nach dem Abschluss dieses Vertrags gab der Papst die Dispens für die Ehe zwischen Margarete und dem englischen Thronfolger Eduard, allerdings vorbehaltlich der schottischen Zustimmung.[4]

Im März 1290 übersandte Eduard I. offiziell das Angebot, seinen Sohn Eduard (II.) mit Margarete zu vermählen, und versicherte gleichzeitig, die Unabhängigkeit Schottlands zu respektieren. Dieses Versprechen wiederholte er im mit den Guardians ausgehandelten Vertrag von Birgham vom 18. Juli 1290, in dem die Hochzeit zwischen dem Prince of Wales und Margarete vereinbart wurde, da sich die schottischen Großen angesichts einer möglichen Union beider Reiche unter dem künftigen englischen König um die Eigenständigkeit ihres Landes Sorgen machten. Als bald darauf die Zeit für Margaretes Abreise aus Norwegen kam, bestätigte Eduard I. den Vertrag von Birgham noch einmal am 28. August 1290 in Northampton. In Yarmouth ließ er ein mit 40 Seeleuten bemanntes und mit großen Lebensmittelvorräten versehenes Schiff zur Abholung Margaretes ausrüsten. Margarete schiffte sich darin in Bergen in Begleitung zweier norwegischer Bischöfe ein und nahm durch die Nordsee Kurs auf Schottland. Doch während der Überfahrt erkrankte sie und starb kurz darauf Ende September 1290 bei den Orkneys.[5]

Nach der Meinung des schottischen Historikers Archibald Alexander McBeth Duncan sei Margarete, weil sie nie gekrönt wurde, nur „Lady of Scotland“, aber keine Königin gewesen,[6] welche Meinung aber umstritten ist. Mit Margaretes Tod erlosch das Haus Dunkeld. Ihre sterblichen Überreste wurden nach Bergen überführt und im Chor der dortigen Christkirche (Kristkirken) neben ihrer Mutter beigesetzt. In den zwei folgenden Jahren gab es nicht weniger als 13 Anwärter auf den schottischen Thron. Erneut wurde Eduard um Vermittlung gebeten. Seine Versuche, die Herrschaft über Schottland an sich zu reißen, führten zum ersten schottischen Unabhängigkeitskrieg.

Im Jahr 1300 behauptete eine von Lübeck nach Norwegen gereiste Frau, die sogenannte „falsche Margarete“, die Tochter Eriks II. zu sein; sie sei nicht während der Überfahrt verstorben, sondern ins Deutsche Reich verkauft worden. Håkon V., der 1299 seinem Bruder Erik II. als norwegischer König gefolgt war, ließ diese Frau 1301 als Betrügerin nahe Bergen bei lebendigem Leib verbrennen und ihren Gatten enthaupten.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edmund B. Fryde u.a.: Handbook of British Chronology. CUP, Cambridge 2003, ISBN 0-521-56350-X, Seite 56 (Nachdr. d. Ausg. London 1961).
  2. A. A. M. Duncan, The Kingship of the Scots 842–1292: Succession and Independence (2002), ISBN 0-7486-1626-8, S. 166.
  3. A. A. M. Duncan, The Kingship of the Scots 842–1292: Succession and Independence (2002), S. 169ff.; W. Hunt, DNB, Supplementband 1901, S. 139.
  4. A. A. M. Duncan, The Kingship of the Scots 842–1292: Succession and Independence (2002), S. 178-183; Richard Oram, The Canmore Kings: Kings and Queens of the Scots, 1040–1290 (2002), ISBN 0-7524-2325-8, S. 109.
  5. A. A. M. Duncan, ODNB, Bd. 36, S. 636; W. Hunt, DNB, Supplementband 1901, S. 139f.; Dieter Berg, Die Anjou-Plantagenets, 2003, ISBN 3-17-014488-X, S. 171.
  6. A. A. M. Duncan, ODNB, Bd. 36, S. 636.
  7. W. Hunt, DNB, Supplementband 1901, S. 140.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Alexander III. König von Schottland
1286–1290
John Balliol