Aortenklappenstenose
Die Aortenklappenstenose, meistens verkürzt Aortenstenose genannt, ist eine angeborene oder erworbene Einengung des Ausflusstraktes der linken Herzkammer und gehört zu den häufigsten primären Herzklappenerkrankungen.

Man unterscheidet:
- die angeborene Aortenstenose (subvalvulär, valvulär oder supravalvulär)[1]
- die durch Entzündungen (Endokarditis), Fehlbildungen oder degenerative Prozesse erworbene Aortenklappenstenose
- die angeborene hypertrophe Kardiomyopathie mit dynamischer Obstruktion (sog. HOCM – hypertroph-obstruktive Kardiomyopathie), die sich im Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenalter manifestieren kann
Angina pectoris, Synkope und Dyspnoe sind bei Aortenstenose wichtige Leitsymptome, die vor allem bei Belastung[2] und bei einer Öffnungsfläche der Aortenklappe von unter 0,8 cm² auftreten können. Ein Anstieg der Herzfrequenz führt zu einem Abfall des Schlagvolumens, aber tendenziell zu einer Zunahme des Herzzeitvolumens.[3] Weitere Symptome sind eine blasse Gesichtsfarbe und ein niedriger Blutdruck mit verkleinerter Amplitude (Pulsdruck). Bei der Auskultation des Brustkorbs über dem Herzen ist ein meist lautes (bei der Phonokardiographie auch „spindelförmiges“) systolisches Geräusch, das nach dem häufig abgeschwächten 1. und vor dem meist ebenfalls abgeschwächten 2. Herzton auftritt, bis über der Aortenregion bis zu den Karotiden fortgeleitet wahrzunehmen. Öfter ist auch ein 4. Ton als Extraton zu hören.[4]
Stadien der Aortenklappenstenose
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Stadium | Beschreibung | Definition | Prognose | Therapie |
|---|---|---|---|---|
| A | Drohende Stenose | Aortenklappensklerose oder bikuspidale Klappe. Vmax < 2 m/sec | Risiko eines Herzinfarktes oder eines kardiovaskulären Todes innerhalb von fünf Jahren um 50 % erhöht | Primäre Prävention |
| B | Progrediente Stenose | Vmax 2 bis 3,9 m/sec oder Druckgradient 20 bis 39 mmHg | Hämodynamische Verschlechterung | Primäre Prävention und engmaschige Kontrolle |
| C1 | Asymptomatische schwere Stenose bei normaler Funktion des linken Ventrikels | Vmax ≥ 4 m/sec | 50–80 % der Patienten werden innerhalb von drei Jahren symptomatisch | Engmaschige Kontrolle, Klappensersatz diskutieren |
| C2 | Asymptomatische schwere Stenose bei Ejektionsfraktion < 50 % | Vmax ≥ 4 m/sec, Druckgradient ≥ 40 mm Hg | Normalisierung der Ejektionsfraktion nach Klappensersatz | Klappensersatz |
| D1 | Symptomatische, schwere, hochgradige Stenose | Vmax ≥ 4 m/sec, Druckgradient ≥ 40 mm Hg, reduzierte Klappenbeweglichkeit | 50 % nach einem Jahr, 70–80 % nach zwei Jahren ohne Therapie | Klappensersatz |
| D2 | Symptomatische, schwere Stenose mit niedrigem Gradienten und Ejektionsfraktion < 50 % | Aortenklappenfläche ≤ 1 cm², Vmax < 4 m/sec, Ejektionsfraktion < 50 % oder Vmax ≥ 4 m / sec, jede Flussrate | Sterberisiko 80 % innerhalb von zwei Jahren ohne Therapie. 40 % Sterblichkeit mit Klappensersatz | Klappensersatz |
| D3 | Symptomatische, schwere Stenose mit niedrigem Flow, niedrigem Gradienten und normaler Ejektionsfraktion | reduzierte Klappenbeweglichkeit, Aortenklappenfläche ≤ 1 cm², Vmax < 4 m/sec, Ejektionsfraktion ≥ 50 % | Sterberisiko 50–70 % innerhalb von zwei Jahren ohne Klappenersatz | Klappensersatz |
Vmax: höchste Fließgeschwindigkeit durch die Aortenklappe
Ejektionsfraktion: Auswurfleistung des linken Ventrikels
Druckgradien: Druckdifferenz vor und hinter der Aortenklappe
Die erste transaortale Sprengung einer Aortenstenose führte 1950 Charles P. Bailey durch. Zwei Jahre später wurde von ihm erstmals der transventrikuläre Zugang zur instrumentellen Sprengung einer valvulären Aortenstenose angewendet.[7]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernd Michael Balletshofer, Rainer Haasis (Hrsg.): Herz und Gefäße. Thieme, Stuttgart 2006, ISBN 3-13-141131-7. S. 59ff.
- Thomas Cissarek, Knut Kröger, Frans Santosa, Thomas Zeller (Hrsg.): Gefäßmedizin: Therapie und Praxis. ABW Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-936072-89-1. S. 81 ff.
- Wolfgang Gerok, Christoph Huber, Thomas Meinertz, Henning Zeidler (Hrsg.): Die Innere Medizin: Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer Verlag, 2007, ISBN 978-3-7945-2222-4.
- Klaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. Thieme, Stuttgart 1955; 10., neubearbeitete Auflage ebenda 1986, ISBN 3-13-352410-0, S. 168–173, 178 f. und 196 f.
- Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York u. a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 245–257.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Alexander M. Sattler: Fallbuch Kardiologie und Angiologie. Thieme, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-13-141811-1. S. 84f.
- ↑ Balletshofer et al.: Herz und Gefäße. S. 61
- ↑ Reinhard Larsen (1999), S. 246–250.
- ↑ Klaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. 1986, S. 168–173 und 178 f.
- ↑ Catherine M. Otto, Bernard Prendergast: Aortic-Valve Stenosis — From Patients at Risk to Severe Valve Obstruction. In: New England Journal of Medicine. Band 371, Nr. 8, 21. August 2014, ISSN 0028-4793, S. 744–756, doi:10.1056/NEJMra1313875 (nejm.org [abgerufen am 18. Dezember 2025]).
- ↑ Rick A. Nishimura, Catherine M. Otto, Robert O. Bonow, Blase A. Carabello, John P. Erwin, Robert A. Guyton, Patrick T. O’Gara, Carlos E. Ruiz, Nikolaos J. Skubas, Paul Sorajja, Thoralf M. Sundt, James D. Thomas: 2014 AHA/ACC Guideline for the Management of Patients With Valvular Heart Disease. In: Journal of the American College of Cardiology. Band 63, Nr. 22, Juni 2014, S. e57–e185, doi:10.1016/j.jacc.2014.02.536 (elsevier.com [abgerufen am 18. Dezember 2025]).
- ↑ Friedrich Wilhelm Hehrlein: Herz und große Gefäße. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen: Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 164–185, hier S. 174, 176 und 182.