Apion

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Apion, dessen Name von der gräzisierten Form der altägyptischen Bezeichnung „Apis“ abgeleitet war, wirkte im ersten nachchristlichen Jahrhundert als Zeitgenosse von Plinius als alexandrinischer Grammatiker, Literat und Homerphilologe. Er ist heute vor allem durch seine antijüdischen Texte bekannt, auf die Josephus in seiner Schrift Contra Apionem (Gegen Apion) reagierte.[1]

Leben und Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apion scheint für sein umfassendes Wissen und seine rhetorische Begabung außerordentlich geschätzt worden zu sein. Seine Zeitgenossen stimmen aber auch in der Ablehnung seiner prahlerischen Selbstgefälligkeit überein. So erklärte er etwa, dass jeder, den er in seinen Schriften erwähnt, unsterblich würde. Er zählte sich zu den größten Philosophen des alten Griechenland und sagte, dass Alexandria stolz sein müsse, einen Mann wie ihn unter ihren Bürgern zu haben.[2] Von seinen Werken blieb jedoch kein einziges erhalten.

Apion war Anführer der alexandrinischen Gesandtschaft, die im Jahr 40 n. Chr. bei Kaiser Caligula vorsprach. Inhaltlich ging es um den Streit hinsichtlich des Status' der alexandrinischen Juden. Bei dieser Gelegenheit hielt Apion eine gegen die Juden gerichtete Rede (λόγος κατὰ Ἰουδαίων), die wohl als Auszüge seiner fünfbändigen Aigyptiaka entnommen wurden.[1] So beachtlich die hohe Zitierquote von Apion in der Antike auch ist, die inhaltliche Qualität seiner „unterhaltenden Werke“ unterlag jedoch gravierenden historischen Mängeln, die wahrscheinlich dafür verantwortlich waren, dass keine Apion-Texte in den späteren Jahrhunderten überliefert wurden.

Die nicht mehr erhaltenen fünfbändigen Aigyptiaka beinhalteten im dritten und vierten Buch viele, teils abstruse judenfeindliche Äußerungen. Eine umfassende Kenntnis über Apion besaß Josephus nicht, da er sich ausschließlich auf die judenfeindlichen Äußerungen konzentrierte; so behauptete Apion, dass die Juden wegen körperlicher Gebrechen aus Ägypten vertrieben worden seien, dass Moses aus Heliopolis stamme, erklärte den Sabbat auf eine absurde Weise usw. Apion erhob auch den ersten Vorwurf eines jüdischen Ritualmords („im Tempel zu Jerusalem werde jährlich ein Grieche geopfert“). Die „Legende des Ritualmordes“ entspricht inhaltlich dem schon vorher bekannten „Busiris-Mythos“, dessen Ausführungen Apion auf das Judentum übertrug. Laut Josephus war Apion auch der Urheber der später auch von Tacitus übernommenen Verleumdung, nach der die Juden die Eselsverehrung praktizierten.

Beurteilung seiner Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt waren Apions Äußerungen so unhaltbar, dass ihm Josephus einen Mangel an Bildung und einen „marktschreierischen“ Duktus vorwarf (Gegen Apion II. 3). Apion wurde durch Josephus’ Gegenschrift Gegen Apion, die eine Apologie des Judentums und nicht in erster Linie eine Widerlegung Apions darstellt, zum Typus des Judenfeindes.

Zu unterscheiden sind in diesem Zusammenhang die Termini Antisemitismus und Antijudaismus. Apions antike Judenfeindschaft ist nicht mit dem neuzeitlichen Verständnis des Antisemitismus zu vergleichen, der sich auf die Rassenlehre bezieht, die in der damaligen Epoche jedoch nicht existierte. Vielmehr bezieht sich Apions Judenfeindlichkeit auf die „elitären Riten“ des Judentums. Flavius Josephus umschrieb jene Problematik mit den Worten „Unser Volksstamm aber blieb rein“.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Folker Siegert: Flavius Josephus: Über die Ursprünglichkeit des Judentums . S. 25.
  2. Plinius, Naturgeschichte Praef. Und 30.6
  3. Folker Siegert: Über die Ursprünglichkeit des Judentums, Bd. 1. S. 51.