Ardenner (Pferd)

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Ardenner (Pferd)
Etalon race ardennaise 1.jpg
Wichtige Daten
Ursprung: Belgien, Frankreich
Hauptzuchtgebiet: Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweden
Verbreitung: gering
Stockmaß: 155–162 cm
Farben: Fuchs, Braune, Rappen, Schimmel, Roan
Haupteinsatzgebiet: Land- und Forstwirtschaft, Fleischgewinnung
Cheval ardennais

Der Ardenner ist ein sehr massiges Kaltblutpferd aus den Ardennen, das heute in erster Linie als Schlachtpferd, aber auch als Zugtier gezüchtet wird.

Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Körperbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ardenner hat einen trockenen und edlen Kopf mit geradem[1] oder leicht geramsten[2] Profil, lebhaften Augen, kleinen Ohren, weiten Nüstern und breiter, flacher Stirn.[3] Der Hals ist mittellang, gut angesetzt[3], muskulös und breit[1] und entspringt in einer schräg gelagerten[3], mächtigen[1] Schulter. Bei Hengsten wird eine ausgeprägte Oberhalswölbung gewünscht.[3] Der Ardenner besitzt eine breite und tiefe Brust.[3] Der ausgeprägte Widerrist verschwindet meist in der ausgeprägten Muskulatur geht in einen kurzen und kräftigen Rücken[1], der eine gute Sattellage und eine stabile Lendenpartie besitzt[3], über. Die leicht abschüssige Kruppe ist kaltbluttypisch stark bemuskelt und gespalten, gelegentlich sehr kurz.[1] Das kräftige Fundament steht korrekt und ist mit klar markierten, starken Sehnen, kräftigen und trockenen Gelenken (bei stark vom Brabanter beeinflussten Exemplaren weniger, die Gelenke wirken hier eher schwammmig[3]), ausgeprägten Kötenbehang bestückt[3] sowie kurzen Fesseln[1] bestückt. Die harten und widerstandsfähigen Hufe bestehen aus dunklem und gesundem Horngebilde.[3]

Stockmaß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stockmaß beträgt bei Hengsten etwa 1,58 bis 1,62 m, aber nicht mehr als 1,66 m betragen. Stuten besitzen eine Widerristhöhe von circa 155 - 160 cm.[3]

Farbgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Ardenner gibt es als Braunen, Fuchs oder Rappen, aber auch als Rapp- Braun oder Fuchsschimmel. Rassetypisch sind kleine Abzeichen am Kopf und nicht allzu zahlreich und groß auftretende Beinabzeichen.[3]

Gewicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ardenner wiegt etwa 800 - 1000 Kilogramm, Schlachtpferde auch mehr.[2]

Bewegungslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden taktreine und raumgreifende Gangarten gewünscht[3], außerdem freie Bewegungen[2].

Schritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schritt wird fleißig und mit deutlichem Abfußen gewünscht.[3] Außerdem bewegt sich der Ardenner in dieser Gangart energisch und trittsicher.[1]

Trab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Trab soll sich der Ardenner schwungvoll und mit deutlichem Abfußen bewegen[3]. Überraschend ist die hohe Brillanz des Ardenners in dieser Gangart.[1]

Galopp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ardenner soll über eine schwungvolle Galoppade verfügen.[3]

Interieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ardenner sind zuverlässig, freundlich und robust und gelten trotz des massigen Körpers als sehr agil und lebhaft. Sie wurden früher vor allem in der Landwirtschaft als kräftige Zugpferde eingesetzt, heute wird der Ardenner vor allem als Mastpferd mit gutem Fleischansatz gezüchtet.[4] Seit einiger Zeit werden sie auch als Rückepferde im Forst eingesetzt.[5]

Zuchtgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ardenner gilt als eines der ältesten Pferde in Frankreich. Die römischen Legionen schätzten den Ardenner ebenso wie die Ritter des Mittelalters und Napoleons Artillerie. In den Zeiten der Kreuzzüge und zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurden orientalische Blutlinien eingekreuzt, um leichtere Armeepferde zu erhalten. Im 19. Jahrhundert wurden Brabanter eingekreuzt, um den Bedarf an schweren Zugpferden zu decken. Neben den heute noch vorwiegend in Belgien, Luxemburg, Frankreich und Schweden gezüchteten schweren Typen gibt es auch Bestrebungen, einen leichteren Sport-Typ durch Einkreuzen von Arabern zu erreichen, den Aratel.[6] Die Rasse ist vom Aussterben bedroht.[7]

Ein Ardenner-Stutbuch existiert in Frankreich seit 1908, in Luxemburg seit 1921 und in Belgien seit 1926.

Aus dem Ardenner entstanden auch die heute kaum mehr bekannten Rassen Trait du Nord, Auxois, Schweden-Ardenner und Pfalz-Ardenner.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ardennais – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Jasper Nissen: Enzyklopädie der Pferderassen. Europa, Band 2. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1997, ISBN 3-440-07137-5, S. 297–302.
  2. a b c Martin Haller: Der neue Kosmos-Pferdeführer. 3. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09059-0, S. 155.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o Zuchtprogramm für die Rasse Ardenner (Trait Ardennais/ Cheval de Trait Ardennais) des Bayerischen Zuchtverbandes für Kleinpferde und Spezialpferderassen e. V. (PDF) Abgerufen am 11. April 2021.
  4. Elwyn Hartley Edwards: Pferderassen. BLV Verlagsgesellschaft, München 2003, ISBN 3-405-15983-0, S. 222.
  5. Pferdestärke statt Maschinenkraft. In: Tageblatt Lëtzebuerg. 10. Juli 2017, abgerufen am 16. April 2020.
  6. Maria Costantino: Handbuch Pferderassen. Bassermann Verlag, München 2005, ISBN 3-8094-1773-4, S. 92–93.
  7. WimS: Ardenner Pferde als Nutztiere. In: ARD Mediathek. 3. Juni 2019, abgerufen am 16. April 2020 (Video).