Zugtier

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Güterverkehr mit einem Holzwagen mit zwei Kühen und einem Pferd, Schwarzwald 1924
Rentierschlitten, Russland 1900
Kühe in Anspannung um 1920 im Erzgebirge

Ein Zugtier oder Arbeitstier ist ein Nutztier zum Verrichten von ziehenden Transportarbeiten. In Mitteleuropa wurden meist Rinder, vor allem Kühe angespannt, wobei sich dies negativ auf die Milchleistung auswirkte. Lediglich auf größeren Gütern im weiträumigen Flachland wurden Pferde zur Arbeit herangezogen, so gab es beispielsweise Anfang des 20. Jahrhunderts 3,4 Millionen Zugrinder, davon 2,4 Millionen Kühe, und 2,7 Millionen Zugpferde in der Landwirtschaft Deutschlands. Von Kleinhändlern und zum Transport geringer Lasten wurden Hunde vorgespannt.

In anderen Gebieten werden auch die regionalen Haustierarten wie Esel, Maulesel oder Maultier genutzt. Um Lasten zu bewegen kommen jedoch auch Rind, Wasserbüffel, Yak, Lama, Trampeltier oder Dromedar, sowie Elch und Ren als Zugtier in Frage. Besondere Leistungen bringen Elefanten als Zug- und Transporttier auf.

Gezogen wird mittels Zuggeschirre und Spannvorrichtungen mit Seilen oder Ketten, die von der Tierart und deren Körperbau beeinflusst wird. Eingesetzt werden Zugtiere für den Ackereinsatz bei landwirtschaftlichen Geräten, wie dem Pflug. Die Transportgeräte können sich rollend bewegen lassen, wie Wagen, Pferde- und Ochsenkarren. Im Schnee kommen Schlitten zum Einsatz, und beim Holztransport beispielsweise Schleifen für Baumstämme, hier spricht man auch von Rücketieren. Zugtiere wurden auch zum Treideln von Kähnen und Booten eingesetzt.

Die Zugleistung eines Tieres übertrifft seinen Einsatz als Tragtier um das mehrfache. Hunde könnten als die ältesten Zugtiere betrachtet werden, da sie weit vor anderen Tierarten domestiziert wurden. Als erstes Großtier kamen wohl Rinder vor dem Pflug zur Anwendung, gebietsweise und im Mittelalter vor allem von ärmeren Bauern nur die Kuh. Erst spät wurden Rinder als Zugtiere durch Pferde ergänzt. Im Jahr 1797 wurde der Umzug der Druckerei des Verlegers Göschen von Leipzig nach Grimma mit ihren Pressen, Papiervorräten, Möbeln und Setzkästen mit Bleilettern mit 17 Wagen bewältigt, die von jeweils vier Ochsen gezogen wurden.[1] Zugpferde, die sich zum Einsatz vor einer Kutsche eignen und speziell dafür gezüchtet wurden, werden Karossierpferde genannt. In den Anfangszeiten des Schienenverkehrs wurden im 19. Jahrhundert häufig Pferde für den öffentlichen Personennahverkehr als Zugtiere für Pferdebahnen eingesetzt. In vielen Städten existierende Pferdeomnibus-Linien wurden durch motorbetriebene Omnibusse verdrängt. Zugtiere werden auch zur Bewegung eines Rundgang-Göpels eingesetzt, so für den Betrieb von Bewässerungs- oder Mühlenanlagen.

In der westlich industrialisierten Landwirtschaft wurden Zugtiere fast überall durch die Motorisierung verdrängt. Verblieben sind Sportarten wie der Fahrsport, touristische Fuhrbetriebe, wie die Fiaker in Wien und autofreie Ferienorte (Herrenchiemsee, Hiddensee, Spiekerooger Inselbahn). In der naturnahen Waldwirtschaft werden wieder vermehrt Rückepferde zum Holzrücken eingesetzt.[2][3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Erhard Fischer: Göschen und Seume, in Reihe: Menschen und Orte, Edition A. B. Fischer, Berlin 2015, S. 15 ISBN 3-937434-07-0
  2. Vergleich Rückepferd Seilschlepper, BfN 2009
  3. Starke Pferde, Ausgabe 64, 2012 (PDF; 5,0 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]