Arsuf

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Arsuf
Reste der Kreuzfahrerfestung, 2007

Reste der Kreuzfahrerfestung, 2007

Alternativname(n): Arsur
Entstehungszeit: 1101
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Barone
Geographische Lage 32° 11′ 42,9″ N, 34° 48′ 23,8″ OKoordinaten: 32° 11′ 42,9″ N, 34° 48′ 23,8″ O
Höhe: m
Arsuf (Israel)
Arsuf

Arsuf (hebräisch אפולוניה, auch als Arsur bekannt; in der Antike Apollonia, später Sozusa) war eine antike Stadt und später Kreuzfahrerstadt und Kreuzfahrerfestung im heutigen Israel, etwa 15 Kilometer nördlich von Tel Aviv. Die archäologische Stätte (Tel Arshaf; תֵּל אַרְשָׁף, auch Apollonia–Arsuf אַפּוֹלוֹנְיָה-אַרְסוּף) gehört heute zur Gemeinde Herzlia und ist Nationalpark.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt gehörte spätestens seit Alexander Jannäus dem Hasmonäerreich an, später unter dem Namen Apollonia dem Reich des Herodes und der römischen Provinz Judaea. In der Spätantike erhielt sie den Namen Sozusa, was sich mit Stadt des Erlösers wiedergeben lässt.[2] Auf ein untergegangenes Bistum der Stadt geht das Titularbistum Sozusa in Palaestina der römisch-katholischen Kirche zurück. Um 640 geriet der Ort unter muslimische Herrschaft.

Kreuzfahrerfestung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1101 wurde die Stadt von einer Kreuzfahrerarmee unter Balduin I. von Jerusalem besetzt. Die Kreuzritter, die die Stadt in ihren Quellen zumeist Arsur nannten, bauten die Stadtmauern wieder auf und schufen die Herrschaft Arsuf innerhalb des Königreichs Jerusalem. Die Herrschaft gehörte zunächst zur Krondomäne des Königs von Jerusalem, bis dieser 1163 Johann von Arsur mit der Herrschaft belehnte. Als Johann kinderlos starb, übernahm Melisende, die Tochter seines Bruders Guido, die Herrschaft. Durch Melisendes zweite Ehe mit Johann von Ibelin, Herr von Beirut (1177–1236), kam Arsuf 1207 an die Familie Ibelin. Beider Sohn Johann von Arsuf († 1258) erbte die Herrschaft, die er an seinen ältesten Sohn Balian († 1277) weitergab. 1260 oder 1261 verkaufte Balian die Herrschaft an den Johanniterorden.

1187 wurde die Stadt von den muslimischen Ayyubiden unter Sultan Saladin erobert, fiel aber nach der Schlacht von Arsuf vom 7. September 1191 zwischen Richard Löwenherz und Saladin wieder an die Christen. 1265 wurde Arsuf vom muslimischen Mamluken-Sultan Baibars I. erobert. Mauern und Festung wurden geschleift, die Bevölkerung zerstreute sich.

Nach gemeinsamen archäologischen Untersuchungen der Universitäten Tübingen und Tel Aviv,[3] wurden bestehende frühislamische Stadtstrukturen von den Kreuzfahrern weiter genutzt. Die Stadtfläche war innerhalb der Ummauerung dicht bebaut. Die Stadt war an ein agrarisch genutztes Hinterland, der ca. 300 km² großen Grafschaft Arsur, angeschlossen und verfügte über weitreichende Fernhandelskontakte.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Immanuel Benzinger: Appolonia 25. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,1, Stuttgart 1895, Sp. 117.
  • Avraham NegevApollonia, later Sozusa, Israel. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • Israel Roll, Oren Tal: Apollonia-Arsuf I. The Persian and Hellenistic Periods (with Appendices on the Chalcolithic and Iron Age II Remains) (= Tel Aviv Monograph Series 16). Tel Aviv 1999. ISBN 965-266-012-4
  • Israel Roll: Apollonia-Arsuf. In: Ephraim Stern u. a. (Hrsg.): The New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land. Band 5: Supplementary Volume. Israel Exploration Society u. a., Jerusalem u. a. 2008, ISBN 978-965-221-068-5, S. 1568–1571.
  • Katharina Galor, Israel Roll, Oren Tal: Apollonia-Arsuf between Past and Future. In: Near Eastern Archaeology 72, 2009, ISSN 1094-2076, S. 4–27.
  • Hans Wolfram Kessler, Konrad Kessler: Ritter im Heiligen Land: Kreuzfahrerstätten in Israel. Philipp von Zabern, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-8053-4552-1
  • Hauke Kenzler: Medieval Town Structures of Arsur in on the Basis of Non-Invasive Methods. Results of a German-Israeli Project Collaboration. Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 132 (2), 2016, S. 151–174.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Apollonia, Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offizielle Seite der israelischen Tourist Information. Abgerufen am 29. November 2018.
  2. Oren Tal (Hrsg.): The Last Supper at Apollonia: the Final Days of the Crusader Castle in Herzliya. Eretz Israel Museum, Tel Aviv 2011.
  3. Hauke Kenzler und Annette Zeischka-Kenzler: Die Kreuzfahrerstadt Arsur in Israel. Universität Tübingen, abgerufen am 29. November 2018.
  4. Hauke Kenzler: Medieval Town Structures. 2016.