Attentat von Petit-Clamart

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Charles de Gaulle

Das Attentat von Petit-Clamart war ein Anschlag auf das Leben des damaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle. Es fand am Abend des 22. August 1962 in Petit-Clamart, einem Ortsteil von Clamart, südlich von Paris, statt. De Gaulle blieb unverletzt; der Anführer des Kommandos, Oberstleutnant Jean Bastien-Thiry, wurde gefasst, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das Attentat bildete die Grundlage für Frederick Forsyths Roman Der Schakal und dessen Verfilmung 1973.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgeschichtlicher Hintergrund ist die Loslösung Algeriens aus dem französischen Staat. Das Land war 1848 Siedlungskolonie, später Département geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann weltweit eine Zeit der Dekolonisation. Aufgrund der hohen Zahl französischer Siedler gab es erhebliche Widerstände gegen eine Loslösung vom Mutterland. Im Algerienkrieg (1954–1962) geriet Frankreich in eine politische und finanzielle Krise, zumal es gerade erst den Indochinakrieg (1946–1954) beendet hatte. Charles de Gaulle kehrte 1958 nach zwölf Jahren aus dem Ruhestand ins Amt zurück. Anders als von vielen erhofft, führte er Verhandlungen mit den Anführern der Nationalen Befreiungsfront (FLN). Im Winter 1960/61 wurde die Organisation de l’armée secrète (OAS) gegründet, um Algerien bei Frankreich zu halten und die Verhandlungen durch Terroranschläge zu torpedieren. Ein Putschversuch der OAS im April 1961 in Algier scheiterte; de Gaulle entging mit dem Attentat von Pont-sur-Seine bereits im September 1961 nur knapp einem Bombenanschlag der OAS.[1] Nach den Verträgen von Évian vom 18. März 1962 verließen etwa 960.000[2] sogenannter Pieds-noirs (frz. für Schwarzfüße) Algerien und versuchten, sich in Frankreich eine neue Existenz aufzubauen.

Der Tathergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

De Gaulle bei der Fahrt in seiner Präsidentenlimousine Citroën DS, deren Dach auch geöffnet werden konnte (1963)

Das Attentat wurde von rund einem Dutzend Männern[3] mit meist militärischem Hintergrund verübt. Sein Codename war Opération Charlotte Corday. Dies verweist auf die Tötung des Jean-Paul Marat durch Charlotte Corday im Jahr 1793. Die Beteiligten warteten in einem Hinterhalt auf de Gaulle. Dieser verließ gegen 19:30 Uhr den Élysée-Palast in einer Kolonne, bestehend aus zwei Motorrädern und zwei ungepanzerten Limousinen vom Typ Citroën DS. Er saß mit seiner Frau Yvonne, seinem Schwiegersohn Oberst Alain de Boissieu und dem Polizeibeamten Francis Marroux als Fahrer im zweiten Fahrzeug. Die Kolonne war auf dem Weg zum etwa 20 Kilometer südwestlich gelegenen Militärflugplatz Villacoublay in Vélizy-Villacoublay. Dort wartete ein Hubschrauber, der den Staatspräsidenten nach Colombey-les-Deux-Églises in sein Landhaus bringen sollte. Gegen 20:08 Uhr geriet der Präsidentenkonvoi in den Hinterhalt der Attentäter. Diese waren mit automatischen Waffen und Sprengstoff ausgerüstet. In einem gelben Lieferwagen vom Typ Renault Estafette warteten fünf Männer auf den Feuerbefehl ihres Anführers, der ihnen mit einer Zeitung ein Zeichen gab. Insgesamt wurden 187 Schüsse abgegeben; im Fahrzeug wurden später 14 Einschüsse gezählt. Trotz der geplatzten Reifen konnte Marroux die Kontrolle über das Fahrzeug behalten, seine Fahrt auf den Felgen fortsetzen und den Flugplatz erreichen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Treffpunkt Melilla, Der Spiegel 39/1961 vom 20. September 1961.
  2. Ernst Weisenfeld: Geschichte Frankreichs seit 1945. 3. Aufl., Beck, München 1997, ISBN 3-406-42007-9, S. 147
  3. Jean Lacouture: Charles de Gaulle – Le souverain 1959–1970, Bd. III, éd. du Seuil, Paris 1986, ISBN 2-02-009393-6, S. 276.