August Christian Borheck

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August Christian Borheck (* 10. Januar 1751 in Osterode; † 1. Juni 1815 in Eschweiler) war ein deutscher Philologe, Historiker und Hochschullehrer.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borheck studierte an der Georg-August-Universität in Göttingen Philosophie und Theologie. Er war dann Rektor in Zellerfeld, Lehrer für Latein und Griechisch am Pädagogium zu Kloster Bergen und von 1778 bis 1780 Rektor des Stadtlyceums (Gymnasiums) in Salzwedel. In dieser Zeit wurde er zum auswärtigen Mitglied der Königlichen Deutschen Gesellschaft zu Göttingen gewählt.[1][2] Seit Anfang 1780 war er Rektor des Gymnasiums in Bielefeld. In Marburg wurde er 1787 zum Doktor der Philosophie promoviert.[3] Am 31. Mai 1790 wurde er ordentlicher Professor der Geschichte und Beredsamkeit an der Universität zu Duisburg.[4] Dort erregte er wegen seines skandalösen Lebenswandels massiven Anstoß: Er war so hoch verschuldet, dass sein Gehalt zeitweise direkt an seine Gläubiger ausgezahlt wurde[5], überwarf sich mit seinen Professorenkollegen und wurde von den Studenten gemieden, so dass er ab 1794 überhaupt keine Vorlesungen mehr hielt. Schließlich wurde er sogar der Blutschande mit seiner Tochter bezichtigt. 1801 beantragten Rektor und Senat der Universität bei der Landesregierung seine Amtsenthebung. Am 31. Juli 1801 forderte ihn die klevische Landesregierung zum Verlassen Duisburgs auf, da er „durch seine ganze dortige Lebensgeschichte, besonders durch die letzten Vorfälle mit seiner Tochter, […] ein großes Ärgernis gegeben habe“. Zu einem förmlichen Amtsenthebungsverfahren kam es zwar letztlich nicht, da die schwerwiegendsten Vorwürfe gegen Borheck nicht bewiesen werden konnten, am 27. November 1801 wurde er aber als Professor verabschiedet.[3] Danach lebte er als Privatgelehrter in Köln. Er verfasste zahlreiche Schriften, von denen vor allem regionalgeschichtliche Arbeiten und Übersetzungen antiker Autoren von Bedeutung sind. Mehrere Versuche zur Begründung pädagogischer und regionalgeschichtlicher Zeitschriften blieben ohne Erfolg.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xenophons sämtliche Schriften, aus dem Griechischen neu übersezt, 6 Bände, Lemgo: Meyer 1778–1808. (Digitalisate bei ÖNB: Erster Teil, Zweiter Teil; Dritter Teil, Fünfter Teil, Sechster Teil)
  • Herodoti Halicarnassensis et Ctesiae Cnidii Quae Extant Opera Et Fragmenta Graece ex recensione Petri Wesselingii, 2 Bände, Lemgo: Meyer 1781-1782 (Digitalisate bei BSB digital: Band II); 2. Auflage in 3 Bänden, Lemgo: Meyer 1808-1810 (Digitalisate im Internet Archive: Band I, Band II)
  • Markus Tullius Cicero's vermischte Briefe. Neu übersetzt, nach der Zeitfolge geordnet und erläutert, 5 Bände, Frankfurt am Main: J. C. Hermann 1782–1789 (Digitalisate bei BSB digital: Erster Band, Zweiter Band, Dritter Band, Vierter Band, Fünfter Band)
  • Versuch eines tabellarischen Grundrisses der Weltgeschichte. 2 Bände Halle 1783–1784
  • Neue Erdbeschreibung von ganz Afrika. Aus den besten ältern und neuern Hülfsmitteln gesammlet und bearbeitet, Band 1 und 2.1 (mehr nicht erschienen), Frankfurt am Main: Varrentrapp und Wenner 1789, 1791. Digitalisat bei BSB digital: Band 1, Band 2.1
  • Arrians Feldzüge Alexanders, aus dem Griechischen übersetzt, mit Anmerkungen, 2 Bände (enthaltend Buch 1-6), Frankfurt am Main: J. C. Hermann 1790, 1792. (Digitalisate bei BSB digital: Erster Band, Zweiter Band)
  • Erdbeschreibung von Asien, nach Bankes, Black's, Cook's und Lloyd's großem Englischen Werke, mit Zuziehung der besten neuesten Reisebeschreibungen für Deutsche bearbeitet, Teil 1-3, Düsseldorf: Dänzer 1792–1794. Digitalisat bei BSB digital: Erster Teil, Zweiter Teil, Dritter Teil
  • Flavii Arriani Nicomedensis Opera Graece, ad optimas editiones collata. 3 Bände Lemgo: Meyer 1792, 1809, 1811
  • Apparatus ad Herodotum intelligendum et interpretandum. 5 Bände, Lemgo: Meyer 1795–1798. Digitalisate bei BSB digital: Band I, Band II, Band III, Band IV, Band V
  • Geschichte der Länder Cleve, Mark, Jülich, Berg und Ravensberg, nach Teschenmacher und andern nebst einer Geschichte der Stadt Duisburg am Rhein. Duisburg: Helwingsche Universitätsbuchhandlung 1800. Digitalisat bei BSB digital: Erster Teil, Zweiter Teil
  • Archiv für die Geschichte, Erdbeschreibung, Statskunde und Alterthümer der Deutschen Nieder-Rheinlande, 1. Band, Elberfeld: Comptoir für Litteratur 1800 (mehr nicht erschienen). Digitalisat bei BSB digital: Erstes Stück, Zweites Stück
  • Bibliothek für die Geschichte[,] Erd- Staats- und Gewerbskunde des niederrheinischen Deutschlandes. Köln und Paderborn: Haas und Sohn 1801 (Digitalisat bei BSB digital)
  • Beiträge zur Erd- und Geschichtkunde der Deutschen Niederrheinlande. Köln: Haas und Sohn 1803 (Digitalisat bei BSB digital)
  • Diogenes Laertius von den Leben und den Meinungen berühmter Philosophen. Aus dem Griechischen. Zwei Bände, Wien und Prag: Franz Haas, 1807. (Digitalisate bei ÖNB: Erster Band, Zweiter Band). Neuausgabe: Diogenes Laertios, Von dem Leben und den Meinungen berühmter Philosophen, Wiesbaden: Marix Verlag 2008, ISBN 978-3-86539-164-3

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeine Bibliothek für das Schul- und Erziehungswesen in Teutschland. Band 9. Beck, 1781, S. 318 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 9. Februar 2017]).
  2. Das deutsche Schulgeschichtsbuch 1700-1945. Band 1. LIT Verlag Münster, 2011, S. 363 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 9. Februar 2017]).
  3. a b Walter Ring: Geschichte der Universität Duisburg. Mit einem Lageplan. Selbstverlag der Stadtverwaltung, Duisburg 1920, S. 194–196 (archive.org [abgerufen am 9. März 2016]).
  4. D. August Christian Borheck: Geschichte der Stadt Duisburg am Rhein. Ein photomechanischer Nachdruck der Originalausgabe von 1800 aus dem Stadtarchiv Duisburg mit einem Nachwort von Günter von Roden. Walter Braun Verlag, Duisburg 1976, ISBN 3-87096-130-9, S. 186.
  5. Werner Hesse: Beiträge zur Geschichte der früheren Universität in Duisburg. F. H. Nieten, Duisburg 1879, S. 84 (archive.org [PDF; abgerufen am 10. März 2016]).