Ausblühung

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Dieser Artikel befasst sich mit Salzausblühungen an Gebäuden. Salzaustritte am Erdboden werden unter Versalzung behandelt.
Ausblühungen an einer Wand
Großflächige Ausblühungen an einer Hauswand

Die Ausblühung, auch Effloreszenz genannt[1], zählt zu den Bauschäden und bezeichnet weißes Pulver oder Kristalle aus löslichen Salzen auf der Bauwerksoberfläche. Ist eine Salzausblühung hart und kompakt, spricht man von einer "Salzkruste".[2]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausblühungen entstehen im Allgemeinen durch die Verdunstung salzhaltiger Porenlösungen. Diese bestehen häufig aus löslichen Salzen wie Natriumchlorid und Sulfaten (z.B. Natriumsulfat, Magnesiumsulfat) oder aus weniger löslichen Verbindungen wie Calciumsulfat, Calciumcarbonat, Bariumsulfat oder amorpher Kieselsäure.[3]

Dringt Wasser in ein Bauwerk ein (siehe dazu Mauertrockenlegung), löst es in mineralischen Baustoffen (Beton, Mörtel, Ziegel, Klinker) lösliche Salze heraus, vor allem Kalium- und Natriumsulfat und diffundiert durch das Bauwerk. Trocknet anschließend das Bauwerk ab, bleiben die gelösten Salze an der Bauwerksoberfläche zurück und kristallisieren dort. Beim Kristallisieren tritt eine Volumenzunahme auf, die zum „Ausblühen“ und Sprengen des Verputzes führt. Die Folge sind unschöne, meist weiße erhabene Flecken auf der Bauwerks(außen)hülle.

Eine andere Ursache können auskristallisierende Nitrate (sogenannter "Salpeter"), etwa Calciumnitrat („Mauersalpeter“) sein, die durch Reaktion von Exkrementen (beispielsweise von Tieren) bzw. Ammoniak aus der Raumluft mit Mörtel auftreten[4]:

  • in (ehemaligen) Stallgebäuden
  • wenn Tiere zu Hungerszeiten in Wohnräumen gehalten wurden,
  • bei Schutzraumnutzung in Not- und Kriegszeiten für die Bevölkerung samt Tierbestand,
  • bei Missbrauch von Wohn-, Lager- oder Sakralräumen als Tierstall,
  • nach winterlichem Zusammenrücken der Haus- und Stallbewohner (Rinder, Schweine, Ziegen, Hunde und Hühner, etc.) in heizbaren Räumen
  • durch zurückgebliebenes Spritzwasser, als Tiere noch allgegenwärtig auf der Straße gehalten wurden oder der Inhalt des Nachttopfs auf die Straße geleert wurde,
  • nach einem Kanalrückstau
  • aufgrund von Verschmutzungen durch Pökelsalze und -lösungen (Salzlaken)
  • Nutzung einer Waschküche (im Keller) als Schlachthaus oder zur Gedärmreinigung
  • in Aborten

Weil Calciumnitrat wesentlich leichter wasserlöslich ist als Kalkmörtel kann dies zum Auswaschen der Wände und zur Destabilisierung des Mauerwerks führen.

Moderne Schadsalzquellen sind[5]:

Durch in Spritzwasser gelöste Auftausalze können ebenfalls Ausblühungen entstehen.

Schutzmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Ausblühungen dauerhaft zu verhindern, muss die Durchfeuchtung von empfindlichen Baustoffen (durch aktive Mauertrockenlegung, Trockenlegung der Kanäle und Baugrube gegen unbeabsichtigtes Stauwasser) verhindert werden. Zudem müssen die Nitratvorräte (im Putz durch Abschlagen des Verputzes) beseitigt werden.

Zur Entsalzung des Mauerwerks existieren verschiedene Techniken[6]:

Mit Hilfe von Imprägniermitteln lassen sich die Poren verschließen und ein Eindringen der Feuchtigkeit wird unterbunden, allerdings werden dadurch weitere Salze in den Baukörper eingetragen. Eine weitere Schutzmaßnahme ist die Hydrophobierung. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die die inneren Poren- und Kapillaroberflächen belegen und sie somit wasserabweisend (hydrophob) machen. Da die Poren und Kapillare dadurch nicht verschlossen werden, bleibt die Diffusionsfähigkeit (Dampfdurchlässigkeit) des Baustoffes so gut wie unverändert erhalten.

Lässt sich die Durchfeuchtung nicht verhindern, beseitigt man die Ausblühungen am besten durch Abkratzen oder Abbürsten. Vielfach werden auch Sanierputze auf den zuvor vom salzdurchsetzten Putz gesäuberten Untergrund aufgetragen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frey, August, Günter: Bautechnik Fachkunde Bau. 10. Auflage Europa Lehrmittelverlag, 2003, ISBN 3-8085-4460-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen der RWTH Aachen zu Schädigungsformen an Natursteinoberflächen (PDF, 1 MiB); siehe unter "Gruppe 2 der Verwitterungsformen"
  2. Salzausblühung. In: Angela Weyer et al. (Hrsg.): EwaGlos. European Illustrated Glossary Of Conservation Terms For Wall Paintings And Architectural Surfaces. English Definitions with translations into Bulgarian, Croatian, French, German, Hungarian, Italian, Polish, Romanian, Spanish and Turkish. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0260-7, S. 226, doi:10.5165/hawk-hhg/233 (Download).
  3. Efflorescence - Ausblühung. In: ICOMOS, International Scientific Committee for Stone [ISCS] (Hrsg.): Illustrated Glossary on Stone Deterioration Patterns, Illustriertes Glossar der Verwitterungsformen von Naturstein. Michael Imhof, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-667-1, S. 48 (Download).
  4. Aufsteigende Mauerfeuchte+Bauwerks-Trockenlegung 6: Mauerfeuchte, Horizontal-Abdichtung Mauerwerk, Mauerwerksversalzung + Bauwerks-Trockenlegung, bei konrad-fischer-info.de
  5. Aufsteigende Mauerfeuchte+Bauwerks-Trockenlegung 6: Mauerfeuchte, Horizontal-Abdichtung Mauerwerk, Mauerwerksversalzung + Bauwerks-Trockenlegung, bei konrad-fischer-info.de
  6. Aufsteigende Mauerfeuchte+Bauwerks-Trockenlegung 6: Mauerfeuchte, Horizontal-Abdichtung Mauerwerk, Mauerwerksversalzung + Bauwerks-Trockenlegung, bei konrad-fischer-info.de