Kalkmörtel

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Der Kalkmörtel ist als Baustoff eine Mischung aus gelöschtem Kalk und Sand und wird je nach Zusammensetzung in verschiedene Mörtelgruppen (MG) eingeteilt.

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verarbeitungsfähiger Luftkalkmörtel (MG 1) enthält gelöschten Kalk (Ca(OH)2; im Handel auch als Weißkalkhydrat), der beim Abbinden in Kalk (CaCO3; entspricht Kalkstein) umgesetzt wird.

Wird der Begriff Kalkmörtel nicht weiter spezifiziert, ist meist ein Putz- oder Mauermörtel der Mörtelgruppe MG 2a "Kalkmörtel/ hydraulischer Mörtel" (Druckfestigkeit 2,5 MN/m²) nach DIN 1053 (Mauerwerks-DIN) mit hydraulischen Bestandteilen gemeint.

Bei zusätzlicher Verwendung von Zement fällt der Mörtel in die Gruppe MG 2b "Kalkzementmörtel" (bis 5 MN/m²).

Auch andere Hilfsstoffe wie Gips, Mauerbinder oder Kunstharzbindemittel sind möglich.

Bei Direktverarbeitung von ungelöschtem Branntkalk, d.h. der Löschvorgang findet beim Mischen des Mörtels statt, spricht man von Heißkalkmörtel – dieser Baustoff hat primär historische Bedeutung.

Um eine rißfreie Oberfläche bei ungleichmäßigem oder problematischem Untergrund zu erreichen wurde früher Haarkalk verwendet, dem Tierhaare zugesetzt waren. Diese Mischung eignete sich auch, um an der Unterseite von Holzbalkendecken angebrachte Trapezleisten zu überziehen. Die dabei durch die Abstände zwischen den Leisten gedrückten Haare dienten als Putzträger für den anschließend an der Deckenunterseite aufgetragenen Putz.[1]

Typische Mischverhältnisse für Kalkmörtel 1:2 bis 1:5:

1 Teil Kalk, 2–5 Teile Sand

Eine Zugabe von Anmachwasser ist, weil im Löschkalk schon Wasser gebunden ist, in geringer Menge notwendig

Abbindevorgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Auftragen des breiigen, mit Wasser versetzten Mörtels bindet er allmählich ab. Das Calciumhydroxid (Ca(OH)2) geht dabei mit Kohlenstoffdioxid (CO2) der Luft zu Kalk (CaCO3) über:


(Teilreaktion des technischen Kalkkreislaufs)

Nur im Beisein von Luft findet dieser Prozess statt. Deshalb wird unverarbeiteter Kalkmörtel feucht gehalten, so dass er nicht aushärtet. Die Temperaturen sollten über 5 °C liegen, aber möglichst nicht über 20 °C, da sonst das Anmachwasser zu schnell verdunstet und außerdem der CO2-Gehalt des Wassers mit steigender Temperatur sinkt.

Die sich bildenden feinen, nadelartigen Kalkkristalle binden die Sandkomponente, mit der sie verfilzen, so dass der Mörtel einen harten, zusammenhängenden Feststoff bildet. Daher ist ein kalkiger Zuschlag (Kalke, Dolomite) am besten geeignet, da in ihm auch eine chemische Bindung zwischen den Calcit-Kristallen des Fettkalks und des Sandes stattfindet. Quarzige Sände machen das Material zwar härter, aber weniger elastisch, da das weichere Calcit-Gefüge die Hauptbelastung trägt, und die Körner nur mechanisch eingebunden sind.

Der vollständige Abschluss dieses Prozesses kann viele Jahre dauern. Er kann durch Erhöhung der Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Umgebungsluft beschleunigt werden, beispielsweise durch Verbrennung organischen Materials (wie Kohlefeuer). In einigen besonders dicken Mauern alter Burgen ist der Mörtel teilweise heute noch nicht abgebunden. Das Abbinden verzögert sich insbesondere auch dadurch, dass sich auf der Oberfläche eine Sinterschicht von einigen Mikrometern Dicke bildet, die aus hochkristallinem, reinem Calcit besteht (der hochdurchsichtig ist, dieses Prinzip ermöglicht die Fresko-Technik der Wandmalerei). Diese Schicht behindert aber die Diffusion von CO2 in das Innere, und daher das Auskarbonatisieren.

Eigenschaften und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalkmörtel ist weniger druckfest als Wassermörtel (zum Beispiel die zementgebundenen Mörtel) und eignet sich daher nur dort zum Mauern (Mauermörtel), wo keine hohe Druckfestigkeit erwartet wird. Kalkmörtel (ohne Zementzusatz) wirken jedoch gut feuchtigkeitsregulierend und können daher für Innenputze eingesetzt werden.

Neben den raumklimatischen Vorteilen haben Kalkputze und -mörtel gegenüber Zementputzen auch noch ökologische Vorteile, z. B. bei Natursteinmauerwerk für die darin lebenden Insekten und für den CO2-Haushalt. Das bei der Herstellung von Branntkalk aus Kalkstein ausgetriebene CO2 wird beim Abbindeprozess wieder aufgenommen. Die Bilanz ist also ausgeglichen im Gegensatz zu Zementmörteln, die ebenfalls zum größten Teil aus Kalkstein hergestellt werden; hier findet keine CO2-Aufnahme statt. Nicht berücksichtigt ist bei dieser Bilanz allerdings die CO2-Emission, die zur Gewinnung der Prozesswärme verursacht wird.

In Rüdersdorf (Landkreis Märkisch-Oderland) wird seit mehr als 200 Jahren Kalkmörtel in Handarbeit hergestellt. Im Jahr 2016 wurde die traditionelle Herstellung von Rüdersdorfer Kalkmörtel von der deutschen Unesco-Kommission in das bundesweite Verzeichnis immateriellen Kulturerbes aufgenommen.[2]

Normen und Standards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Künzel, G. Riedl: Werk-Trockenmörtel. Kalkputze in der Denkmalpflege. In: Bautenschutz u. Bausanierung 2/1996

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Meyers Konversations-Lexikon (1885-90), Eintrag "Decke", S. 604, rechte Spalte
  2. Rüdersdorfer Kalkmörtel