Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Gesundheitsversorgung

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Abseits der direkten Folgen der Krankheit hatte die COVID-19-Pandemie zahlreiche Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung.

Aufschiebung von Arzt- oder Krankenhausbesuchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Verschiebung geplanter, nicht als notwendig erachteter Operationen sollte Kapazitäten in Krankenhäusern freigehalten werden. Beispielsweise waren in Italien und Spanien die Krankenhäuser bzw. das Gesundheitssystem zeitweise durch die starke Zunahme der COVID-19-Fälle überlastet.[1][2]

Insbesondere in der Krebsmedizin führte dies zu Debatten darüber, welche Operationen als notwendig angesehen werden und welche nicht; zudem wird auf die damit verbundenen Risiken hingewiesen, wenn Krebs-Operationen zu lange hinaus gezögert werden.[3] Eine Studie an 359 Kliniken aus 71 Ländern konnte darüber hinaus zeigen, dass in den ersten 12 Wochen der Pandemie weltweit 28 Millionen chirurgische Eingriffe verschoben worden mussten. Die internationale Forschergemeinschaft errechnete, dass beispielsweise in Deutschland 85 % der elektiven und 24 % aller Eingriffe bei Krebserkrankungen verschoben wurden.[4]

In Deutschland kam es zu einem allgemeinen Rückgang bei Hausarztbesuchen, selbst bei Symptomen von Herzinfarkt und Schlaganfall.[5] Auch sank die Bereitschaft, Blut und Blutplasma zu spenden. Die DGTI rief verstärkt auf, Blut zu spenden.[6]

Ausbreitung oder Verlangsamung anderer Infektionskrankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die WHO warnte davor, die Bekämpfung anderer Krankheiten während der Pandemie zu vernachlässigen. Der Kampf gegen Malaria in Subsahara-Afrika wird durch Kampagnen in der Öffentlichkeit zur Nutzung von Moskitonetzen begleitet. Fiele diese Maßnahme weg und erschwere sich gleichzeitig der Zugang zu Antimalaria-Medikamenten, könnte sich die Zahl der Malaria-Toten in dieser Region verdoppeln.[7]

Die Grippewelle der Saison 2019/2020 in Deutschland wies mit 11 Wochen eine „vergleichsweise kürzere Dauer und eine moderate Anzahl an Influenza-bedingten Arztbesuchen“ auf[8]. Laut dem Epidemiologischen Bulletin 16/2020 des Robert Koch-Instituts haben die bundesweiten Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung der COVID-19-Pandemie in Deutschland erheblich zum schnellen Abklingen der Influenzaaktivität und Verkürzung um mindestens zwei Wochen beigetragen. Da Kinder für die Verbreitung der jährlichen Grippe eine wesentliche Rolle spielen, sind dabei „insbesondere die Schulschließungen ab der 12. KW 2020 zu nennen“.[8]

In Deutschland traten im Sommer 2020 mehr FSME-Fälle als gewöhnlich auf. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Menschen sich mehr in heimischen Wäldern aufhielten und es daher vermehrt zu Krankheiten kam, die von Zecken auf Menschen übertragen werden.[9]

Antibiotikaresistenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da COVID-19-Patienten zur Behandlung sekundärer Infektionen häufig Antibiotika bekommen, könnte dies die bereits seit Jahren zunehmende Ausbreitung der Antibiotikaresistenzen beschleunigen.[10]

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit bedroht die Pandemie die Ernährungssicherheit. Vor allem Kleinkinder sind laut Angaben der WHO massiv gefährdet. Das Welternährungsprogramm schätzte im Mai 2020, dass die Zahl der unterernährten Kinder aufgrund der Pandemie um bis zu 20 % steigen werde.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Sie spüren, wenn sie sterben. Es ist wie ertrinken. Nur langsamer“. In: Die Welt. 14. März 2020, abgerufen am 5. April 2020.
  2. Gesundheitssystem überlastet Spanien schränkt Bewegungsfreiheit weiter ein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. März 2020, abgerufen am 5. April 2020.
  3. How to risk-stratify elective surgery during the COVID-19 pandemic? Abgerufen am 20. April 2020.
  4. CovidSurg Collaborative, Dmitri Nepogodiev, Aneel Bhangu: Elective surgery cancellations due to the COVID-19 pandemic: global predictive modelling to inform surgical recovery plans. In: BJS (British Journal of Surgery). n/a, n/a, ISSN 1365-2168, doi:10.1002/bjs.11746 (wiley.com [abgerufen am 18. Mai 2020]).
  5. Rückgang von Patienten mit Schlaganfall- oder Herzinfarktsymptomen. In: wdr.de. 3. April 2020, abgerufen am 2. Mai 2020.
  6. Aufruf zu Blutspenden. (PDF) In: DGTI. 9. März 2020, abgerufen am 2. Mai 2020.
  7. Malaria could be about to make a comeback – and the coronavirus is to blame. Abgerufen am 11. Mai 2020 (englisch).
  8. a b Grippewelle 2019/2020, bei rki.de
  9. Rüdiger Soldt: Sommer 2020: Mehr Erkrankungen durch Zecken. In: faz.net. 10. März 2021, abgerufen am 10. März 2021.
  10. Covid-19 May Worsen the Antibiotic Resistance Crisis. In: Wired. ISSN 1059-1028 (wired.com [abgerufen am 11. Mai 2020]).
  11. Corona-Pandemie Millionen Kindern droht der Hungertod. In: tagesschau.de. 20. Mai 2020, abgerufen am 10. März 2021.