Bärenschützklamm

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Leitern in der Klamm
Wasserfall Bärenschützklamm
Bärenschützklamm

Die Bärenschützklamm im österreichischen Bundesland Steiermark ist eine wasserführende Felsenklamm mit bis zu 300 m hohen Kalkfelswänden. Sie wurde 1978 zum Naturdenkmal (Listeneintrag) erklärt.

Nach einem Unfall mit 3 Toten durch Steinschlag im Juli 2020 wurde die Klamm gesperrt. Aus der Perspektive von Juni 2021 bleibt die Klamm bis Mai 2022 geschlossen. Zuvor muss eine konzipierte Sicherung durch Verlegung von Wegen und Anbringen von Schutzgittern darüber eingereicht, bewilligt, finanziert und gebaut werden.

In Mixnitz wurde am 26. Juni 2021 das Projekt Naturwelten Steiermark der Landesjägerschaft eröffnet, mit Ausstellung, Veranstaltungsraum und Kletterwand. Mit Baubeginn Mai 2021 wird der Weg in Mixnitz zum Klammgelände erlebnispädagogisch gestaltet.[1]

Am 8. Juli 2021 werden die Kosten für den Umbau des Steigs und der Klamm hin zu mehr Sicherheit auf 650.000 Euro geschätzt. Es sind zahlreiche Hubschrauberflüge nötig. Die Finanzierung ist noch nicht gesichert.[2]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name „Bärenschützklamm“ dürfte weder mit Bären, noch mit dem Wortstamm schütz- etwas zu tun haben. Es handelt sich nach Meinung der slawistischen onomastischen Fachwelt um eine sogenannte Volksetymologie, das heißt, der schon unverständliche slawische Name, der vermutlich *pršica ([pər'ʃit͡sa], etwa prschitza, prschitz, Bedeutung ‚Spritzbach‘, vergleiche slowenisch prha ‚Dusche‘) lautete, wurde umgedeutet zu Bären-schütz.

Lage und Steiganlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kalksteinklamm liegt im Grazer Bergland im Gebiet der Gemeinde Pernegg an der Mur und wird vom Mixnitzbach durchflossen, der etwa südwestwärts von links der Mur zufließt. Ausgangspunkt einer Wanderung ist zumeist der Ort Mixnitz mit gleichnamiger Bahnhaltestelle, durch den der Murradweg führt und der einen Parkplatz für Pkw und Busse bietet. Durch die Klamm verläuft auch der Zentralalpenweg, ein österreichischer Weitwanderweg von Hainburg an der Donau (NÖ) nach Feldkirch in Vorarlberg.

Seit dem Jahr 1901 erlaubt eine Steiganlage aus hölzernen Brücken und Leitern eine Durchsteigung und begründete die Erschließung für den Fremdenverkehr. Die Anlage wurde 1997 bei Unwettern erheblich beschädigt und danach wieder in Stand gesetzt. Im Jahr 2001 feierte man ihr hundertjähriges Bestehen. Insgesamt überwinden nun 164 Leitern (Brücken) mit rund 2500 Holzsprossen einen Höhenunterschied von etwa 350 Metern zwischen ca. 750 m und ca. 1100 m.

Der Steig wird von der Sektion Mixnitz des Alpenvereins instandgehalten. Die Anlagen werden repariert, Steine vom Weg entfernt und auch die Felswände kontrolliert. Normalerweise ist die Klamm von Mai bis einschließlich Oktober geöffnet, ein Betreten ist dabei täglich von 7.30–16.00 Uhr erlaubt.

Das Begehen der Klamm ist kostenpflichtig. Die Klammerhaltungsgebühr für Erwachsene ist 5 Euro (als ÖAV-Mitglied 4 Euro), Jugendliche (6–16 Jahre) zahlen 3,50 Euro (Stand Juli 2020).[3][4]

Für Kleinkinder kann der Weg schwierig sein, Eltern übernehmen die Verantwortung. Hunde sind nicht erlaubt.

Auslastung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2019 wurde der zeitweise massive Zustrom von Touristen mit Reisebussen kritisch gesehen. Damit im Fall eines Unfalls Rettungskräfte jederzeit zügig Orte in der Klamm erreichen können, wurde angeregt, dass sich Busse anmelden sollten, um deren Ankunft zeitlich staffeln zu können.[5]

Touren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bahnhof Mixnitz-Bärenschützklamm der Südbahn im Ort Mixnitz, vorbei am Parkplatz, geht man etwa gut 1 Stunde den Lehrwanderweg, der Erzherzog Johann gewidmet ist, entlang von Schautafeln zur Hans-Kerl-Hütte mit der Kasse am Beginn der Steiganlage. Nach Günter Auferbauer ist das Besondere an der Klamm nur der Zugang bis zum Kanonenrohr, in dem der Kaskadenfall tosend stürzt.

Für den Weg durch die gesamte Klamm benötigt man aufwärts etwa 1,5 Stunden Gehzeit, der Aufstieg dauert insgesamt somit 2,5 Stunden.

Etwas oberhalb des oberen Klammeingangs liegt der Almgasthaus „Guter Hirte“. Will man nicht wieder durch den Klammsteig abwärts gehen, gibt es ab hier als Alternative den Prügelweg über die Schwaigeralm nördlich der Klamm zurück zum Talort Mixnitz.

Eine Tour lässt sich vom „Guten Hirten“ um 40 Minuten Weg zum Gasthaus „Steirischer Jockl“ mit mehr Aussicht oder nochmals weiter bergauf zum Hochlantsch (1720 m) ausdehnen, mit Rückweg nach Mixnitz für sportliche Geher eine „gute Tagestour“.[6][7][8]

Unfall im Juli 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Mittwoch, 8. Juli 2020 mittags[9] kam es zu einem Felssturz bei einem beliebten Fotografierstandpunkt in der Klamm. Dabei starben zwei Frauen und ein Mann, neun weitere Menschen wurden teilweise schwer verletzt. An der Bergung und Rettung wirkten 70–100 Kräfte samt Hubschrauber mit. Die Steiganlage wurde vom Bürgermeister bis auf Weiteres gesperrt.[10][11] Die Ursache wurde untersucht.[12]

Der Staatsanwalt stellte die Ermittlungen wegen Vorliegens eines „unabwendbaren Naturereignisses“ ein. Der Erhalter und Betreiber, die Alpenvereinssektion Mixnitz entwickelte anhand von Bekletterung und Drohnenfotoflügen ein Sicherheitskonzept mit Verlegung von Wegstücken und vier Schutzgittern oberhalb von Wegen, das mit den Grundeigentümern und dem Landesgeologen besprochen wurde und mit Stand Juni 2021 kurz vor Einreichung bei der Gemeinde Pernegg als zuständige Behörde steht. Die Baukosten werden mit 650.000 € abgeschätzt. Die Eintrittsgelder der vergangenen Jahre konnten nur die laufende Erhaltung der Wege abdecken. Der Vorstand der ÖAV-Sektion Mixnitz Gerhard Jantscha hofft auf einen Baustart September/Oktober 2021 und eine Fertigstellung und Eröffnung im Mai 2022.[13]

Erlebnisbereich „Naturwelten Steiermark“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Spatenstich Ende Mai 2020 und Fertigstellungstermine Frühjahr 2021 wird vor dem Eingang des Klammwegs auf 2,5 ha Außenbereich und 1100 m² Gebäude eine Erlebnis- und Vermittlungswelt zu Natur, Wald und Jagd, samt Kletterhalle des ÖAV errichtet. Das Projekt mit Investitionen von über 3 Mio. Euro wird von der Steirischen Jägerschaft betrieben.[14]

Die Eröffnung wurde für 26. Juni 2021 angekündigt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bärenschützklamm bleibt nach Steinschlag weiter zu orf.at, 10. Juni 2021, abgerufen 10. Juni 2021.
  2. Bärenschützklamm soll 2022 wieder aufsperren orf.at, 8. Juli 2021, abgerufen 8. Juli 2021.
  3. Bärenschützklamm | Gemeinde Pernegg an der Mur. Abgerufen am 2. Juni 2020 (deutsch).
  4. Almenland / Bärenschützklamm Naturjuwel Wandertour. Abgerufen am 2. Juni 2020.
  5. Bärenschützklamm kämpft mit Überlastung. Abgerufen am 31. August 2019.
  6. Durch Bärenschützklamm und Drachenhöhle. 2. Juli 2013, abgerufen am 9. Juli 2020.
  7. Mixnitz - Bärenschützklamm - Hochlantsch - Teichalm : Die wohl spektakulärste Wanderung im Almenland! Abgerufen am 9. Juli 2020.
  8. Durch die Bärenschützklamm über den Hochlantsch zur Teichalm. Abgerufen am 9. Juli 2020.
  9. Markus Hackl: Felssturz in der Bärenschützklamm: Mittlerweile drei Todesopfer. In: meinbezirk.at. 10. Juli 2020, abgerufen am 12. Juli 2020.
  10. Felssturz: Weiteres Todesopfer geborgen. In: steiermark.orf.at. 10. Juli 2020, abgerufen am 10. Juli 2020.
  11. Zwei Tote bei Felssturz in Bärenschützklamm. In: steiermark.orf.at. 8. Juli 2020, abgerufen am 8. Juli 2020.
  12. Felssturz: Erhebungen laufen auf Hochtouren. In: steiermark.orf.at. 9. Juli 2020, abgerufen am 9. Juli 2020.
  13. Bärenschützklamm bleibt nach Steinschlag weiter zu orf.at, 10. Juni 2021, abgerufen 10. Juni 2021.
  14. Verena Leithold: Erlebnisareal als neues Tor zur Bärenschützklamm, In: der Grazer, 30. Mai 2020, S. 22.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bärenschützklamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 20′ 31″ N, 15° 23′ 41″ O