Bahnstrecke Saal–Kelheim

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Saal (Donau)–Kelheim
Strecke der Bahnstrecke Saal–Kelheim
Streckennummer (DB):5853
Kursbuchstrecke (DB):ex 411e (1963), 411n (1944)
Streckenlänge:5,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Donautalbahn von Regensburg
Bahnhof, Station
0,0 Saal (Donau)
   
Donautalbahn nach Ingolstadt
   
0,5 Anschluss Zellwolle-Fabrik Kelheim Fibres und Kanalhafen
   
2,6 Kelheim Ost früher Affecking
   
4,6 Kelheim
   
5,5 Kelheim Donauumschlagstelle und Zellstoff-Fabrik PWA

Die Bahnstrecke Saal–Kelheim war eine eingleisige Nebenbahn in Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieseltriebzug der Baureihe 614 im Bahnhof Kelheim im Juli 1975

Bei der Planung der zwischen 1869 und 1874 errichteten Donautalbahn in Bayern war die genaue Streckenführung zunächst umstritten. Die Städte Kelheim und Abensberg bestanden beide auf einem direkten Bahnanschluss. So ließ das Gesetz über den Bahnbau vom 29. April 1869 die genau Linienführung offen. Die Kelheimer Variante hätte allerdings den Bau eines teuren Tunnels parallel zum Donaudurchbruch bei Weltenburg erfordert, weshalb schließlich Abensberg den Zuschlag bekam. Als Ausgleich wurde eine 5,5 km lange Stichbahn zwischen Saal a. d. Donau und Kelheim gebaut, die am 15. Februar 1875 eingeweiht wurde.[1][2]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in den Stations- und Streckenverzeichnissen im Jahre 1938 noch als Affecking aufgeführte Haltepunkt hieß im Kursbuch 1944 (und auch noch 1976) Kelheim Ost.

Werkslok der Zellstofffabrik Kelheim 1979

Vom Endbahnhof Kelheim führte ein Anschlussgleis weiter zum damaligen Donauhafen, der in den Streckenverzeichnissen als Station Kelheim Donauumschlagstelle aufgeführt war. In diesem Bereich des heutigen Donauparks lag auch das Zellstoff-Werk der Papierwerke Waldhof-Aschaffenburg, das sein Gelände mit einer eigenen Werksbahn bediente und so für regen Güterverkehr sorgte. Noch Ende der 1970er Jahre waren hier zwei Dampf-Rangierloks im Einsatz, die beide heute noch existieren. Nr. 1 befindet sich heute bei der Dampflok-Gemeinschaft 41 096[3], Nr. 2 ist über die Museumsbahn Dollnstein–Rennertshofen in das Bayerische Eisenbahnmuseum in Nördlingen gelangt.

Der Personenverkehr war zeitweise rege. 1944 verkehrten acht Zugpaare. 1963 verkehrten werktags 16 Zugpaare als Triebwagen mit 2. Klasse, vier davon durchgängig von und nach Regensburg. Ab den 1970er Jahren fuhren bis zur Stilllegung 1988 nur noch drei Zugpaare mit dem VT 614 zu für den Berufs- und Schülerverkehr unattraktiven Zeiten.[4]

1978 wurde mit dem Main-Donau-Kanal ein Industriehafen errichtet, der für regen Güterverkehr sorgt.[2]

Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Mai 1988 wurde der Personenverkehr eingestellt.[5]

Durch den Konkurs des Zellstoffwerks 1993[6] entfiel der Güterkunde am Streckenende. Folglich wurde die Bedienung ab dem Anschluss der Zellwolle-Fabrik am 2. Januar 1997 eingestellt.

Auf einen Antrag vom 2. Dezember 1997 wurden diese 5,0 km der Strecke am 28. Februar 1998 vom Eisenbahnbundesamt offiziell stillgelegt.[5] Lediglich die 500 Meter ab dem Bahnhof Saal (Donau) blieben als Anschlussgleis zur Zellwolle-Fabrik der Firma Kelheim Fibres und zum Kanalhafen in Betrieb.[7]

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute sind noch stets einige Gleise vorhanden. Auf dem Gelände der Zellstofffabrik entsteht das Gewerbe- und Wohngebiet Donaupark[8]. In das Empfangsgebäude des Bahnhofs Kelheim ist im Jahr 2002 die Polizeiinspektion eingezogen.[9] Auf dem verbliebenen Reststück sorgen die Zellwolle-Fabrik und der Verkehr vom Kalkwerk Saal zum Kanalhafen weiterhin für einen regen Güterverkehr.

Der öffentliche Personennahverkehr wird mit mehreren Buslinien der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Kelheim durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus-Ulrich Gimbal: Die Hauptbahnen im Raum Regensburg, in Regensburger Eisenbahnfreunde RSWE e.V. (Hrsg.): Eisenbahnknoten Regensburg 140 Jahre Schienenverkehr in der Domstadt, 2000, transpress verlag, Stuttgart, Seite 62
  • Historische Nebenbahnen in der Oberpfalz und Niederbayern. Geschichte und Geschichten um fast vergessene Zugstrecken der Eisenbahn in Ostbayern. Das Buch zur MZ-Serie. H. Gietl Verlag Regenstauf und Mittelbayerische Zeitung Regensburg 2013, ISBN 978-3-86646-556-5, Seite 85ff

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried Bufe: „Eisenbahn in Niederbayern“, S. 8, 2. Aufl. 1986, Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham
  2. a b Klaus-Ulrich Gimbal: Die Hauptbahnen im Raum Regensburg, in Regensburger Eisenbahnfreunde RSWE e.V. (Hrsg.): Eisenbahnknoten Regensburg 140 Jahre Schienenverkehr in der Domstadt, 2000, transpress verlag, Stuttgart
  3. Website der Damplokgemeinschaft 41 096
  4. zum Beispiel im Kursbuch 1976: Abfahrten in Kelheim nach Regensburg werktags außer Samstag um 10:20, 12:36 und 16:36 Uhr
  5. a b Urs Kramer, Matthias Brodkorb: Abschied von der Schiene. Güterstrecken 1994 bis heute. transpress Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-71333-8, Seite 122.
  6. Eintrag Zellstofffabrik Waldhof, Werk Kelheim bei www.albert-gieseler.de
  7. Eisenbahnbundesamt: Liste der stillgelegten Strecken in Bayern (seit 1. Januar 1994) (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eba.bund.de (xls), abgerufen am 5. Dezember 2013
  8. Website der Entwicklungsgesellschaft Donaupark
  9. Polizeiinspektion Kelheim, Projektbericht des Staatlichen Bauamts Landshut