Ballonkredit

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Der Ballonkredit (oder Schlussratenkredit) ist im Bankwesen ein Konsumkredit, dem unterschiedlich hohe Tilgungsraten zugrunde liegen.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Ballonkredit handelt es sich um einen Ratenkredit, dessen Tilgungsraten nicht gleichmäßig über die Kreditlaufzeit verteilt sind und die letzte Tilgungsrate („Schlussrate“) meist die höchste aller vorangegangenen Tilgungsraten darstellt. Die letzte Rate kann sogar auch 100 % betragen,[1] dann handelt es sich faktisch um einen endfälligen Kredit. Die letzte Rate ist die Restschuld, die auch als „Ballon“ bezeichnet wird.[2] Hieraus leitet sich der Begriff „Ballonkredit“ ab. Er wurde aus der angelsächsischen Fachsprache entlehnt (englisch balloon, „Ballon“), wo er Tilgungsanleihen bezeichnet, deren letzte Tilgungsrate wesentlich höher ist als die vorausgegangenen Tilgungsraten.[3]

Ballonkredite sind Anschaffungskredite zur Finanzierung von Konsumgütern, meist Personenkraftwagen.

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ballonkredite sind Verbraucherdarlehen nach § 492 BGB, die der Schriftform bedürfen und deren Mindest-Vertragsinhalt in Art. 247 §§ 6 bis 13 EGBGB vorgeschrieben ist. Nach der Auszahlung des Darlehens kann der Kreditnehmer mit dem Kreditbetrag das Kaufobjekt (meist Personenkraftwagen) bezahlen, erwerben und wird dessen Eigentümer. Dadurch trägt der Kreditnehmer das Wertminderungsrisiko. Üblich ist die Sicherungsübereignung oder Sicherungsübereignung von Kraftfahrzeugen als Kreditsicherheit. Dabei behält der Kreditnehmer wirtschaftliches Eigentum.

Wirtschaftliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Finanzinnovation des Ballonkredits ist durch Autobanken entwickelt worden und ähnelt dem Leasing. Wesentlicher Unterschied ist, dass der Leasingnehmer lediglich Besitzer des Leasingobjektes und nicht dessen wirtschaftlicher Eigentümer wird. Am Ende der Kreditlaufzeit verbleibt eine kalkulierte Restschuld, die mit dem Restwert beim Leasing vergleichbar ist.[4] Diese Restschuld ist nämlich so kalkuliert, dass sie den erwarteten Verkehrswert des Fahrzeuges nicht übersteigt.[5] Der Kreditnehmer kann diese Restschuld in Form der Schlussrate entweder durch Tilgung begleichen, hierfür eine Anschlussfinanzierung suchen oder das Fahrzeug am Ende der Kreditlaufzeit verkaufen und den Kaufpreis zur Tilgung der Restschuld verwenden.[6]

Durch die späte Rückzahlung eines großen Teiles der Kreditsumme sind einerseits die laufenden Raten niedrig, andererseits erhöht dies für den Gläubiger das Ausfallrisiko, weshalb verhältnismäßig hohe Zinssätze zur Anwendung kommen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konrad Wimmer/Eugen Caprano, Finanzmathematik, 2013, S. 107
  2. Michael Rieger (Hrsg.), Kosten sparen durch innovatives Fuhrparkmanagement, 2003, S. 116
  3. Karlheinz Müssig (Hrsg.), Gabler Bank-Lexikon, 1988, Sp. 230
  4. Michael Rieger (Hrsg.), Kosten sparen durch innovatives Fuhrparkmanagement, 2003, S. 116
  5. Siegfried W. Kerler, Fuhrpark und Flotte, 2003, S. 45
  6. Michael Rieger (Hrsg.), Kosten sparen durch innovatives Fuhrparkmanagement, 2003, S. 116