Bananenfrauen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die «Bananenfrauen» besprechen 1977 eine Bananenaktion in Frauenfeld
Bananen mit Aufpreis für Fairness im Handel

Die Bananenfrauen, initiiert von der Pfarrfrau und Thurgauer Grossrätin Ursula Brunner, waren eine Gruppe von Frauen in Frauenfeld (Schweiz), die unter der Prämisse der Gerechtigkeit einen Mehrpreis für Bananen zugunsten der Bananenproduzenten in Entwicklungsländern (besonders in Nicaragua) durchsetzten. Aus dieser Bewegung ging Ende der 1980er-Jahre der schweizerische Fairhandelsimporteur gebana hervor.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Motto der Frage „Warum ist eine Banane billiger als ein Apfel?“ sensibilisierten die Bananenfrauen ab den 1970er Jahren die Öffentlichkeit für die Problematik des Welthandels und die sozialen und ökologischen Missstände im Bananenanbau. Sie forderten von den Schweizer Detailhandelsketten, v. a. der Migros, einen Aufpreis auf Bananen, welcher den Produzenten zugutekommen sollte.[2][3]

Die Bananenfrauen verkauften zunächst „konventionelle“ Chiquita-Bananen mit einem Aufpreis, der sozialen Projekten in den Herkunftsländern zufloss. Ihre Bananen markierten sie ab 1973 mit einem Symbol, einem Aufkleber mit einer schwarzen Hand. Sie waren somit Vorreiterinnen einer Entwicklung, die zum Fairtrade-Gütesiegel führte.[4] Später importierten sie selbst Bananen aus Nicaragua („Nicas“) und führten die Kampagne „Nicas statt Chiquitas“ ein.[5] Die Bananenfrauen gelten als Wegbereiterinnen des „Fairen Handels“ in der Schweiz.[6]

Mit der Gründung der Max-Havelaar-Stiftung (Schweiz) und der Einführung zertifizierter fair gehandelter Bananen in den großen Detailhandelsketten 1997 empfanden sich die Bananenfrauen als „überflüssig“. Ihr Wirken lebte in der 1988 gegründeten Nachfolgeorganisation Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel (gebana) und dem ihr angeschlossenen Verein gebana/terrafair fort.[7] 1998 wurde die Arbeitsgemeinschaft von einer Züricher Aktiengesellschaft übernommen, die fairen Handel mit Bio-Soja aus Brasilien und anderen Landwirtschaftsprodukten aus dem globalen Süden betreibt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ursula Brunner: Bananenfrauen. Huber, Frauenfeld, Stuttgart, Wien 1999, ISBN 3-7193-1171-6.
  • Anne-Marie Holenstein: Bananenfrauen 1972–1973, in: Anne-Marie Holenstein, Regula Renschler, Rudolf Strahm: Entwicklung heisst Befreiung. Erinnerungen an die Pionierzeit der Erklärung von Bern (1968–1985), Chronos Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-0340-0917-1, S. 60–67.
  • Nadine Arnold: Standardisierungsdynamiken im fairen Handel. Die Entwicklung des Schweizer Fair Trade Feldes und dessen Standards, Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-14629-0, über die Bananenkampagnen der Bananenfrauen: S. 83–130.
  • Andrea Franc: Von der Makroökonomie zum Kleinbauern. Die Wandlung der Idee eines gerechten Nord-Süd-Handels in der schweizerischen Dritte-Welt-Bewegung (1964–1984), De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2020, ISBN 978-3-11-066355-6, Kapitel: Bananenfrauen und Dritte-Welt-Läden: von der Systemkritik zum Konsum, S. 147–154.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Titel «hartnäckig & unverfroren: Bananenfrauen» fand 2013/2014 eine Jubiläumsausstellung in der Stadtgalerie Baliere in Frauenfeld statt.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patrick Schenk, Georg Sunderer, Jörg Rössel:  Sind Deutschschweizer altruistischer als Deutsche? Ein Vergleich des Konsums fair gehandelter Produkte in Deutschland und der Schweiz, in: Berliner Journal für Soziologie; Band. 26, Ausgabe 2/Juni 2016, S. 153. doi:10.1007/s11609-016-0312-4
  2. Bananenfrauen. Bericht des Schweizer Fernsehens zur Pionierzeit der Bananenfraue. In: Youtube. SRF, abgerufen am 15. Juli 2022 (deutsch, Schweizer Hochdeutsch).
  3. Irene Grüter: Ursula Brunner, die «Bananenfrau». In: SRF: Schweizer Radio und Fernsehen. 25. Dezember 2016, abgerufen am 15. Juli 2022.
  4. Andrea Franc: Von der Makroökonomie zum Kleinbauern Die Wandlung der Idee eines gerechten Nord-Süd-Handels in der schweizerischen Dritte-Welt-Bewegung (1964–1984), De Gruyter Oldenbourg 2020, ISBN 978-3-11-066355-6, S. 150.
  5. Christof Lampart: Ihnen ist die Banane nicht Banane, Tagblatt, 4. Dezember 2013
  6. Konrad Kuhn: Diese Banane verändert Ihr Bewusstsein. Wie in Frauenfeld die Schweizer Fair-Trade-Bewegung entstand. Die Zeit Nr. 45/2020, online 1. November 2020
  7. Valerie Zaslawsk: Dem fairen Handel den Weg geebnet. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. August 2013 (nzz.ch – Registrierung notwendig).
  8. Das Erbe der «Bananenfrauen», NZZ, 17. September 2011
  9. Bananenfrauen: Letztes Referat über Fair-Trade, Tagblatt, 4. Februar 2014