Bastien und Bastienne

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Werkdaten
Titel: Bastien und Bastienne
Originalsprache: Deutsch
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto: Friedrich Wilhelm Weiskern,
Johann Heinrich Müller,
Johann Andreas Schachtner
Uraufführung: 1768 (vermutlich)
Ort der Uraufführung: Schloss Rothmühle in Schwechat bei Wien oder Palais Mesmer in Wien Landstraße (vermutlich)
Spieldauer: ca. 1 Stunde
Ort und Zeit der Handlung: Ein Dorf im 18. Jahrhundert
Personen

Bastien und Bastienne, KV 50 (46 b), ist eines der frühesten Singspiele von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Werk wurde angeblich vom Wiener Arzt Franz Anton Mesmer in Auftrag gegeben und entstand 1767/68, als Mozart 12 Jahre alt war. Die Uraufführung fand vermutlich 1768 im Gartentheater des Palais Mesmer in Wien Landstraße oder in Mesmers Schloss Rothmühle in Schwechat bei Wien statt, die erste nachweisbare Aufführung war am 2. Oktober 1890 im Architektenhaus in Berlin.

Das Singspiel besteht aus einem Akt und wurde in deutscher Sprache verfasst. Leopold Mozart nannte es Operetta, für den Librettisten Friedrich Wilhelm Weiskern war es „eine Französische Operacomique“. Dieses Genre war damals sehr in Mode.

Der von Mozart vertonte, selbst zusammengestellte Text stammt in der Hauptsache von Friedrich Wilhelm Weiskern; dazu verwendete Mozart Passagen von Johann Heinrich Müller und Johann Andreas Schachtner. Insgesamt basiert der Text der Partitur auf dem bearbeiteten Libretto Marie Justine Benoîte Favarts, Charles Simon Favarts, und Harny de Guervilles Les amours de Bastien et Bastienne, einer Parodie auf Jean-Jacques Rousseaus einaktige Oper Le devin du village (Der Dorfwahrsager).[1]

Die in der Pariser Comédie-Italienne mit dauerhaftem Erfolg 1753 herausgebrachte Parodie von Rousseaus naiver Oper übertrug deren sentimentalen Grundton in das (u. a. auch durch die Jahrmarkttheater) beliebte Genre der Opernparodie. Justine Favart gelang dabei durch geschickte Wahl der Melodien und eine realistisch-ländliche Textgestaltung in einem dem nordfranzösischen Patois nachempfundenen Bühnendialekt eine Steigerung des Ausdrucksgehalts, beispielsweise wenn Bastienne sich über den Rat des Wahrsagers lustig macht, dass die verlassene Geliebte ihrem reuigen Verehrer die kalte Schulter zeigen solle. In der deutschen Fassung ist solche Komik allerdings wieder verschwunden. Die harmlose, anrührende Handlung entsprach dem Zeitgeist des Rokoko, dem Bedürfnis nach Einfachheit und Natürlichkeit.

Autographe Partitur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mozarts Originalpartitur der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek Berlin war nach dem Zweiten Weltkrieg verschollen, bis sie in der Jagiellonischen Bibliothek Krakau wiederentdeckt wurde. Die Neue Mozart-Ausgabe konnte sie in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts noch nicht benutzen, sondern verwendete die Abschrift nach Mozarts Handschrift des Mozartforschers Otto Jahn.[2]

Orchesterbesetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schäferin Bastienne aus dem Dorfe besucht den Dorfwahrsager Colas. Sie bittet ihn um Rat, denn sie befürchtet, ihren Liebhaber Bastien an eine Dame der Stadt zu verlieren. Colas rät ihr, sich zu benehmen, „wie die Damen in der Stadt“, nämlich, sich ihm gegenüber gleichgültig zu verhalten und im übrigen ein „munteres Wesen“ anzunehmen.

Kurze Zeit später besucht Bastien seinerseits den Zauberer und teilt diesem mit, dass er bald seine Geliebte Bastienne heiraten möchte. Der schlaue Dorfwahrsager erzählt ihm jedoch, dass sich diese bereits in jemand anderen verliebt hätte und für ihn das „Weinlesen“ vorbei sei. Bastien kann das erst gar nicht glauben und bittet Colas schließlich auch um Rat, wie er seine Bastienne wieder zurückgewinnen könne. Colas befragt sein Zauberbuch, wobei er eine Arie mit einem Gemisch aus sinnlosen Silben und italienischen und lateinischen Wortfetzen singt, die auf den gutgläubigen Bastien aus dem Dorfe einen großen Eindruck macht. Er glaubt an Hexerei und fürchtet sich. Colas macht ihm Hoffnung, aber rät ihm, sein Glück in Zukunft besser in Acht zu nehmen.

Als Bastien Bastienne begegnet, zeigt diese ihm die kalte Schulter und prahlt mit Verehrern aus der Stadt. Er gerät vor Eifersucht außer sich, beschwört „Messer, Dolch und Strick und droht, in den Bach zu laufen, um sich zu ertränken“, wobei sie ihm „viel Glück zum kalten Bad“ wünscht. Schließlich sagt Bastien, er sei „kein guter Schwimmer“ und gibt diesen Gedanken auf. Die schrittweise Verwirrung und Wieder-Versöhnung findet anhand zunehmend dramatisch-dialogischer und -musikalischer Gestaltung statt, darunter einem Recitativo accompagnato „Dein Trotz vermehrt sich durch mein Leiden?“ Bastiens. Gegenseitig prahlen sie mit ihren Liebhabern beziehungsweise Liebhaberinnen aus der Stadt. Als Bastien Bastienne an die schöne gemeinsame Zeit erinnert und ihr seine Liebe gesteht, kann er sie endlich doch rühren. Die beiden umarmen sich innig und danken Colas für seine Hilfe zu ihrer Wiedervereinigung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bastien und Bastienne, Singspiel in einem Akt. Libretto: Friedrich Wilhelm Weiskern, Johann H. F. Müller und Johann Andreas Schachtner. KV 50 (46 b). Klavierauszug nach dem Urtext der Neuen Mozart-Ausgabe, Bärenreiter Kassel, usw. 2013. Vorwort von Rudolph Angermüller 2001 ISMN 979-0-006-50490-9.
  • Von Mozart vertonter Text Bastien und Bastienne, online: [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Text der Partitur in: Hugo Blank: Rousseau - Favart - Mozart. Sechs Variationen über ein Libretto in: (Hans-Joachim Lope (Hrsg.): Studien und Dokumente zur Geschichte der Romanischen Literaturen, Bd. 38. Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt a. M. usw. 1999, ISBN 3-631-35308-1), S. 231 ff.
  2. Siehe dazu den Kritischen Bericht der Neuen Mozart-Ausgabe (Weblinks).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]