Bauerngarten

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Bauerngarten im Botanischen Garten, Hamburg

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts stand der Begriff Bauerngarten ganz allgemein für Gärten, die von Bauern angelegt und bewirtschaftet wurden. Dann wurde der Begriff für einen bestimmten Stil von Hausgärten verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Sperl: Mädchen im Bauerngarten, um 1885
Gustav Klimt (1862–1918): Bauerngarten mit Kruzifix, 1911–1912. Das Bild verbrannte 1945

Entsprechend dem sozialen und wirtschaftlichen Stand der Bauern fanden Nutzpflanzen für Haus-, Hof- und Stalltiere in einem höheren Maß Berücksichtigung, als etwa reine Zierpflanzen und eine Ordnung nach ästhetischen Prinzipien. In der darstellenden Kunst wurde der Bauerngarten gern als ungepflegt im Sinne einer idyllischen Wildnis verklärt. Eine wissenschaftlich definierte eigenständige Gartenform war er nie.

Mit der Schrift Flora der Bauerngärten in Deutschland von Anton Kerner aus dem Jahr 1855 wurde der Begriff des „Bauerngartens“ als Typus eingeführt. Der entsprach allerdings nicht einer gärtnerischen Realität, sondern gründete mehr in „tümelnden“ romantischen Vorstellungen des späten 19. Jahrhunderts. Die Idee verselbständigte sich, so dass erstmals 1913 ein scheinbar authentisch nachempfundener Bauerngarten im Botanischen Garten Hamburg Einzug hielt.[1]

Bauerngärten vor 1900 entsprachen nicht dem Bild, das heute von Bauerngärten vermittelt wird. Manchmal reichten Ackerflächen bis dicht ans Haus heran, oft mit eingestreutem Obst, oder es wurden Freiflächen für das Vieh vorbehalten. Die Anlage der Gärten wurde durch die Gärten der Klöster, der Lehrer, Pastoren und Apotheker beeinflusst. Eine einheitliche Form der Gartengestaltung gab es vor der Konstruktion des idealen Bauerngartens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, beim Übergang zum Industrie-Zeitalter, waren es die Stadt und deren Bürgertum, die dem privaten Garten eine neue Bedeutung zukommen ließen. Dem einen war er das „Idyll“ mit Blumen, geschnittenen Hecken und Gartenlaube, dem anderen ermöglichte er es, für sich Kräuter, Obst und Gemüse anzubauen. Angesichts zunehmender Verstädterung, des Wachsens der Industrie, das mit zunehmender Umweltverschmutzung einherging, kam es zu rückwärtsgewandten, verklärenden Fantasien, auch hinsichtlich angeblich überkommener Bauerngärten.

Bauerngarten Hamburger Art[2][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauerngarten beim Museum Rieck-Haus in Vierlanden in Hamburg
Museumsgarten Vogtsbauernhof im Schwarzwald

Der Bauerngarten im Botanischen Garten Hamburg wurde mit dem Ziel errichtet, auf relativ kleiner Fläche einen idealen Bauerngarten darzustellen und Pflanzen sowohl nach ihrer biologischen Kategorie (Kräuter, Gemüse, Obst etc.), als auch nach ästhetischen Prinzipien zu ordnen. Der Bauerngarten Hamburger Art zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  1. die überwiegende Anpflanzung von Gemüse und Kräutern,
  2. eine rechteckige oder quadratische Anlage mit einem Wegekreuz und
  3. eine Einfriedung, meist durch einen Zaun, manchmal durch eine Mauer oder eine Hecke.

In der Mitte des Wegekreuzes befindet sich oft ein Rondell, häufig mit einer Wasserstelle, oder ein rundes Blumenbeet oder ein kleiner Baum. Buchsbaumhecken zur Einfassung der Beete oder des gesamten Gartens sind ebenfalls typisch. Meistens werden auch Blumen, häufig Stauden, angepflanzt. Zur Ausstattung eines Bauerngartens gehört in vielen Fällen auch Beerenobst, zuweilen finden sich an seiner Nordseite Obstbäume. Bauerngärten sind fast immer geometrisch angelegt und weisen eine klare Struktur auf.

An Stelle authentischer Vorbilder bediente man sich aus nahezu allen Richtungen der Gartenkultur. Bis ca. 1900 sind Gärten dieser Art nirgends nachweisbar, sie sind also entgegen weit verbreiteten Darstellungen und Beschreibungen keine traditionelle Gartenform. Viele heutige Bauerngärten sind identische oder weiterentwickelte Kopien des Hamburger Muttergartens.

Insofern ist der Bauerngarten eine Inszenierung für pädagogische Zwecke, dessen Anlage und Unterhaltung entsprechendes Wissen und großen Aufwand verlangen. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass sich Bauerngärten dieser Art im Bereich der Privatgärten zunächst kaum durchsetzen konnten.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zahlreichen bunt bebilderten Veröffentlichungen moderner und bisweilen romantisierender Abwandlungen kam es seit den 1980er Jahren in Deutschland zu einer kleinen Renaissance des Bauerngartens. Solche oder ähnliche Gartenformen wurden nun auch in privaten Kleingärten nachgebaut. Dazu beigetragen haben Bauerngärten in Freilichtmuseen und entsprechenden Anlagen die für den Fremdenverkehr angelegt wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

alphabetisch geordnet

  • Renate Brockpähler (Hrsg.): Bauergärten in Westfalen. Berichte aus dem Archiv für westfälische Volkskunde. Mit Fotos von Dieter Rensing. 1984 (Volltext als PDF)
  • H. W. Haase: Der Bauerngarten in den Vierlanden. In: Lichtwark 24. Hrsg.: Lichtwark-Ausschuß 1962. ISSN 1862-3549.
  • Karin Hochegger: Der Bauerngarten. Ulmer Stuttgart 2003.
  • Janke/Dominka/Scholze: Der Dorfschullehrergarten- Muesser Blätter des Freilichtmuseums Schwerin-Muess 2003.
  • Hermann Kaiser (Hrsg.): Bauerngärten zwischen Weser und Ems. 2. Aufl. Cloppenburg 2001.
  • Anton Kerner: Flora der Bauerngärten in Deutschland. In: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien, 5, 1855, S. 787–826.
  • Hans-Helmut Poppendiek: Der erste Museums-Bauerngarten. In: Die Gartenkunst 4 (1/1992), S. 79–101.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cottage gardens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bauerngarten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Poppendieck, S. 79f.
  2. Poppendieck.