Vierlande

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Lage der Vierlande

in Hamburg

Pincerno - Vierlande 11-2008.PNG
Basisdaten Vierlande
Staat: Deutschland
Bundesland: Hamburg
Bezirk: Hamburg-Bergedorf

Vierlande nennt man ein etwa 77 Quadratkilometer großes Gebiet im Hamburger Bezirk Bergedorf mit 18.419 Einwohnern[1], das aus vier Stadtteilen besteht.

Der Name geht auf das Jahr 1556 zurück und bezeichnet die vier Kirchspiele Curslack, Kirchwerder, Neuengamme und Altengamme, die mit den heutigen Stadtteilen identisch sind.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vierlande bestehen aus ehemaligen Flussinseln im Urstromtal der Elbe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Vierlande um 1790
Jacob Alberts Diele aus Vierlanden

Die Bewohner der Vierlande waren freie Bauern, aber das ganze Gebiet wechselte häufiger den Besitzer: Ab dem 12. Jahrhundert gehörte das Gebiet den Herzögen von Sachsen-Lauenburg, wurde von diesen aus Geldmangel an die Hansestädte Hamburg und Lübeck verpfändet und 1401 ohne Rückzahlung der Pfandsumme gewaltsam wieder in Besitz genommen. Von den beiden Städten wurden die Vierlande aber zusammen mit Bergedorf und Riepenburg 1420 zurückerobert und aufgrund des Vertrages von Perleberg lange Zeit gemeinschaftlich verwaltet, seit 1868 dann nur noch von Hamburg. Ein Teil Kirchwerders blieb jedoch bis zum Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes im Jahr 1938 eine Exklave des preußischen Landkreises Harburg.

Altengamme wird 1188 erstmals erwähnt, Neuengamme („Neue Insel“) und Kirchwerder 1212, Curslack 1217.

Tracht der Vierländer Bäuerinnen

Deichbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vierlande 1898

Erste Eindeichungen wurden im Zuge der Urbarmachung im 12. Jahrhundert vorgenommen.

Im 14. Jahrhundert begann Hamburg, die Süderelbe ein- und die Gose Elbe und Dove Elbe abzudeichen, um die Vierlande, die zum Staatsgebiet gehörten, vor Hochwasser zu schützen. Dabei wurde auch der Flusslauf der Elbe begradigt, und es floss mehr Wasser durch die Norderelbe. Dies ermöglichte wiederum, dass Seeschiffe den Hamburger Hafen anlaufen konnten, während der an der Süderelbe liegende Hafen von Harburg zunehmend versandete. Daraufhin kam es prompt zu einem Konflikt mit Lüneburg, der mehrere Jahrhunderte andauerte. So überfielen beispielsweise im Jahre 1620 Soldaten der braunschweigisch-lüneburgischen Herzöge das Kirchspiel Kirchwerder und beseitigten einen frisch geschaffenen Deich. Der Flusslauf der Elbe verblieb jedoch im neu geschaffenen Bett, so dass diese Aktion erfolglos verlief.

Die Vierlande werden meist zusammen mit den Marschlanden genannt („Vier- und Marschlande“), die Moorfleet, Billwerder, Spadenland, Tatenberg, Allermöhe, Neuallermöhe (seit 1. Januar 2011), Reitbrook und Ochsenwerder umfassen.

1333 wurde die zu Ochsenwerder gehörende Insel Moorwerder mit Stillhorn, die durch den ab Bunthäuser Spitze in Norder- und Süderelbe getrennten Fluss entstand, eingedeicht. Diese Insel ist derweil fest mit dem zwischen Norder- und Süderelbe gelegenen Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg verbunden, zu dem es heute gehört.

Billwerder, Spadenland, Tatenberg und Moorfleet wurden schon Ende des 14. Jahrhunderts von Hamburg erworben.

Die „Vier- und Marschlande“ gehören heute zum Bezirk Bergedorf (ein Ortsamt gab es bis zum 31. März 2008 in Allermöhe).

Blumen und Gemüse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landwirtschaft begann im 17. und 18. Jahrhundert mit dem Anbau von Gerste und Hopfen. Heute werden Blumen, Obst und Gemüse verschiedenster Gattungen kultiviert.

Die Vierländer Bauern haben ihre Produkte schon seit jeher auf den Hamburger Märkten verkauft. Eine Vierländer Bäuerin bildete das Motiv für die Brunnenfigur des Marktbrunnens auf dem Meßberg. Heute steht der Vierländerin-Brunnen auf dem Hopfenmarkt vor der Ruine der Nikolaikirche. (Siehe auch: Geschichte des Großmarktes)

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kokerwindmühle zur Entwässerung beim Rieckhaus
Rieckhaus

Das Rieckhaus im Baustil eines Fachhallenhauses ist ein Freilichtmuseum in Curslack. Es gehört zur Bergedorfer Museumslandschaft, die auch das Regionalmuseum „Museum für Bergedorf und die Vierlande“ im Bergedorfer Schloss führt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Torkild Hinrichsen: Natur - Kultur. Ein Lehrstück aus den Vierlanden. In: Lichtwark-Heft Nr. 72, Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf 2007, ISSN 1862-3549.
  • Harald Richert: Hutständer - eine Besonderheit der Vierländer Kirchen. In: Lichtwark-Heft Nr. 69, Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf 2004, ISSN 1862-3549.
  • H. Schween: Zur Geschichte der Vierlande. In: Lichtwark Nr. 11., 1. Jahrg., Hrsg. Lichtwark-Ausschuß, Bergedorf 1949. Siehe jetzt: Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf.
  • Achim Sperber: Vier- und Marschlande, Land hinterm Deich. Hans Christians Verlag, Hamburg 1981, ISBN 3-7672-0734-6.
  • Ludwig Uphoff: Die Vierlande und der Vierländer. In: Lichtwark Nr. 7, Hrsg. Lichtwark-Ausschuß, Bergedorf 1953. Siehe jetzt: Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf.
  • Kulturbehörde/Denkmalschutzamt Hamburg (Herausgeber): Vier- und Marschlande. Hans Christians Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-7672-0969-1.
  • Hamburger Sparkasse (Herausgeber): Hamburg von Altona bis Zollenspieker. Hoffmann und Campe, Hamburg 2002, ISBN 3-455-11333-8.
  • Gundula Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Hamburg. Husum-Verlag, Husum 2002, ISBN 3-89876-036-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quelle Statistisches Amt, Jahr 2009