Begabtenförderungswerk
Die Begabtenförderungswerke sind in der Bundesrepublik Deutschland 13 Institutionen, die finanziert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit Stipendien hochqualifizierte und verantwortungsbewusste Persönlichkeiten heranbilden sollen, welche zentrale Positionen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen sollen und sich dadurch in den Dienst der Allgemeinheit stellen.[1]
Die Förderung erfolgt sowohl in finanzieller Form als auch durch Seminare, Workshops, Akademien, Auslandsförderung, persönliche Mentoring-Programme, Vernetzungsmöglichkeiten und Sprachreisen. Diese Angebote sollen den interdisziplinären Austausch, das gesellschaftliche Engagement, die Persönlichkeitsentwicklung und die Führungsqualitäten der Stipendiaten fördern.
Die Bundesregierung versteht es als Investition in die Zukunft des Landes, wenn besondere Begabungen junger Menschen frühzeitig erkannt und nachhaltig gefördert werden. Rund 270 Mio. Euro wendet das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt jährlich für die Begabtenförderung auf. Die Bundesregierung förderte dadurch im Jahr 2024 31.000 Studierende und damit 1 % aller Studierenden an den Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland.[1]
Liste der Begabtenförderungswerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Folgende dreizehn Begabtenförderwerke vergeben Stipendien aus Mitteln des BMBF:[2]
- Avicenna-Studienwerk (muslimisch)
- Cusanuswerk – Bischöfliche Studienförderung (katholisch)
- Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (jüdisch)
- Evangelisches Studienwerk Villigst (evangelisch)
- Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah)
- Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP-nah)
- Hanns-Seidel-Stiftung (CSU-nah)
- Hans-Böckler-Stiftung (gewerkschaftsnah)
- Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis-90/Die-Grünen-nah)
- Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU-nah)
- Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die-Linke-nah)
- Stiftung der Deutschen Wirtschaft und Studienförderwerk Klaus Murmann (unternehmer- bzw. arbeitgebernah)
- Studienstiftung des deutschen Volkes (politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig)
Einige dieser Stiftungen werden als parteinah bezeichnet. Diese Stiftungen sind zwar formal selbständig, wurden aber aus den Reihen der jeweiligen Partei heraus gegründet, um deren Ziele durch Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen.
Die Begabtenförderungswerke sollen die Vielfalt der deutschen Gesellschaft widerspiegeln, indem sie die verschiedenen weltanschaulichen, religiösen, politischen, wirtschafts- oder gewerkschaftsorientierten Strömungen in Deutschland abbilden.[3]
Es gibt auch weitere staatliche Stipendien, die aber kein Begabtenförderungswerk darstellen, wie z. B. das Max-Weber-Programm. Da das Max-Weber-Programm vom Freistaat Bayern nur finanziert, aber von der Studienstiftung des deutschen Volkes durchgeführt wird, überschneidet sich die ideelle Förderung zum größten Teil mit der der Studienstiftung des deutschen Volkes. Im Gegenzug ist hier eine Doppelförderung (wenn auch finanziell nur eingeschränkt) durch ein Begabtenförderungswerk möglich.[4]
Höhe der Förderung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Höhe der finanziellen Förderung richtet sich im Allgemeinen nach den individuellen finanziellen Verhältnissen, ist im Vergleich der Werke jedoch identisch, da die Finanzmittel der Stipendien in allen Fällen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bereitgestellt werden, welches daher auch das Berechnungsregelwerk vorgibt. Studierende erhalten danach ein Grundstipendium von bis zu 855 Euro im Monat, das in Anlehnung zum BAföG abhängig vom eigenen Einkommen und Vermögen sowie vom Einkommen der Eltern berechnet wird. Zusätzlich erhalten sie eine Studienkostenpauschale in Höhe von 300 Euro im Monat. Promovierende erhalten bis zu 1.450 Euro pro Monat (Zuschüsse für Familien und Krankenkassenbeiträge sind möglich).[5]
Die Begabtenförderungswerke unterscheiden sich aber in der Art der Auswahl ihrer Stipendiaten sowie in Art und Angebot der ideellen Förderung – dem Bildungsprogramm.
Umfang der Förderung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan setzte sich zu Beginn ihrer Amtszeit die Erhöhung des Anteils der von Begabtenförderungswerken geförderten Studenten zum Ziel und stellte zusätzliche Mittel bereit. Diese Maßnahme war komplementär zu den ungefähr gleichzeitig eingeführten Studiengebühren gedacht. Einige Universitäten erlassen Stipendiaten der Begabtenförderungswerke auch die Studiengebühr. An vielen Universitäten wird über eine solche Maßnahme nachgedacht.
Begabtenförderungswerke in Österreich und der Schweiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Österreich haben Begabtenförderungswerke nicht den gleichen Stellenwert wie in Deutschland. Das 1966 gegründete Studienförderungswerk Pro Scientia ist eine vergleichbare Einrichtung.[6] Im Jahr 2019 hat die Österreichische Akademie der Wissenschaften die Österreichische Studienstiftung als Pilotprojekt gestartet.[7]
In der Schweiz wurde 1991 die Schweizerische Studienstiftung gegründet.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Portal der dreizehn vom BMBF unterstützten Begabtenförderungswerke
- Bayerns Elitenetzwerk
- Zusätzliche Nebenbestimmungen zur Förderung begabter Studierender sowie begabter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler des BMBF
- Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage zu den Förderaktivitäten der Begabtenförderungswerke, BT-Drucks. 19/6324 vom Dezember 2018
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Begabtenförderungswerke. Bundesministerium Forschung, Technologie und Raumfahrt, abgerufen am 26. Januar 2026.
- ↑ Begabtenförderungswerke. In: stipendium plus. Arbeitsgemeinschaft der Begabtenförderungswerke der Bundesrepublik Deutschland, Geschäftsführung Studienstiftung des deutschen Volkes e. V., abgerufen am 12. Juni 2025.
- ↑ Redaktion: Referat LS 4 - Öffentlichkeitsarbeit, Internet: Die Begabtenförderungswerke - Bildung - BMBF. Archiviert vom am 6. September 2015; abgerufen am 12. Juni 2025.
- ↑ Max Weber-Programm. Abgerufen am 14. Juli 2025.
- ↑ stipendiumplus.de. Abgerufen am 1. Dezember 2020.
- ↑ Über uns. In: Pro Scientia Studienstiftung. Österreichisches Studienförderungswerk PRO SCIENTIA, abgerufen am 12. Juni 2025.
- ↑ Über uns. In: Österreichische Studienstiftung. Österreichische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 12. Juni 2025.