Bel-šarru-uṣur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bel-šarru-usur)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bel-šarru-uṣur bzw. Belšazar (auch Belsazar; spätbabylonisch Bel-šarru-uṣur; griechisch Baltạsar; lateinisch Baltạssar) war babylonischer Kronprinz, der von 552 bis 543 v. Chr. an Stelle seines Vaters Nabonid die Regierungsgeschäfte führte. Sein Name bedeutet: „Bēl beschütze den König“.

Historische Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Wirtschaftsurkunden aus Babylonien bezeugen Belsazars Regentschaft. In der Nabonid-Chronik wird unter anderem auch die Abstammung Belsazars von Nabonid bezeugt: „Der Sohn des Königs … war im Lande Akkad (Babylonien), während sich Nabonid in Tayma (in Arabien) aufhielt.“

Biblische Überlieferung (Buch Daniel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Buch Daniel des Alten Testamentes wird Belšazar als ein König und als ein „Sohn“ des Nebukadnezar II. bezeichnet.

Aber „Sohn“ bedeutet in den biblischen Sprachen „männlicher Nachfahre“, schließt also Enkel und so weiter ein. Ebenso erklärt sich die biblische Bezeichnung „Nebukadnezar, Vater des Belšazar“ aus der hebräischsprachigen Gewohnheit, auch Vorväter als Väter zu bezeichnen. So wird der Ausdruck „Sohn Davids“ auch für einen entfernten Nachkommen Davids genutzt.

Belšazar erscheint eine geisterhafte „Schrift“ an einer Wand seines Palastes (vermutlich ein Wasserschaden, siehe Menetekel). Belšasar bittet seine Gelehrten, diese Schrift zu übersetzen. Nachdem sie gescheitert sind, lässt er den Propheten Daniel holen, der ihm diese Schrift glaubwürdig übersetzt. Noch in derselben Nacht wird Belšazar ermordet und wird sein Reich unter Persern und Medern geteilt.

Historischer Bezug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möglich ist, dass der biblischen Überlieferung historische Ereignisse zugrunde liegen und Belšazar tatsächlich von einem Marduk-Priester ermordet worden ist. Er war jedoch zu keinem Zeitpunkt König Babyloniens, sondern bis zur Rückkehr Nabonids dessen Stellvertreter. Somit bezeichnet „König“ seine Dienststellung als Regent,[1] die auch daran zu erkennen ist, dass Daniel die Dienststellung des Dritten im Reich angeboten wird,[2] während Belšazar offenbar der Zweite im Reich war. Belšazar war nicht, wie oft nach dem Buch Daniel geschlossen wurde, der letzte König des babylonischen Reiches.[3] Letztmals wird er als Stellvertreter im 13. Regierungsjahr des Nabonid genannt, den er seit dem 4. Regierungsjahr seit der Thronbesteigung vertrat.[4] Nach der Rückkehr des Babylonierkönigs aus Tayma, einer Oase in dem heutigen Saudiarabien, ist Belšazar in den schriftlichen Quellen nicht mehr genannt worden.

Daniels Funktion, von den Redaktoren als weisheitlicher Omendeuter beschrieben, kann mit dem Amt einer Entu-Priesterin beziehungsweise eines Wahrsagers (akkadisch: ašipu) verglichen werden, das im babylonischen Reich die Omendeutungen oder Beschwörungen enthielt.[5] Nabonid regierte nach seiner Rückkehr weitere drei Jahre.[6] In den Nabonid-Chroniken ist ein vorzeitiger Tod seines Sohnes jedoch nicht vermerkt. In diesem Zusammenhang ist auch bedeutsam, dass den Nachkommen des Babylonierkönigs kein nachfolgendes Königtum geweissagt worden ist.

Künstlerische Bearbeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rembrandt van Rijn:
Das Gastmahl des Belsazar

Der Stoff des Belsazar ist Grundlage für zahlreiche künstlerische Bearbeitungen. Hier eine Auswahl:

Und sieh! und sieh! an weißer Wand,
da kam’s hervor wie Menschenhand.
Und schrieb und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand.
[…]
Belsazar ward aber in selbiger Nacht
von seinen Knechten umgebracht.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F. M. Thomas Böhl: Daniel. In: Dietz-Otto Edzard u.a.: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie. Band 2. de Gruyter, Berlin 1978, ISBN 3-11-004450-1, S.118.
  • M. A. Dandamayev: Nabonid. In: Dietz-Otto Edzard u.a.: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 9. de Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3-11-017296-8, S.6-12.
  • Alan R. Millard: Bibel und Archäologie. TVG Brunnen, Gießen/Basel 1977, ISBN 3-7655-9023-1.
  • Wolfgang Röllig: Die Weisheit der Könige in Assyrien und Babylonien. In: David Clines, Elke Blumenthal: Weisheit in Israel: Beiträge des Symposiums „Das Alte Testament und die Kultur der Moderne“ anlässlich des 100. Geburtstags Gerhard von Rads (1901–1971), Heidelberg, 18.–21. Oktober 2001. Lit, Münster 2003, ISBN 3-8258-5459-0, S.37-52. (online)
  • Josef Wiesehöfer: Das antike Persien 550 v. Chr bis 650 n. Chr. 1. Auflage. Patmos, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96151-3, S. 426.
  • Albert Kirk Grayson: Assyrian and Babylonian Chronicles. Eisenbrauns, Toronto 1975, S.104-111 (Chronik 7)
  • P.-A. Beaulieu: The Reign of Nabonidus, King of Babylon. New Haven 1989.
  • Kurt Galling: Textbuch zur Geschichte Israels. Tübingen 1968, S. 81.
  • Dominik Helms: Belsazar. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff., Zugriffsdatum: 18. Juli 2017.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. R. Millard: Bibel und Archäologie, S.38.
  2. Dan 5,7.16 EU
  3. M. A. Dandamayev: Nabonid. S.10.
  4. Die Regierungsjahresangabe bezieht sich auf den babylonischen Kalender. Es handelt sich in Gleichsetzung der Regierungschronik jeweils um das offizielle 12. und 3. Regierungsjahr.
  5. Wolfgang Röllig: Die Weisheit der Könige in Assyrien und Babylonien. S.38.
  6. Klaas R. Veenhof: Geschichte des Alten Orients bis zur Zeit Alexanders des Großen – Grundrisse zum Alten Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, S.284.
  7. Kurt Schreinert: Beccau, Joachim. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 687 (Digitalisat).
  8. Heinrich Heine: Buch der Lieder. In: Projekt Gutenberg-DE.