Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

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Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein drittmittelfinanzierter Thinktank, der sich mit den weltweiten demographischen Veränderungen befasst. Er sieht seine Hauptaufgabe darin sieht, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Öffentlichkeit und für den politischen Entscheidungsprozess aufzubereiten sowie Konzepte zur Lösung demographischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten.

Organisation[Bearbeiten]

Das Berlin-Institut wurde im August 2000 mit von der Falk- und Marlene-Reichenbach-Stiftung bereitgestelltem Startkapital gegründet und ist wegen der Förderung von Wissenschaft und Forschung als gemeinnützige Stiftung anerkannt. Das Institut ist laut Satzung und Förderkodex parteipolitisch unabhängig und konfessionell nicht gebunden. Es erhält keine öffentliche institutionelle Förderung und finanziert sich über Projektzuwendungen, Spenden und Forschungsaufträge. Förderer und Auftraggeber sind u.a. das BMFSFJ, die Europäische Kommission, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der GfK Nürnberg e.V., die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die KfW Entwicklungsbank, die Körber-Stiftung, das Ministerium des Inneren Brandenburg die Robert Bosch Stiftung, die Erste Stiftung, die Weltbank und die Software AG Stiftung.[1]

Leiter des Instituts ist der Chemiker Reiner Klingholz, der früher Zeit- und Geo-Wissen-Redakteur war. Das Institut hat neben dem Stiftungsrat auch einen Wissenschaftlichen Beirat.

Arbeits- und Themenschwerpunkte[Bearbeiten]

Das Berlin-Institut veröffentlicht Studien, Diskussionspapiere und Gutachten und erstellt Hintergrundpapiere. Es betreibt ein Online-Handbuch zum Thema Demografie und Entwicklung und versendet unregelmäßig einen Newsletter. Die Publikationen drehen sich um die Beschreibung des demografischen Wandels sowie dessen Auswirkungen. Themenschwerpunkte sind etwa

  • Auswirkungen der demografischen Entwicklung im ländlichen Raum; Darstellung von Möglichkeiten, wie sich die technische und soziale Infrastruktur in besonders stark schrumpfenden Regionen anpassen kann oder muss.
  • Entwicklungspotenziale und demografische Entwicklung in Ländern mit hohem Bevölkerungswachstum; Erarbeitung von Strategien, mit denen Partner in der Entwicklungszusammenarbeit dafür sorgen können, dass sich diese Länder demografisch, sozioökonomisch und ökologisch verträglich weiterentwickeln.
  • Zuwanderung und Integration.

Ziel der Stiftung ist nach eigenen Angaben, die öffentliche Wahrnehmung der weltweiten demografischen Veränderungen und der damit verbundenen Herausforderungen zu verbessern und damit zur Bewältigung des demografischen Wandels beizutragen.[2] Ein weiteres Ziel ist, statistische Daten und existierende Forschungsergebnisse aufzubereiten und für die breite Öffentlichkeit verständlich darzustellen.[3] Veröffentlichungen des Instituts werden häufig in den Medien genannt und zitiert und Mitarbeiter treten als Experten auf,[4] insbesondere zu den Themen Entwicklung des ländlichen Raums[5][6][7] sowie Zuwanderung[8][9][10][11] und zu allgemeinen Demografiethemen wie Geburtenentwicklung und Bevölkerungsentwicklung[12][13].


Publikationen[Bearbeiten]

Eine vollständige Liste steht auf der Website des Instituts.

  • Not am Mann. Von Helden der Arbeit zur neuen Unterschicht? Lebenslagen junger Erwachsener in wirtschaftlichen Abstiegsregionen der neuen Bundesländer (2007) analysiert Ursachen und Folgen der Abwanderung vor allem junger und qualifizierter Frauen aus den neuen Bundesländern: Insbesondere die entlegenen wirtschafts- und strukturschwachen Regionen verarmen durch die Migration – sozial, wirtschaftlich und demographisch. Ein Teil der zurückbleibenden Männer bildet eine neue Unterschicht. Den Hauptgrund für die überproportionale Abwanderung von jungen Frauen bildet deren Bildungsvorsprung. Das Berlin-Institut empfiehlt in der Studie Not am Mann dringend ein Motivations- und Bildungsprogramm, das sich speziell den abgehängten, männlichen Jugendlichen widmet.
  • Gutachten zum demografischen Wandel im Land Brandenburg. Expertise im Auftrag des Brandenburgischen Landtages (2007) Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat im Auftrag des Brandenburgischen Landtages ein Gutachten zum Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels erstellt. Es gibt Handlungsempfehlungen, die für alle betroffenen Gebiete im Osten Deutschlands hilfreich sein können.
  • Ungewollt kinderlos. Was kann die moderne Medizin gegen den Kindermangel in Deutschland tun? (2007) Neben einer modernen Familienpolitik und neben vermehrter Prävention zur Vermeidung medizinisch bedingter Unfruchtbarkeit könnte die Reproduktionsmedizin Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch helfen und so in gewissem Umfang die Geburtenstatistik erhöhen.
  • Die demografische Zukunft von Europa. Wie sich die Regionen verändern (2008, Titel der englischen Ausgabe: Europe´s demographic future) vergleicht und bewertet die Regionen der EU-27-Länder, von Norwegen, der Schweiz und Island, sowie ausgewählter osteuropäischer Länder mit Hilfe von 24 Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Bildung, Wissenschaft und Technologie, Klima und Gesundheit. Die Studie zeigt, wie die einzelnen Regionen und Länder mit den Herausforderungen umgehen und was sie voneinander lernen können.
  • Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland (2009) Gemischte Integrationserfolge in Europas Zuwanderungsland Nummer 1.
  • Demenz-Report. Wie sich die Regionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf die Alterung der Gesellschaft vorbereiten können (2011)
  • Die demografische Lage der Nation. Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet (2011) untersucht, welche Folgen Bevölkerungsschwund und Alterung für die Entwicklung der Regionen haben.
  • Afrikas demografische Herausforderung. Wie eine junge Bevölkerung Entwicklung ermöglichen kann (2011) untersucht, wie sich das Bevölkerungswachstum auf die Entwicklung Afrikas auswirkt und wo die demografischen Chancen liegen.
  • Die Zukunft der Dörfer. Zwischen Stabilität und demografischem Niedergang (2011)
  • Nach Punkten vorn. Was Deutschland von der Zuwanderungs- und Integrationspolitik Kanadas lernen kann (2012)
  • Vielfalt statt Gleichwertigkeit. Was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet (2013)
  • Neue Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland (2014)
  • Die Zukunft des Generationenvertrags. Wie sich die Lasten des demografischen Wandels gerechter verteilen lassen (2014)
  • Stadt für alle Lebensalter. Wo deutsche Kommunen im demografischen Wandel stehen und warum sie altersfreundlich werden müssen (2014)
  • Krise an Europas Südgrenze. Welche Faktoren steuern heute und morgen die Migration über das Mittelmeer? (2014)
  • Von Hürden und Helden. Wie sich das Leben auf dem Land neu erfinden lässt (2015)
  • Consequential omissions. How demography shapes development - Lessons from the MDGs for the SDGs (2015)
  • Schwach im Abschluss. Warum Jungen in der Bildung hinter Mädchen zurückfallen - und was dagegen zu tun wäre (2015)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zur Förderung auf der Website des Berlin-Instituts. Abgerufen am 19.4.2015.
  2. Die ersten zehn Jahre. Herausgegeben vom Berlin-Institut. Abgerufen am 19.4.2015.
  3. Strategisches Profil des Berlin-Instituts. Abgerufen am 19.4.2015.
  4. Presseschau des Berlin-Instituts. Abgerufen am 19.4.2015.
  5. Die Schrumpfkur. In: Der Spiegel, 28.3.2015.
  6. Ageing but supple. In: Economist vom 14.3.2015. Abgerufen am 19.4.2015.
  7. Dörfer sollen besser schrumpfen. In: ZEIT Online. Abgerufen am 19.4.2015.
  8. Statement von Stephan Sievert in ZDF Berlin direkt. Abgerufen am 19.4.2015.
  9. Deutschland braucht qualifizierte Einwanderer. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 1.2.2015.
  10. Die letzten Meter der Reise. In: FAZ Online am 29.11.2014. Abgerufen am 19.4.2015.
  11. Faktencheck Integration mit Franziska Woellert. In: RBB Abendschau am 18.3.2015.
  12. Warum Deutschland schrumpft und Frankreich wächst/ Interview mit Tanja Kiziak. In: SR3 Kulturradio am 23.2.2015
  13. Mutter mit 29: Das erste Baby kommt immer später. In: Hamburger Abendblatt am 9.12.2014. Abgerufen am 19.4.2015.