Berlin Document Center

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Berlin Document Center in Berlin-Zehlendorf (1947)

Das Berlin Document Center (BDC) wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin errichtet, um zentral Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu sammeln, die zur Vorbereitung für die Nürnberger Prozesse gegen Kriegsverbrecher benötigt wurden. Bis 1994 stand das BDC unter US-amerikanischer Verwaltung und wurde dann vom Bundesarchiv übernommen. Mikroverfilmte Kopien wurden für die National Archives and Records Administration angefertigt, wo der Zugang ungehindert vom deutschen Datenschutz möglich ist. Das BDC befand sich am Ende des Wasserkäfersteigs, südöstlich der Krummen Lanke, in größtenteils unterirdischen Gebäuden einer ehemaligen Abhörstation des Reichsluftfahrtministeriums mit Bunkeranlage.[1]

Das BDC war mit insgesamt über 20 Millionen Akten bis zur Übernahme durch das Bundesarchiv eines der größten Personenarchive in der Bundesrepublik Deutschland.[2]

Bestände[Bearbeiten]

  • zentrale Mitgliedskartei der NSDAP, 10,7 Millionen Karteikarten (90 Prozent)
  • 60 Prozent der Personalakten der SS, etwa 600.000 personenbezogene Unterlagen (Akten und Karteien)
    • SSO-Akten: die SS-Offiziersakten (abgekürzt SSO), zu ca. 62.000 SS-Führern.
    • SSEM-Akten: („SS Enlisted Men“), zu ca. 380.000 SS-Unterführern und einfachen SS-Angehörigen.
    • sowie eine Sammlung mit Listen aus verschiedensten Provenienzen zu ca. 240.000 SS-Angehörigen.
  • 500.000 Akten aus dem Rasse- und Siedlungshauptamt der SS
    • darunter vielzählige R.u.S. Personal-Fragebögen
  • 1,5 Millionen Parteikorrespondenzen
  • mehrere 100.000 Personalakten der SA, des NS-Lehrerbundes, des NS-Bundes Deutscher Techniker und weiterer NS-Organisationen
  • Informationen über 2,5 Millionen volksdeutsche Einwanderer
  • Akten der Reichskulturkammer, des Volksgerichtshofes und von Gestapo-Dienststellen

Es ist möglich, unter bestimmten Voraussetzungen und bei entsprechender Legitimation Zugriff auf diese Unterlagen zu erhalten.

Fund der NSDAP-Zentralkartei[Bearbeiten]

Die 50 Tonnen Karten der NSDAP-Zentralkartei sollten im April 1945 von der Papiermühle Wirth in München-Freimann vernichtet werden. Dazu kam es nicht mehr, die Kartei wurde dem US-Stadtkommandanten in München gemeldet und im Januar 1946 ins Berlin Document Center gebracht.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Babette Heusterberg: Personenbezogene Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das Bundesarchiv in Berlin und seine Bestände, insbesondere des ehemaligen amerikanischen Berlin Document Center (BDC). In: Herold-Jahrbuch N.F. 5 (2000), 149–186. (als PDF)
  • Stefan Heym: Eine wahre Geschichte. In: Ders. (Hrsg.): Die Kannibalen und andere Erzählungen. Leipzig 1953, 51–76
  • Robert Wolfe: A Short History of the Berlin Document Center. In: The Holdings of the Berlin Document Center. A Guide to the Collections. Berlin 1994, XI–XXII
  • Sabine Weißler; Wolfgang Schäche (Hg.): Daten-Reich im Verborgenen : das Berlin Document Center in Berlin-Zehlendorf. Jonas-Verlag, Marburg, 2010. ISBN 3-89445-440-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lageplan
  2. Horst Ulrich, Uwe Prell, Ernst Luuk: Berlin Document Center (BDC). In: Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt. FAB-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-927551-27-9, S. 92.
  3. Ulrich Raulff. In: Süddeutsche Zeitung vom 25. September 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin Document Center – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.45066113.234105Koordinaten: 52° 27′ 2″ N, 13° 14′ 3″ O