Berliner Großmarkt

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Der Berliner Großmarkt liegt im Berliner Ortsteil Moabit an der Beusselstraße 44n–q, direkt neben dem Westhafen. Auf 326.475 Quadratmetern Fläche bieten rund 300 Großhändler aus dem Food- und Nonfoodbereich ihre Waren und Dienstleistungen an. Das Produktspektrum des Berliner Frischezentrums reicht von Obst und Gemüse (Fruchthof Berlin) über Fleisch- und Wurstwaren, Seafood, Frischfisch und Tiefkühlfisch, Getränke, Convenienceprodukte, Spezialitäten und Delikatessen. Ergänzt wird das Angebot durch den Blumengroßmarkt mit seinem Angebot an Schnittblumen, Pflanzen und Floristikbedarf. Dazu kommen unterstützende Serviceangebote wie Lagern, Transportieren, Kühlen, Tanken, Waschen und Reparieren.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betreiber des Berliner Großmarktes ist die Berliner Großmarkt GmbH. Ihre Geschäftsführung liegt in den Händen von Peter Stäblein. Die Berliner Großmarkt GmbH ist eine landeseigene Gesellschaft, die eigenverantwortlich auftritt. Ihr Aufsichtsrat setzt sich jedoch zum großen Teil aus Vertretern des Berliner Senats zusammen.[1]

Die Berliner Großmarkt GmbH ist im Jahr 2017 aus dem Weltverband der Großmärkte (World Union of Wholesale Markets, WUWM) und der Gemeinschaft zur Förderung der Interessen der deutschen Frischemärkte (GFI) ausgetreten.

Der Gesamtumschlag des Berliner Großmarktes beträgt rund 600.000 Tonnen pro Jahr, davon sind rund 220.000 Tonnen Obst und Gemüse. Das Einzugsgebiet des Frischezentrums Berlin bedient rund sechs Millionen Menschen und umfasst die Metropolregion Berlin/Brandenburg sowie die darüber hinausliegenden Bereiche bis nach Mecklenburg-Vorpommern.

Die auf dem Großmarkt ansässigen Firmen stellen rund 2500 Arbeitsplätze, die Verwaltung des Großmarktes beschäftigt 27 Personen. Der Berliner Großmarkt ist 24 Stunden am Tag geöffnet, die Obst- und Gemüsehalle Montag bis Freitag von 2 bis 22 Uhr, sonnabends bis 14 Uhr, der Blumengroßmarkt ist von Montag bis Freitag von 4 bis 13 Uhr bzw. am Dienstag und Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet, sonnabends bis 9 Uhr. Der Fleischgroßmarkt ist von 6 bis 23 Uhr geöffnet, die Deutsche See von 7 bis 18 Uhr.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berliner Großmarkt ist entstanden als Betreibergesellschaft für die Berliner Markthallen, die der Magistrat von Berlin in den Jahren 1883 bis 1892 erbauen und eröffnen ließ. Insgesamt wurden elf Markthallen im ganzen Stadtgebiet gebaut, dazu kam 1937 die Blumengroßmarkthalle an der Enckestraße.

Ein Großteil der Markthallen wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nur ein Teil davon wurde wieder aufgebaut. Unter anderem die Markthalle am Marheinekeplatz (Wiedereröffnung 1962), die Markthalle an der Arminiusstraße und die an der Eisenbahnstraße. Ebenfalls zerstört wurden die Markthalle II und der benachbarte Blumengroßmarkt an der Friedrichstraße. Letzterer wurde 1962 wieder aufgebaut und 1965 eröffnet.

Dem Krieg zum Opfer fiel auch die sogenannte „Zentrale Markthalle“ am Alexanderplatz. Sie war gleichzeitig Sitz der Verwaltungsgesellschaft Großmarkt Berlin. Da ein Wiederaufbau so gut wie unmöglich war, zog der Großmarkt 1949 um nach Mariendorf und wurde dort 1960 umfirmiert in die Berliner Großmarkt GmbH. Die neugegründete Gesellschaft bewarb sich um einen neuen Standort und erhielt die Zusage für einen Neubau an der Beusselstraße. Der Standort wurde am 20. März 1965 eröffnet.

In dem Jahr und in den Folgejahren wurde der Obst- und Gemüsegroßmarkt sowie der Fleischgroßmarkt eröffnet. 1969 wurde die Grundstücke des Blumengroßmarktes, sowie der drei Einzelhandelsmarkthallen am Marheinekeplatz, an der Eisenbahnstraße sowie an der Arminiusstraße übertragen. 1975 wurde das Angebot des Großmarktes durch den Neubau der „Deutsche See“ vervollständigt, 1987 kam dann eine neue Obst- und Gemüsehalle mit 11.000 Quadratmetern dazu; zusätzlich zur rund 30.000 Quadratmeter großen Halle des Fruchthofes Berlin

Im Jahr 2007 wurde die Markthalle am Marheinekeplatz komplett saniert und mit einem kleinteiligen Handelskonzept wieder eröffnet. Während der neunmonatigen Umbauphase betrieben die Markthändler ihr Geschäft in Verkaufscontainer weiter auf dem Marheinekeplatz. Die Sanierung der Markthalle erwies sich als Erfolg: Die Halle gilt aktuell als eine der modernsten in Deutschland und zieht aus dem näheren und entfernteren Umfeld bis zu 7000 Kunden täglich an.

Auf dem Gelände an der Beusselstraße wurde 2007 der Obst- und Gemüsegroßmarkt umfassend saniert und im März 2008 wieder eröffnet. Ende 2009 wurde der Blumengroßmarkt auf dem Großmarktgelände an der Beusselstraße neu gebaut (12.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, Eröffnung Mai 2010), der alte Blumengroßmarkt an der Friedrichstraße geschlossen und ein Teil der Großhändler umgesiedelt in den Neubau.

Die frühere Blumengroßmarkthalle ist mittlerweile im Besitz des Jüdischen Museums und wird als Erweiterungsbau für das Museum ausgebaut. Die Markthalle an der Arminiusstraße wurde 2010 verpachtet an die Zunft AG, die Markthalle an der Eisenbahnstraße steht zum Verkauf.

Energiekonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit der Berliner Energieagentur (BEA) will der Großmarkt auch energetisch zum „grünen Großmarkt“ werden. Bereits 2012 wurde die mit 40.000 Quadratmetern größte Photovoltaikfläche auf Berliner Dächern in Betrieb genommen.[2] Das Solarkraftwerk ist von der BEA finanziert, geplant und in Zusammenarbeit mit Dienstleistern errichtet worden. Der Strom fließt derzeit noch in vollem Umfang ins allgemeine Netz, soll aber in Zukunft auch direkt die Stromversorgung vor Ort zu preisgünstigen Konditionen sichern.

Ein im Jahr 2013 vereinbartes Energiekonzept[3] umfasst unter anderem eine Bestandsaufnahme der Strom-, Kälte- und Wärmeverbräuche, der technischen Gebäudeausstattung sowie im Anschluss daran Machbarkeitsstudien, die Entwicklung eines Energiemanagementkonzeptes sowie eine Umsetzungsstrategie mit einem Arbeitsplan. Zu den weiteren Plänen des Großmarktes gehört die sukzessive Umstellung des Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge sowie die Installation eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) oder einer Holzhackschnitzelanlage zur Verarbeitung von 1500 Tonnen Holzabfällen, die jährlich auf dem Gelände anfallen.

In der Vergangenheit hat der Großmarkt bereits aus eigener Kraft einige Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit umgesetzt, darunter die Umstellung auf zertifizierten Ökostrom, die Modernisierung der Kälteversorgung für den Blumengroßmarkt sowie die Optimierung der Wärmeversorgung in der Obst- und Gemüsehalle des Fruchthofs Berlin. Insgesamt konnten durch diese Maßnahmen über 800 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden, weitere 800 Tonnen durch die Installation der Solarstromanlage.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berliner Großmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Infobroschüre der Berliner Großmarkt GmbH, Stand: Dezember 2010.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aufsichtsrat der Berliner Großmarkt GmbH
  2. Photovoltaikanlage auf dem Berliner Großmarkt
  3. Start des EU-Projektes "goEco"

Koordinaten: 52° 32′ 5″ N, 13° 19′ 17″ O